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Biochemische Untersuchungen und Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit bei chronisch Trichlorathylen-belasteten Personen
G. Tnebig, Th. Reichenbach und K. A. Flugel
Instilut fur Arbeitc- und Sozialmedizm und Poliklinik fur Berufskranklieiten der Univcr41t.1t hrlangon-Niirnbcrg. (Direktor: Prof. Dr. H. Valentin), Schillerstrafie 25 -29, D-8520 Erlangen, und Univerulats Nervenklinik mtt Poliklinik der Umversitat Erlangen-Ntirnberg, (Direktor: Prof. Dr. H. H. Wicck). D-8520 Erlangen, Bundesrepublik Deutschland
Biochemical Examinations and Measurements of Conduction Velocity of Trichloro ethylene Exposed Persons
Summary. The maximal and minimal conduction velocities of the Ulnar and Median Nerves of 7 persons, chronically exposed to trichloroethylene (TRI), were measured. To evaluate the solvent's load we analysed the biological material and the trichloroethylene-concentration in air at the working place. The amount of trichloroethylene, trichloroethanol (TCE) and trichloroacetic acid (TCA) in blood was determmed as well as the excretion of TCE and TCA in urine. By the determination of the external and internal dosis the halogenated hydro carbon load is commentabie in occupational medicine. Additionally the conduction velocity of the corresponding nerves of a control group of 13 persons was measured which had a similar distribution of age, but which was not exposed to that solvent. Our results for both collectives agreed with the age-corresponding values given in the literature. There was no statistically significant difference between the exposed and non-exposed persons. Further no correlation between the biochemical parameters and the conduction velocity could be proved.
Key words: Biochemical investigations -- Conduction velocity measurements Trichloroethylene - Chronically exposed collective.
Zusammenfassung. Sieben Personen, die chronisch gegenuber Trichlorathylen exponiert sind, wurden untersucht. Neben den Analysen im biologischen Material und arbeitsplat/.bezogenen Raumiuft-Messungen wurde die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) des N. ulnaris und N, radialis bestimmt. lm Blut analysierten wir die
Sonderdruekanfragen an: Dipl. Chem. cand. med. G. Triebig (Adresse Mehe oben)
0304-0131/78/0042/0031/$ 2.00
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32 G. Tncbig et al.
Konzentration von Trichlorathylen (TR1), Trichlorathanol (TCE) und Trichloressigsaure (TCA) und im Urin die Exkretion von TCE und TCA. Durch die quanti tative Erfassung der externen und internen Dosis wird die Halogenkohlenwasserstoff-Belastung arbeitsmedizinisch beurtedt. Bei einem Vergleichskoliektiv von 13 Probanden, die eine ahnliche Altersverteilung zeigten, aber nicht Losungsmittel-exponiert waren, wurden die minimalen und maxinialen Leitgeschwindigkeiten der betreffenden Nerven gemessen. Die erhaltenen Nervenleitgeschwmdigkeiten stimmen fur beide Kollektive mit den altersspezifischen Angaben in der Literatur uberein. Zwischen den belasteten und nicht belasteten Personen liefe sich kein statistisch signifikanter Unterschied der Nervenleitgeschwindigkeit sichern. Eine Korrelation zwischen den biochemischen Parametern und den Nervenleitgeschwmdigkeiten konnte nicht aufgezeigt werden.
Schliisselworter: Biochemische Untersuchungen - Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen - Trichlorathylen chronisch exponiertes Kollektiv.
1. Einleitung
lm Rahmen der praventivmedizinischen Aufgabenstellungen der Arbeitsmedizin mussen Belastungen, Beeintriichtigungen und/oder adverse Effekte durch Schadstoffe am Arbeitsplatz fruhzeitig erkannt werden (Schaller u. Valentin, 1976).
So konnen bestimmte chemische Noxen bei einer langfristigen Einwirkung das zentrale und periphere Nervensystem schadigen. Zur Erfassung und Beurteilung von peripheren Nervenschadigungen haben sich elektroneurographische und elektromyographische Untersuchungsverfahren bewahrt (Hopf u. Lowitzsch, 1974;Mumenthaler u. Schliack, 1977). In diesem Zusammenhang stellt die Messung der Leitgeschwindigkeiten (NLG) verschiedener penpherer Nerven ein wichtiges diagnostisches Kriterium dar.
Der mogliche EinfluB verschiedener chemischer Substanzen wie Athanol, Styrol, Blei, Antikonvulsiva auf die Nervenleitgeschwindigkeit wurde von mehreren Autoren m den letzten Jahren untersucht. (Jurko et al., 1964; Wanamaker u. Skillman, 1966; Perfetti et al., 1967; Hopf, 1968;Catton et al., 1970;Seppalainen u. Hernberg, 1972; Hopf, 1973, Stahl et al., 1974; Blackstock et al,, 197S;Chokroverty u. Sayeed, 1975; Seppalamen et al., 1975;Seppaliiinen u. Harkonen. 1976; Verberk, 1976).
In der vorliegenden Arbeit berichten wir uber die Untersuchungsergebnisse von Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit des N. ulnaris und des N. radialis bei beruflich Trichlorathylenexponierten Personen und einem Normalkollektiv.
Die Beurteilung der internen Belastung der Losemittel-exponierten Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgte quantitativ mit Hilfe biochemischer Parameter. Analysiert wurden neben Trichlorathylen (TR1) im Blut die Metaboliten Trichlorathanol (TCE) und Tnchloressigsaure (TCA) m Blut und Urin.
2. Methode
2 I Kollektivauswahl und Untersuchungsahtauj
Untersucht wurden Mitarbeiter, zwei Frauen und fiinf Manner, einer Sieb- und Offset-Druckerei. Sie hatten wahrend ihrer berufliehen Tatiykcu im Mittel 5 bis 8 Stunden taglich direkten oder indtrekten Kontaki mil dent Trichlorathylen-haingen Losungsmittel Typorol (Fiona Bottcher, D-8051 tchmg).
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2.2 Raumlui
DieQuantili. nach der vor nen Arbeiter
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Die Bes, ai. (1976).
2.3 Messung
2.3.1 Gerate 13 K 62). Ofc Strahl-Speich Oszilloskop i:
2.3.2 Durchji folgte mit de; nach Seppala;
Die max potentiate nae
Alle Mes von 27 bis 30 35 C.
Die Nerx von 0,1 ms-Da
Den N. u Reizon des N rtaris und M. trizeps und H meterband, b;
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2.4 Statistisch
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I I Biochcmische Untersuchungen und Messungcn der Nervenleitgeschwindigkeit
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Die erste Untersuchung erfolgte an den Tagen am Ende einer Arbeitswoche, die Kontrolluntersuchung wurde sofort nach sieben arbeitsfreien Tagen durchgefiihrt. i Dutch Venenpunktion wuiden 5 ml Blut abgenommen und mit 0,5 ml Citratlosung versetzt. Zusatziich sammelten die Probanden eine Unnprobe. Anschliehend wurde die Nervenleitgeschwindigkeit. wie unter 2.3 beschrieben, beslimmt.
Parallel dazu erfalsten wir die Nervenleitgeschwindigkeiten bei 4 Frauen und 9 Miinnern, die keinen Kontakt mit diesem Halogenkohlenwasserstoff hatten.
Die Altersgruppierung beider Kollektivc war vergleichbar und lag zwischen 19 und 32 Jahren,
2.2 Raumluftmessungen und biochemische l/nrersuchungen
Die Quantifizierung der externen Dosis erfolgte durch infrarotspektroskopische Raumluftmessungen nach der von Schacke et al. (1972) beschriebenen Methode. Dabei wurde punktuell an verschiedenen Arbeitsplatzen die Tnchlorathylen-Konzentration bestimmt.
Um die interne Dosis als Zeichen einer Belastung zu ermitteln, analysierten wir die Blutund Urmproben auf ihren Gehalt an Trichlorathanol (TCE) und Trichloressigsaure (TCA). Weiterhin erfolgte die Bestimmung von Trichlorathylen (TR1) in den Blutproben.
Die Beschreibung der gaschromatographischen Analysenmethoden findet sich bei Triebig et al. (1976).
2.3 Messung der Ncrvenleitgeschwindigkeit
2.3.1 Cerate. Reizgerat mit 2 Reizisoliereinheiten (Fa. Tonnis, Typ D), Reizelektroden (Fa. Disa, 13 K 62), Oberflachenelektroden (Fa. Disa 13 L 27), EMG-Verstarker (Fa. Disa, 14 C 11), 2Strahl-Spetcheroszillograph (Fa. Tectronix R 510 3 N-D 13), Signal-Averager (Fa. Nicolet 10 72), Oszilioskop (Fa. Tectronix RM 504).
2.3.2 Durchfuhrung der Messung. Die Bestimmung der minimalen Nervenleitgeschwindigkeit er folgte mit der erstmals von Hopf (1962) beschriebenen Doppelreizmethode in einer Modifikation nach Seppalainen (1971).
Die maximale Nervenleitgeschwindigkeit errechnet sich aus den Latenzen der Muskelaktionspotenttale nach Reizung des Nerven an zwei Punkten.
Alle Messungen wurden am liegenden Patienten bei einer durchschnittlichen Raumtemperatur von 27 bis 30 (' durchgefiihrt. Die Hauttemperatur lag an den Reizpunkten zwischen 31 und 35C.
Die Nerven wurden mit Oberflachenelektroden gereizt. Als Reize dienten Rechteckimpulse von 0,1 ms-Dauer. Die Einstellung der Reizstarke erfolgte jeweils supramaximal.
Den N. ulnaris reizten wir distal am Handgetenk und proximal etwa in der Oberarmmitte. Der Reizort des N. radialis lag distal in der oberen Unterarmhalfte zwischen M. extensor carpi ul naris und M. extensor digitorum, proximal in der Achselhohle zwischen Caput longum des M. trizeps und Humerus. Die Strecke zwischen den Reizpunkten bestimmten wir mit einem Stahlmeterband, bzw. beim N, radialis mit Hilfe ernes gynakologischen Zirkels.
Die Muskelsummenpotentiale leiteten wir mit Oberflachenelektroden vom Hypothenar bzw. vom M. abductor pollicis longus ab. Bei beiden Muskeln betrug der Elektrodenabstand ca. 3 cm. Die Latenz des Muskelaktionspotentials bestimmten wir auf 0,1 ms genau mit Hilfe der Oszilios kop-Leuchtmarkierung.
Die Verwendung eincs Signal-Averager ermoglichte uns die Bestimmung der Verzogerungszeit zwischen distalem und proximalem Reiz bei Anwendung der Doppelreizmethode.
2.4 Statistische Auswertung
Die erhaltencn Mefcwerte waren nicht normal verteilt. Zur Beschreibung der Ergebnisse wurden deshalb der Median und der Meliwertbercich herangezogen.
Die Korrelationsanalyscn flihrten wir mit dem nicht parametrischen Rangkorrelationstest nach Spearman durch. Die Prtifung der Signifikanz erfolgte auf dem 0,05 Niveau.
Die statistische Bercchnungcn wurden an der Rechcnanlage CD 3300 des Rechenzentrums der Universitat Erlangen-Numberg durchgefiihrt.'
' Fur die Hilfe bei der statistischen Auswertung danken wir Herrn Dipl. Phys. Weltle
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34 G. Trtebig et al
Tabelle I. Zusammenstellung der Medians und ties Metiwertbereichesder NervenleitgesctnMndtgkeit und der biochemischen Parameter
Nervenleitgeschwindigkeit
Beiastendes Kollcktiv n=7
Nichtbelastendes Kollcktiv n = 13
AB
AB
N. ulnans m/s
57.S 59.5 max (54.0 62.5) (54.4-61.9)
min
49.3 (38.5 54.4)
51.3 (38.8-55.6)
59.0 (52.8-63.9)
48.8 (44.9-52.9)
57.5 (53.4-61.9)
49,3 (44.5-57.9)
N. radialts m/s
8,9 ( 6.6 15.5)
8.2 ( 4.3-15.6)
69.7 71.8 max (63.8-74.4) (67.4-78.1)
54.2 60.8 mm (27.1 61.2) (52.8-74.4)
9.3 ( 4.4-14.7)
72.6 (63.7-82.9)
57.9 (42.2-68.8)
8.3 ( 2.9-10.8)
71.1 (66.7-77.8)
58.9 (48.8-64.8)
n = 11
Biochemische Parameter:
16.1 ( 2.6-41.0)
11.0 ( 3.7-19.0)
12.0 ( 1.4-36.9)
11.7 ( 4.3-26.2)
n= 11
TRI
0.80
0.40
( 0.35- 3.50) ( 0.29 0.50)
Blut mg/1
1.9 1.0 TCE ( 0.6 15.5) ( 0.6 - 6.4)
TCA
14.0 ( 6.0 47.0)
10.0 ( 4.5-33.5)
Urm mg/I bzw. mg/g Kreat.
TTC
TTC Jtreatinin
15.9 ( 8.0- 62.5)
88.4 (48.8 362.7)
11.0 ( 5.1-36.9)
136.4 (21.2 -459.6)
* = NLGmax NLG min A= 1. Meliperiode (= Ende der Arbeitswoche) B = 2. Melsperiods- (= nach einem belastungsfreien Intervall von 7 Tagen)
3. Ergebnisse
3. 7 Raumluft-Messungen
Die punktuell uber einen Arbeitstag durchgeftihrlen Raumluft-Messungen ergaben fur den Hauptraum eine durchschnittliche Trichlorathylen-Konzentration von 20 ppm und fur den Nebenraum 40 ppm.
3.2 Biochemisthe Untersuchungen und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
Die Ergebnisse der Blut- und Urin-Untersuchungen sind in Form ihrer Mediane und des Mefiwertbereichs in Tabelle I dargestellt. Die Gesamt-Trichiorathanol- und Tri-
Bioche
c c L
C C
*
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All Ausmal mittel
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Biochermsche Untersuchungen und Messungcn der Nervenleitgeschwmdigkeit
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chloressigsaure-Ausscheidung (TTC) im Urin wurde auf Kreatinin relativiert, um die unterschiedlichen Diureseleistungen zu berucksichtigen.
Alle exponierten Personen waren wiihrend der Arbeitswoche in vergleichbarem Ausmaft belastet und zwischen 1/2 Jahr und 9 Jahren in Kontakt mit diesem Lbsungsnuttel.
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Die Anamnese und der kiinische Untersuchungsbefund ergaben keine Hinweise auf eine neurologische Erkrankung der Versuchsteilnehmer.
Die Ergebnisse der Messung der Leitungsgeschwindigkeit in den motorischen Fasem des N. ulnans und N. radiaiis sind in Form ihrer Mediane und des MeGwertbereiches in TabeUe 1 wiedergegeben.
Abb. 1 zeigt die Einzelwerte der Leitungsgeschwindigkeit des N. uinans sowie die entsprechenden Mediane und den MeGwertbereich. Die erste MeGperiode entspricht der Untersuchung am Ende einer Arbeitswoche die zweite der Untersuchung nach dem belastungsfreien Interval!.
Die distale Latenz des N. ulnaris lag bei beiden Kollektiven im Bereich zwischen 1.9 und 3.3 ms. Die bei supramaximaler Nervenreizung abgeleiteten Muskelsummenpotentiale waren fur beide Kollektive ebenfalls vergleichbar und lagen fur den N. ul naris im Bereich von 10 bis 20 mV, Fur den N. radiaiis zwischen 3 und 10 mV.
Der statistische Vergleich erbrachte sowohl zwischen beiden Kollektiven als auch zwischen beiden MeGperioden keinen signifikanten Unterschied der ermittelten Nervenleitgeschwindigkeiten (Irrtumswahrscheinlichkeit p = < 0,05).
Ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Konzentrationen des Losungsmittels bzw. seiner Metaboliten in Blut und Urin und den Nervenleitgeschwindigkeiten konnte statistisch nicht gesichert werden.
Auch die konelationsanalytische Priifung der Paardifferenzen von 1. und 2. MeG periode zwischen den Nervenleitgeschwindigkeiten und den Paardifferenzen der biochemischen Parameter ergab keine signifikante Beziehung.
4. Diskus&ion
Zur Beurteilung moglicher gesundheitlicher Beeintrachtigung oder Schaden muG in der Arbeitsmedizin gmndsatzlich zwischen akuten, kurzfristigen und chronischen Expositionen differenziert werden. Das kiinische Bild einer akuten Intoxikation mit Trichlorathylen, meistens durch Unfalle am Arbeitsplatz bedingt, wird durch die stark depressorische Wirkung auf das zentrale Nervensystem bestimmt. Dagegen ist das Krankheitsbild der chronischen Vergiftung weniger einheitlich. Im Vordergrund sind auch hier die Auswirkungen auf das ZNS zu nennen, die sich in Allgemeinsymptomen wie Kopfschmerzen, Nachlassen der Konzentrationsfahigkeit, Schlafstorungen und einer Alkoholintoleranz auGern konnen. Weiterhin sind Polyneuropathien, cardiotoxische Wirkungen, wie Sinustachycardien und ventriculare Extrasystolen und Schadigungen der Haut, der Leber und der Nieren bekannt (Lit. bei Henschler, 1974).
Die Frage nach einer psychischen Beeintrachtigung durch Trichlorathylen-Konzentrationen im Bereich von 100 ppm (520 mg/m3) werden zum gegenwartigen Zeitpunkt unterschiedlich beurteilt. Im Schrifttum finden sich Hinweise, daG bereits bei dieser Trichlorathylen-Raumluftkonzentration mit zentralnervosen Storungen in Form eines sog. ..psycho-organischen Syndroms44 sowie mit neurologischen Beeintrachtigungen zu rechnen ist (Lit. bei Henschler, 1974). Dagegen konnten Triebig et al. (1976) bei kurzfristigen Belastungen mit 100 ppm (520 mg/m3) Raumluftkonzentration dieses Losungsmittels keine Auswirkungen auf die geistigen und psychischen Funktionen nachweisen.
In hoheren Konzentrationen kann Trichlorathylen folgende neurologische Symptome verursachen:
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Biochemische L'mersuchungt-n und Messungcn der Nervenleitgeschwuuiigkcit
37
eine Trigeminusneuralgie bzw. -analgesie, eine Polyneuropathie mit Storungen besonders der Hirnnerven (Mitschell u. Parsons-Smith, 1969), Paresen und Paraesthesien der Extremitatennerven (Isenschmid u. Kunz, 1935), Storungen des Plexus brachialis (Bardodej u. Vyskocil, 1956).
Die Beurteilung einer chronischen Belastung gegeniiber Trichlorathylen-Konzen* trationen in der Raumluft um den derzeit gultigen MAK-Wert von 50 ppm sind arbeitsmedizinisch von besonderem lnteresse. Eine adaquate Erfassung der externen Gesamtdosis bei chromsch belasteten Personen am Arbeitsplatz ist ohne ..Personal sampling" nicht moglich. Aufgrund der zalilreichen, in der Literatur beschriebenen Studien liber externe-interne Dosisbeziehungen fur Trichlorathylen ist die Quanti* fizierung der Exposition durch eine Analyse des Losungsmittel und/oder seiner Meta* boliten gewahrleistet. Im Rahmen des ..Biological Monitoring" sind fur diesen Schadstoff Grenzkonzentrationen in Blut und Urin erarbeitet worden (Lauwerys, 1975; Triebig u. Mitarb. 1977 und 1977).
Der vorgeschlagene arbeitsmedizinisch tolerierbare Grenzwert von 250 mg TTC/g Kreatinin wird in unserem Kollektiv von zwei Personen liberschritten, AUe untersuchten Blutparameter zeigen einen deutlichen Abfall in ihren Konzentrationen nach dem belastungsfreien Zeitraum.
Die von uns gemessenen maximalen und minimalen Leitungsgeschwindigkeiten des N. ulnaris von 52.8 63.9 m/s, bzw. 38.5- 57.9 m/s stimmen gut mit den Angaben in der Literatur liber Normalpersonen uberein (Norris u, Mitarb. 1953; Hopf, 1968; Seppalainen, 1971 ;Seppalainen u. Hernberg, 1972;Seppalainen u. Mitarb., 1975; Beets u. Mitarb.. 1976; Verberk, 1976; Lukas u. Mitarb., 1977;Mumenthaler u. Schliack. 1977).
Zu den Angaben der minimaJen NLG finden sich bei Hopf (1962) und Lethonen et al. (1970) hohere Werte.
Die maximale NLG des N. radialis von 63.7 -82.9 m/s entspricht den Befunden von Gassel und Diamantopoulos (1964), Tonnis (1965), Trohaborg et al. (1969) und Munienthaler u. Schliack (1977).
Zu den Ergebnissen der minimalen NLG des N. radialis von 27.1-74,4 m/s liefien sich keine vergleichbaren Literaturangaben finden. Die von uns ermittelten Werte zeigen eine betnichtliche intra- und interindividuelle Schwankungsbreite. Dies ist sehr wahrscheinlich auf das Me&verfahren zumckzufiihren, vor allem auf die Schwieng* keiten bei der Stimulation dieses Nerven am Unterarm.Dort kann er nicht immer deutlich supramaximal gereizt werden. Die Verwendung von isolierten lnsektennadeln ergab bei Vorversuchen keinen groiieren Reizerfolg. Wir achteten deshalb bei kritischen Fallen darauf, daft die Muskelpotentiale des distalen und des supramaximalen proximalen Reizes gleichgroii waren. Dadurch ist die Erfassung annahemd aller motorischen Fasern gewahrleistet.
Den Einflufi der Hautiemperatur auf die NLG benicksichtigten wir durch eine konstante Raum- bzw. MeiStemperatur. Durch ein in der Altersverteilung ahnlich strukturiertes Vergleichskollektiv wurde der Altersabhiingigkeit der NLG Rechnung getragen.
Die Messungen der maximalen und insbesondere die der minimalen Nervenleitgeschwmdigkeit haben sich als empfindliche Methode zur Erkennung leichter peripherer
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38 G. Triebig et al.
Nervenschadigungen erwiesen (Perfetti et al., 1967; Hopf, 1968;Seppalainen u. Hemberg, 1972; Blackstock et al., 1975;Seppalainen et al., 1975, Alaranta et al., 1977). Im Gegensatz zur maximalen zeigt die minimale NLG auch bei axonalen Nervenschadi gungen eine deutiiche Verminderung (Hausmanowa-Petrusewicz u. Kopec. 1973; Mustajoki u. Seppalainen, 1975).
Maroni u, Mitarb. (1977) bestimmten bei 22 gegeniiber 1,1,1-TrichiorathanKonzentrationen von 110 bis 990 ppm chronisch belasteten Frauen u. a. die maximale und mimmale NLG des N. ulnaris. Sie fanden keinen signifikanten Unterschied zwischen den bei exponierten Frauen und bei Kontrollpersonen ermittelten Meliwerten.
Shrivastav et al. (1976) untersuchten den Einflufi von verschieden stark gesattigten Trichlorathylen-Losungen beim Riesenaxon des Tintenfisches. Sie fanden erne Abnahme der lonenleitfahigkeit und des Ruhemembranpotentials mit zunehmender Losungsmittel-Konzentration. Die Autoren vertreten die Ansicht, da der von ihnen experimentell untersuchte Konzentrationsbereich wahrend einer TrichlorathylenAnaesthesie auftreten kann.
Es mufi darauf hmgewiesen werden, dafc bei chionischer Losungsmittelbelastung am Arbeitsplatz die erreichbaren Konzentrationen im biologischen Material sehr vie) niedriger anzusetzen smd.
Der statistische Vergleich der Nervenleitgeschwindigkeits-Resultate ergab weder signifikante Unterschiede zwischen den beiden Kollektiven noch zwischen den einzelnen Meliperioden. Weiterhin konnte kein Zusammenhang zwischen den LosungsmittelKonzentrationen bzw. seiner Metaboliten und den Nervenleitgeschwindigkeiten statistisch gesichert werden. Die biochemisch nachgewiesene und arbeitsmedizinisch tolerierbare Beiastung durch diesen Halogenkohlenwasserstoff bewirkt bei chronischer Exposition in diesem Konzentrationsbereich somit keine mefibare Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeiten des N. radialis und N. ulnaris.
Dies gilt sowohl im Vergleich mit den Ergebmssen des nicht Ldsungsmittel-belasteten Kollektivs als auch vor und nach einem Expositions-freien Interval! mit einer deutlichen Verminderung der internen Dosis.
Es ware wiinschenswert, in entsprechenden Studien eine grofiere Anzahl chronisch Trichlorathylen-exponierte Personen zu erfassen, urn die Aussagekraft der vorliegenden Ergebnisse fur eine arbeitsmedizinische Beurteilung zu erharten.
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Eingegangen am 14. Februar 1978 / Angenommen am 28. April 1978
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