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Gebudepolitik 2050+ Strategiepapier Zur Verabschiedung an der EnDK-Plenarversammlung vom 26. August 2022 Ersetzt internes Dokument Gebudepolitik 2050 vom 26. August 2016 Bern, 26. August 2022 Gebudepolitik 2050+ Zusammenfassung Die Gebudepolitik 2050+ beschreibt die strategischen energie- und klimapolitischen Grundstze der Kantone im Gebudesektor zur Einhaltung der Zielwerte, die der Bund fr den Gebudebereich bis 2050 vorgegeben hat. Mit einem Energieverbrauch von 87 TWh von schweizweit 194 TWh verursacht der Gebudepark aktuell knapp 45 Prozent des Energieverbrauchs. Dieser Verbrauch ist hautpschlich getrieben durch den Bedarf fr Raumwrmebedarf mit 60 TWh sowie Warmwassererzeugung mit 13 TWh, der mit insgesamt 47 TWh immer noch berwiegend mit fossilen Energietrgern gedeckt wird. Raumwrme und Warmwasser emittieren 10,4 Mio. Tonnen CO2, was zirka 24 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen entspricht. Gegenber 1990 wurden die CO2-Emissionen bereits um 6,7 Mio. Tonnen reduziert. Die Energieperspektiven 2050+ des BFE analysieren im Szenario Netto-Null eine Entwicklung des Energiesystems, welche mit dem langfristigen Klimaziel von Netto-Null Treibhausgasemissionen im Jahr 2050 kompatibel ist und gleichzeitig eine sichere Energieversorgung gewhrleistet. Das Dokument Gebudepolitik 2050+ baut auf diesem Szenario auf und bernimmt die energetischen Zielwerte fr den Gebudesektor. So ist z. B. der Raumwrmebedarf um 20 TWh, von 65 TWh heute auf 45 TWh im Jahr 2050 zu reduzieren. Ausserdem ist der Energieertrag aus PV-Anlagen von 2,6 TWh im Jahr 2020 auf 34 TWh im Jahr 2050 zu steigern. Schliesslich soll bis ins Jahr 2050 die fossile Wrmeerzeugung auf null TWh gesenkt werden. Die Gebudepolitik 2050+ definiert auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse und Ziele sechs Grundstze, welche die wesentlichen Hebel zur Zielerreichung im Sektor Gebude darstellen. An diesen werden sich die politischen Instrumente der Kantone orientieren mssen. Grundsatz 1: Energieeffizienz Neue Gebude weisen generell eine hohe Energieeffizienz auf. Bei ungengend wrmegedmmten Gebuden muss die Energieeffizienz verbessert werden. Grundsatz 2: erneuerbare Wrme Neue Gebude versorgen sich vollstndig mit erneuerbarer Wrme. In bestehende Gebude werden nur noch erneuerbare Heizsysteme eingebaut. Sptestens ab 2050 sind alle Gebude CO2-frei zu betreiben. Grundsatz 3: erneuerbare Stromerzeugung Neue und bestehende Gebude versorgen sich zu einem angemessenen Anteil mit vor Ort produzierter, erneuerbarer Elektrizitt, welche auch den Bedarf fr die Wrmeerzeugung und die Elektromobilitt bercksichtigt. Anreize untersttzen die weitergehende PV-Nutzung auf geeigneten Gebudehlleflchen. Grundsatz 4: Digitalisierung Fr den optimalen Betrieb des Gebudeparks werden vermehrt digitale Technologien eingesetzt. Grundsatz 5: Vorbildfunktion Kantone In bestehende kantonseigene Gebude werden nur noch erneuerbare Heizsysteme eingebaut. Sptestens ab 2040 sind die kantonseigenen Gebude CO2-frei zu betreiben. Kantonseigene Gebude nutzen bis sptestens 2040 die fr PV-Anlagen geeigneten Gebudehlleflchen und versorgen sich zu einem angemessenen Anteil selbst mit erneuerbarer Elektrizitt. Grundsatz 6: graue Energie Neue Gebude weisen einen mglichst geringen Verbrauch von grauer Energie ber ihren gesamten Lebenszyklus auf. Dadurch werden die durch die Erstellung verursachten CO2-Emissionen gesenkt. Die energie- und klimapolitischen Instrumente der Kantone wie (Muster-)Vorschriften, Frderprogramme, freiwillige Labels, Gebudeenergieausweis, Aus- und Weiterbildung sowie Information und Beratung orientieren sich an diesen sechs Grundstzen. EnDK Juli 2022 2 Gebudepolitik 2050+ Inhaltsverzeichnis 1 Ausgangslage 4 Energiestrategie 2050 4 Langfristige Klimastrategie 2050 5 CO2-Gesetzgebung 5 Energieperspektiven 2050+ 6 Erkenntnisse der Umsetzung MuKEn 2014 7 2 Energie- und klimapolitische Kennzahlen 9 Entwicklung des Energieverbrauchs 9 Energieverbrauch im Sektor Gebude 10 Entwicklung der CO2-Emissionen 11 Entwicklung Wrmeerzeugermarkt Schweiz 11 3 Herausforderungen beim Gebudepark 13 Steigerung der Energieeffizienz 14 Elektrifizierung des Gebudeparks / Ausbau erneuerbare Stromproduktion 15 Dekarbonisierung der Wrmeerzeugung 16 Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs 17 Erneuerbare Energie bei der Komfortkhlung 18 Gesamtenergieeffizienz 18 Graue Energie 18 4 Energie- und klimapolitische Grundstze im Gebudebereich 20 5 Energie- und klimapolitische Instrumente 21 Vorschriften (MuKEn) 21 Das Gebudeprogramm 21 Freiwillige Labels 22 Gebudeenergieausweis der Kantone 23 Kommunikation 24 Aus- und Weiterbildung / Information 24 6 Exkurse 25 Erneuerbare flssige und gasfrmige Brennstoffe 25 Fernwrme 26 Betriebsoptimierung 26 Anhang 27 EnDK Juli 2022 3 Gebudepolitik 2050+ Ausgangslage 1 Ausgangslage Ziel Das Strategiepapier Gebudepolitik 2050+ basiert auf den aktuellsten Erkenntnissen aus der Energie- und Klimapolitik des Bundes und der Kantone und zeigt auf, wo die Kantone im Gebudebereich bei der vollstndigen Dekarbonisierung und beim Umbau des Ener- giesystems Schweiz bis 2050 im Gebudebereich strategische Schwerpunkte setzen. Diese Schwerpunkte bilden den roten Faden, an welchen sich die energie- und klimapo- litischen Instrumente und Massnahmen orientieren und ausrichten sollen. Einfhrung Die EnDK verabschiedete an der Plenarversammlung vom 9.1.2015 die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, Ausgabe 2014 (MuKEn 2014). Diese basieren auf den strategischen Grundlagenpapieren der EnDK sowie den entsprechenden Bestimmungen des Energiegesetzes und der CO2-Gesetzgebung. Seit der Verabschiedung der MuKEn 2014 haben sich diverse Rahmenbedingungen verndert und erfordern eine berarbeitung der strategischen Grundlagenpapiere, insbesondere der Gebudepolitik 2050. So wurde die Energiestrategie 2050 im Jahr 2017 vom Volk angenommen. Im Sommer 2019 beschloss der Bundesrat, die Klimaneutralitt bis 2050 erreichen zu wollen. Ein erster Schritt dazu sollte die revidierte CO2-Gesetzgebung darstellen, welche eine Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenber 1990 zum Ziel hat. Das Stimmvolk hat am 13.6.2021 diese Vorlage jedoch knapp verworfen. Mit den Energieperspektiven 2050+ zeigt das BFE in verschiedenen Szenarien auf, wie die Vorgaben der Klimaneutralitt bis 2050 umgesetzt werden knnten. Beim Ersatz der fossilen Heizungen, der Steigerung der Energieeffizienz wie auch bei der Stromerzeugung an und auf Gebuden sehen die Energieperspektiven einen sehr ambitionierten Zielpfad vor. In 30 Jahren sollen die Gebude fossile Energien im Umfang von 48 TWh ersetzen, den Raumwrmebedarf von heute 65 TWh um 20 TWh reduzieren und den Lwenanteil der PV-Stromproduktion von 34 TWh leisten (heute 2,5 TWh). Zusammenfassung Energiestrategie 2050 Mit dem ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 soll die Energieeffizienz gesteigert, der Ausbau der erneuerbaren Energien gefrdert und schrittweise aus der Atomenergie ausgestiegen werden. Die totalrevidierte Energiegesetzgebung und weitere Erlasse (Energieverordnung, Energiefrderungsverordnung, Energieeffizienzverordnung, Kernenergieverordnung, Stromversorgungsverordnung, CO2-Verordnung, Verordnung ber den Herkunftsnachweis und die Stromkennzeichnung) traten am 1. Januar 2018 in Kraft. Richtwerte Energieeffizienz Der durchschnittliche Energieverbrauch pro Person soll gegenber dem Jahr 2000 bis 2020 um 16 % (erreicht wurden 23,7%) und bis 2035 um 43% gesenkt werden. Der durchschnittliche Stromverbrauch pro Person soll gegenber dem Jahr 2000 bis 2020 um 3% (erreicht wurden 11,3%) und bis 2035 um 13% gesenkt werden. Richtwerte erneuerbare Energien Die durchschnittliche inlndische Energieproduktion aus erneuerbaren Energien ohne Wasserkraft soll im Jahr 2020 4'400 GWh (erreicht wurden 4712 GWh) und im Jahr 2035 11'400 GWh betragen. Die Wasserkraft soll im Jahr 2035 37'400 GWh erzeugen1. EnDK 1 Diese Richtwerte sollen bei der laufenden Gesetzesrevision zum Energie- und Stromversorgungsgesetz verbindlich erklrt und erhht werden. Bundesgesetz ber eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien Juli 2022 4 Gebudepolitik 2050+ Ausgangslage Gebudeprogramm Bund und Kantone wollen den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss im Schweizer Gebudepark senken. Dafr richten sie seit 2010 finanzielle Beitrge an energetische Sanierungen von Gebuden aus. Das Programm wird ber einen Teil der Ertrge der CO2-Abgabe auf Brennstoffen und ber kantonale Leistungen finanziert. Derzeit stehen maximal CHF 450 Mio. aus der CO2-Abgabe fr das Gebudeprogramm zur Verfgung. Ein kleiner Teil der CO2-Abgabe (maximal 30 Mio. Franken jhrlich) wird vom Bund fr die Frderung der direkten Nutzung der Geothermie (Wrmebereitstellung) eingesetzt. Steuerliche Anreize im Gebudebereich Investitionen in energetische Gebudesanierungen knnen bereits heute von den Einkommenssteuern abgezogen werden. Ab 2020 sind auch die Rckbaukosten fr einen Ersatzneubau abzugsfhig. Weiter knnen sowohl diese als auch die energetischen Investitionskosten ab 2020 auch in den zwei nachfolgenden Steuerperioden abgezogen werden, wenn sie im Jahr, in dem sie angefallen sind, steuerlich nicht vollstndig bercksichtigt werden knnen. Einfhrung Gletscherinitiative Sektor Gebude Langfristige Klimastrategie 2050 Die Schweiz soll bis 2050 unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen. Dieses Netto-Null-Ziel hat der Bundesrat 2019 beschlossen. Am 27. Januar 2021 hat er die dazugehrige Langfristige Klimastrategie der Schweiz verabschiedet. Diese definiert die Leitlinien fr die Klimapolitik bis 2050 und legt strategische Ziele fr die verschiedenen Sektoren fest. Zurzeit ist noch offen, wann die Gletscher-Initiative zur Volksabstimmung gelangt, welche das Netto-Null-Ziel in der Verfassung verankern will. Der Bundesrat hat dazu einen direkten Gegenvorschlag prsentiert2. Parallel dazu hat die UREK-N ein Rahmengesetz als indirekten Gegenvorschlag erarbeitet, welches Zwischenziele und sektorielle Richtwerte sowie Frdermassnahmen beinhaltet. So soll der Gebudesektor seine Treibhausgasemissionen bis 2040 um 82 Prozent und bis 2050 um 100 Prozent gegenber 1990 senken. Die notwendigen Massnahmen sollen mit einem Impulsprogramm ber 10 Jahre finanziell untersttzt werden. Fr den Zeithorizont 2050 verfolgt die Schweiz im Gebudesektor zum Erreichen des bergeordneten Netto-Null-Ziels beim Ausstoss von Treibhausgasen die folgende Zielsetzung: Der Gebudepark verursacht im Jahr 2050 keine Treibhausgasemissionen mehr. Der Sektor Gebude umfasst die Emissionen der privaten Haushalte und des Dienstleistungssektors. 2020 lagen die Treibhausgasemissionen bei 10,4 Mio. Tonnen CO2eq und damit gut 39 Prozent unter dem Wert von 1990. Der Gebudesektor hat sein Sektorziel fr das Jahr 2015 gemss CO2-Verordnung (minus 22 Prozent im Vergleich zu 1990) erfllt. Sektor Gebude CO2-Gesetzgebung Gemss dem vom Volk abgelehnten, totalrevidierten CO2-Gesetz htten die Emissionen aus Gebuden bis 2026/27 um 50 Prozent tiefer als 1990 liegen mssen. Und im Entwurf der revidierten CO2-Verordung wurde das Absenkziel auf 65 Prozent gegenber 1990 bis 2030 verschrft. Fr den Gebudebereich gilt jedoch weiterhin das bestehende CO2-Gesetz. 2 Bundesrat verabschiedet Botschaft fr direkten Gegenentwurf zur Gletscher-Initiative EnDK Juli 2022 5 Gebudepolitik 2050+ Ausgangslage Massnahmen bei Gebuden gemss Art.9 Abs.1 Die Kantone sorgen dafr, dass die CO2-Emissionen aus Gebuden, die mit fossilen Energietrgern beheizt werden, zielkonform vermindert werden. Dafr erlassen sie Gebudestandards fr Neu- und Altbauten aufgrund des aktuellen Stands der Technik. CO2-Abgabe auf Brennstoffen Der Bund erhebt eine CO2-Abgabe auf die Herstellung, Gewinnung und Einfuhr von Brennstoffen. Der Bundesrat kann diese bis auf hchstens 120 Franken erhhen, falls die fr die Brennstoffe festgelegten Zwischenziele nicht erreicht werden. Die CO2-Emissionen aus Brennstoffen liegen 2020 bei minus 31 Prozent gegenber dem Wert von 1990. Das in der CO2-Verordnung vorgesehene Verminderungsziel von minus 33 Prozent wurde verfehlt. Die CO2-Abgabe betrgt seit 1. Januar 2022 120 Franken pro Tonne CO2. Verwendung der Ertrge zur Verminderung der CO2-Emissionen bei Gebuden Ein Drittel des Ertrags aus der CO2-Abgabe, hchstens aber 450 Millionen Franken pro Jahr, wird fr Massnahmen zur langfristigen Verminderung der CO2-Emissionen bei Gebuden einschliesslich Senkung des Stromverbrauchs im Winterhalbjahr verwendet. Zu diesem Zweck gewhrt der Bund den Kantonen Globalbeitrge. Die Ausrichtung der Globalbeitrge erfolgt nach Artikel 52 EnG unter Beachtung der folgenden Besonderheiten: In Ergnzung der Voraussetzungen von Artikel 52 EnG werden Globalbeitrge nur Kantonen ausgerichtet, die ber Programme zur Frderung energetischer Gebudehllen- und Gebudetechniksanierungen sowie zum Ersatz bestehender elektrischer Widerstandsheizungen oder lheizungen verfgen und dabei eine harmonisierte Umsetzung gewhrleisten. In Abweichung von Artikel 52 Absatz 1 EnG werden die Globalbeitrge in einen Sockelbeitrag pro Einwohnerin oder Einwohner und in einen Ergnzungsbeitrag aufgeteilt. Der Sockelbeitrag pro Einwohnerin oder Einwohner betrgt maximal 30 Prozent der verfgbaren Mittel. Der Ergnzungsbeitrag darf nicht hher sein als das Doppelte des vom Kanton zur Durchfhrung seines Programms bewilligten jhrlichen Kredits. Wie weiter mit dem CO2-Gesetz? Der Bundesrat hat das UVEK an seiner Sitzung vom 17. September 2021 beauftragt, eine neue Gesetzesvorlage zu erarbeiten, zu welcher er am 17. Dezember 2021 die Vernehmlassung erffnet hat. An den klimapolitischen Zielen hlt er fest: Die Schweiz soll ihre Emissionen bis 2030 gegenber 1990 halbieren, auf Instrumente, die massgeblich zum Nein beigetragen haben, verzichten, und die Lenkungswirkung der CO2-Abgabe mit wirkungsvollen Anreizen und einer gezielten Frderung ergnzen. Einfhrung Energieperspektiven 2050+ Die Energieperspektiven 2050+ (EP 2050+) analysieren eine Entwicklung des Energiesystems, welche mit dem langfristigen Klimaziel von Netto-Null-Treibhausgasemissionen im Jahr 2050 kompatibel ist und gleichzeitig eine sichere Energieversorgung gewhrleistet. Es werden mehrere Varianten dieses Szenarios betrachtet. Sie unterscheiden sich durch einen unterschiedlichen Mix an Technologien und eine unterschiedliche Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien im Stromsektor. Nachfolgend werden die Erkenntnisse und die Anforderungen an den Gebudebereich zusammenfassend genannt. EnDK Juli 2022 6 Gebudepolitik 2050+ Abb. 1 Zielbild klimaneutrale Schweiz 2050 Ausgangslage Quelle: BFE (2020), Darstellung ergnzt EnDK (2021) Netto-Null-Treibhausgasemissionen Die Reduktion der Treibhausgasemissionen auf netto Null bis zum Jahr 2050 ist mit heute bekannten Technologien mglich, der Handlungsdruck ist jedoch hoch. Die energiebedingten Treibhausgasemissionen in den Sektoren Haushalte, Dienstleistungen, Industrie und Verkehr lassen sich bis 2050 fast vollstndig vermeiden. Restemissionen von rund 12 Mio. t verbleiben hauptschlich in der Landwirtschaft, bei der thermischen Verwertung von Abfllen und bei industriellen Prozessen. Diese machen den Einsatz von Carbon-Capture-and-Storage und Negativemissionstechnologien im In- und Ausland notwendig. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz Verkehr Die Potenziale fr Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Schweiz mssen stark ausgeschpft werden. Energieeffizienz ist eine zentrale Voraussetzung fr die Zielerreichung, erleichtert den Umbau des Energiesystems und reduziert die Abhngigkeit vom Ausland. Strom wird zum zentralen Energietrger fr Wrme (Gebude) und Mobilitt. Strombasierte Energietrger sind zur Zielerreichung notwendig, aber aus Energie- und Kosteneffizienzgrnden nur in jenen Bereichen einzusetzen, wo es wenige Alternativen gibt. Die Anteile der (Batterie-)elektrischen Fahrzeuge (BEV) wachsen in allen Fahrzeugkategorien schnell, insbesondere beim motorisierten Individualverkehr. Im Jahr 2050 betrgt der Bestand an BEV-PW rund 3,6 Mio. Fahrzeuge. Diese Entwicklung ist fr den Gebudebereich von hoher Relevanz, da diese Fahrzeuge primr bei Gebuden geladen werden. Fernwrme Wrmenetze sind fr die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen des Wrmebedarfs wichtig. Dafr bestehen Potenziale durch Umweltwrme und die gekoppelte Strom- und Wrmeerzeugung aus Biomasse oder mittels Tiefengeothermie. Wrmeerzeugerersatz EnDK Erkenntnisse der Umsetzung MuKEn 2014 Erfahrungen aus den Kantonen, welche die Anforderungen an den Wrmeerzeugerersatz eingefhrt haben, zeigen, dass sich das Wechselverhalten der Bauherrschaft hin zu mehr rein erneuerbaren Wrmeerzeugern ndert. Speziell ist dabei die Tatsache, dass es weitgehend unerheblich ist, ob ein Kanton lediglich das Basismodul mit einer Anforderung von 10 Prozent oder einer hheren Anforderung von 20 Prozent oder gar 100 Prozent Juli 2022 7 Gebudepolitik 2050+ Ausgangslage eingefhrt hat. 8 von 10 ausgewechselten Wrmeerzeugern verwenden nach der Umsetzung der Massnahme rein erneuerbare Energien. Es zeigt sich auch, dass ohne Verschrfung der Anforderungen die Langfristziele nicht eingehalten werden knnen. Eigenstromerzeugung Auswertungen von Minergie zeigen, dass die Anforderung an die Eigenstromerzeugung bei Neubauten von 10 Watt pro Quadratmeter Energiebezugsflche unproblematisch eingehalten werden kann und hufig berschritten wird. Zudem steigen die Wirkungsgrade von PV-Modulen nach wie vor an, was bei gleichen Anforderungen zu einem tieferen Flchenbedarf fhrt. Gesamtanforderung Wrme und Strom Wiederholt wird von verschiedener Seite gefordert, dass der Nachweis zur Einhaltung der Anforderung auch ber eine Gesamtenergieanforderung ermglicht werden soll, und bei der Wrme- und Stromerzeugung eingerechnet werden kann. Wrmedmmvorschriften bei Neubauten und Umbauten/Umnutzungen Die Anforderungen, welche an die Wrmedmmung von neuen Gebuden gestellt werden, liegen bereits mit den aktuell gltigen Vorschriften im kologisch-konomischen Optimum, was verschiedene Arbeiten besttigt haben. Die Grenzwerte fr Umbauten, insbesondere fr Aussenwnde, sind teilweise sehr anspruchsvoll. Fordern und Frdern Die Einfhrung von neuen gesetzlichen Anforderungen, wie z.B. beim Wrmeerzeugerersatz oder der Eigenstromerzeugung bei Neubauten, brauchen zur Erhhung der Akzeptanz und um mehrheitsfhige Anforderungen in Kraft setzen zu knnen, temporr in der Einfhrungsphase eine finanzielle Abfederung. Das wird auch im Schlussbericht des von der EnDK mitfinanzierten NFP70-Projektes Konzepte fr die nchste Generation von technischen Regulierungen im Bereich Gebude und Energie des Nationalen Forschungsprogramms empfohlen. EnDK Juli 2022 8 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Kennzahlen 2 Energie- und klimapolitische Kennzahlen Einfhrung Zur Beurteilung von Ereignissen und Massnahmen dienen in erster Linie durch Dritte zur Verfgung gestellte Daten. Die Gesamtenergiestatistik der Schweiz zeigt die langfristige Entwicklung gesamthaft sowie fr den einzelnen Energietrger. Weitere Kennzahlen erhrten die Erkenntnisse von Entwicklungen in einzelnen Bereichen ergnzend. Gesamtenergieverbrauch Entwicklung des Energieverbrauchs Der Gesamtenergieverbrauch hat seit 1990 nur noch geringfgig zugenommen und 2010 mit 251 TWh sein bisheriges Maximum erreicht. 2020 betrug in Folge der Corona-Pandemie, insbesondere durch den Rckgang bei den Treibstoffen, der Energieverbrauch 208 TWh. Abb. 2 Endenergieverbrauch 1910-2020 nach Energietrgern [GWh] 250'000 225'000 200'000 175'000 150'000 125'000 100'000 75'000 50'000 25'000 0 1910 1920 1930 1940 1950 Erdlbrennstoffe Gas Kohle Holzenergie Biogene Treibstoffe Biogas 1960 1970 1980 Treibstoffe Fernwrme Sonne 1990 2000 2010 2020 Elektrizitt Industrieabflle Umweltwrme Quelle: Gesamtenergiestatistik Schweiz 2020, BFE (2021), Darstellung EnDK (2021) Erdlbrennstoffe 1973 verbrauchte die Schweiz die maximale Energiemenge aus Erdlbrennstoffen von 103 TWh. Seither sinkt der Erdlbrennstoffverbrauch kontinuierlich. Aktuell betrgt dieser noch 28 TWh - also 27% gegenber 1973. Gegenber 1990 (68 TWh) liegt der Anteil noch bei 67,7%. 1960 war dieser Verbrauch letztmals tiefer als im Jahr 2020. Strom Die maximal verbrauchte Strommenge von 60 TWh verzeichnete die Schweiz 2010. Seither bewegen sich die Jahresverbruche tendenziell horizontal. 2020 weist die Statistik einen tieferen Verbrauch von 56 TWh auf. Erdgas Erdgas weist zu den Erdlbrennstoffen einen gegengesetzten Verlauf auf. 2013 hat der Gasverbrauch den bisherigen Peak mit 34 TWh erreicht. 2020 reduzierte sich dieser auf 31 TWh. Holzenergie Die Holzenergie ist bei der erneuerbaren Wrme zurzeit der wichtigste Energietrger und erzeugt rund 11 TWh Wrme. Fernwrme Die Nutzung von Fernwrme steigt von Jahr zu Jahr und liegt 2020 bei 6 TWh. EnDK Juli 2022 9 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Kennzahlen Umweltwrme Die Nutzung von Umweltwrme erhht sich ebenfalls und liegt 2020 bei 5 TWh, welche mittels Wrmepumpen eine Wrmeabgabe von 7,4 TWh erzeugt. Abb. 3 Endenergieverbrauch 1910-2020 nach Energietrgern [GWh] 110'000 100'000 90'000 80'000 70'000 60'000 50'000 40'000 30'000 20'000 10'000 0 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2020 2030 Quelle: Erdlbrennstoffe Gas Fernwrme Treibstoffe Kohle Industrieabflle Elektrizitt Holzenergie Biogene Treibstoffe Gesamtenergiestatistik Schweiz 2020, BFE (2021), Darstellung EnDK (2021) Raumwrme ist dominant Energieverbrauch im Sektor Gebude Der grsste Energieverbraucher im Sektor Gebude ist die Raumwrme mit 62 TWh, gefolgt vom Wrmebedarf fr die Aufbereitung des Warmwassers (13 TWh). Diese Wrmebedrfnisse werden noch zu einem erheblichen Teil durch fossile Brennstoffe gedeckt (28 TWh durch l, 20 TWh durch Erdgas). Erneuerbare Energitrger leisten rund 18 TWh. Abb. 4 Energieverbrauch nach Verwendungszweck und Energietrger Stand 2019 [TWh] 18 17.09 16.66 18.02 18.06 17.46 16.19 17.24 18.09 16.67 17.49 16.82 15.74 17.09 15.96 16.96 16.83 17.06 16.22 14.41 15.28 14.86 16.04 12.88 14.11 15.03 11.67 12.51 12.98 12.36 11.20 11.20 10.55 16 14 13.3 12 10.3 10 8.5 8.5 8 6 1990 1995 2000 THG Gebude Linear (2005-2020) 2005 2010 2015 Ziele Bund Linear (2010-2020) 6 2020 2025 2030 Linear (THG Gebude) Quelle: Ex-post-Analyse Energieverbrauch Gebude, BFE (2020), Darstellung EnDK (2021) EnDK Juli 2022 10 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Kennzahlen CO2-Emissionen durch Gebude Entwicklung der CO2-Emissionen Die CO2-Emissionen durch Gebude haben 1996 den Spitzenwert von 18,1 Mio. t CO2 erreicht. Seit 2005 sinkt der Ausstoss kontinuierlich, obwohl in Abhngigkeit der Heizgradtage von Jahr zu Jahr Ausschlge nach oben und unten normal sind. Zudem ist feststellbar, dass die Emissionen, insbesondere in jngerer Vergangenheit, schneller sinken. Abb. 5 CO2-Emissionen Gebude gemss Treibhausgasinventar Schweiz [Mio. t CO2] 18 17.09 16.66 18.02 18.06 17.46 16.19 17.24 18.09 16.67 17.49 16.82 15.74 17.09 15.96 16.96 16.83 17.06 16.22 14.41 15.28 14.86 16.04 12.88 14.11 15.03 11.67 12.51 12.98 12.36 11.20 11.20 10.38 16 14 13.3 12 10.3 10 8.5 8.5 8 6 1990 1995 2000 THG Gebude Linear (2005-2020) 2005 2010 2015 Ziele Bund Linear (2010-2020) 6 2020 2025 2030 Linear (THG Gebude) Quelle: Treibhausgasinventar Schweiz, BAFU (2021), Darstellung EnDK (2021) Wrmeerzeugermarkt Schweiz Entwicklung Wrmeerzeugermarkt Schweiz Pro Jahr werden in der Schweiz rund 50'000 Wrmeerzeuger verkauft. 2013 betrug der Marktanteil bei den fossilen Systemen 60 Prozent, 2018 bereits nur 50 Prozent. Innerhalb von sieben Jahren hat sich dieses Verhltnis umgekehrt, 2020 betrug der Marktanteil der erneuerbaren Systeme ber 61 Prozent, 2021 68 Prozent. Seit dem Jahr 2020 steigen die Verkaufszahlen von erneuerbaren Wrmeerzeugersystemen stark an. Abb. 6 Anteil verkaufte Heizsysteme in der Schweiz 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 40% 60% 2013 40% 60% 2014 42% 58% 2015 44% 56% 2016 46% 54% 2017 50% 50% 2018 53% 47% 2019 61% 39% 2020 Anteil fossile Systeme Anteil erneuerbare Systeme 68% 32% 2021 Quelle: FWS (2021), Darstellung EnDK (2022) EnDK Juli 2022 11 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Kennzahlen Wrmeerzeugermarkt bei Altbauten Mit der verstrkten Anwendung der politischen Instrumente beim Wrmeerzeugerersatz (kantonale Energiegesetze, Frderprogramme, Informationskampagne) haben sich die Verkaufszahlen bei Bestandesbauten bei den erneuerbaren Wrmeerzeugern stark entwickelt. Erneuerbare Energien nutzende machen seit 2020 ber die Hlfte der in Bestandesbauten neu eingebauten Wrmeerzeuger aus. Abb. 7 Anteil verkaufter Heizsysteme in der Schweiz fr den Ersatzmarkt (Altbauten) 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 77% 23% 2013 51% 78% 77% 76% 72% 67% 63% 49% 22% 23% 24% 28% 33% 37% 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Anteil erneuerbare Systeme Anteil fossile Systeme Quelle: FWS, BFS, EnDK (2022), Darstellung EnDK (2022) 42% 58% 2021 EnDK Juli 2022 12 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark 3 Herausforderungen beim Gebudepark Einfhrung An bestehenden Bauten und insbesondere an solchen, welche lter als 40 Jahre sind, werden aufgrund der sich bei diversen Bauteilen zu Ende neigenden Nutzungszeiten Erneuerungen vorgenommen werden mssen. Zudem werden diese Bauten oft noch mit fossilen Energietrgern beheizt, die durch erneuerbare Systeme, wie z.B. durch Wrmepumpen, zu ersetzen sind. Mit der Elektrifizierung des Heizungskellers und des motorisierten Individualverkehrs steigen zudem der objektspezifische wie auch generell der Stromverbrauch an. Die Dcher weisen ein sehr grosses noch unerschlossenes Potenzial auf, das wesentlich strker genutzt werden muss. Diese Entwicklungen fhren dazu, dass im Gebudepark im Allgemeinen, wie auch beim einzelnen Gebude umfangreiche energetische Massnahmen umzusetzen sind. Die Energiebedrfnisse von Gebuden, der Mobilitt wie auch der Verbrauch und die Erzeugung von Elektrizitt werden in Folge dieses Umbaus zu einem wesentlichen Teil beim Gebude anfallen, was einen Systemwandel bewirkt. Der Gebudepark wandelt sich zur Energiedrehscheibe zum Energiehub Gebude. Herausforderungen allgemein Der Gebudepark muss bis sptestens 2050 umfangreiche energie- und klimapolitische Herausforderungen bewltigen. So sind bis 2050 die Gebudehlleneffizienz bei Bestandesbauten wesentlich zu verbessern, der fossile Wrmebedarf fr Raumwrme und Warmwasser zu eliminieren, die Eigenstromerzeugung bei Neu- und Bestandesbauten zu vervielfachen, energetische Bedrfnisse der Komfortkhlung mit erneuerbaren Energien zu decken sowie die Erstellung der Infrastruktur fr die E-Mobilitt und deren Versorgung sicherzustellen. Zudem sind der Energieaufwand sowie die daran gekoppelten CO2-Emissionen fr das Erstellen von Gebuden zu reduzieren. Es ist wichtig, dass die Bauwirtschaft mit energiearmen, respektive CO2-freien Bauprodukten dazu ihren Beitrag leistet. Abb. 8 Gebudepark wird zum Energiehub - bersicht der Herausforderungen Quelle: EnDK (2022) EnDK Juli 2022 13 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark Bestehende Anforderungen Ziel Steigerung der Energieeffizienz Bei bestehenden Gebuden mssen energetische Anforderungen an Bauten und Bauteilen eingehalten werden, wenn diese einem energetisch relevanten Eingriff unterzogen werden. Die Anforderungen wirken erst, wenn Massnahmen ergriffen werden. Im Jahr 2050 soll der Raumwrmebedarf gemss den Energieperspektiven 2050+ des BFE von 64 TWh im Jahr 2020 auf 45 TWh im Jahr 2050 abgesenkt werden. Dies trotz Zunahme der beheizten Flche um 135 Mio. Quadratmeter und der Steigerung der stndigen Bevlkerung auf 10 Mio. Personen. Abb. 9 Endenergieverbrauch nach Nutzungszweck in TWh (2020) Quelle: Bundesamt fr Energie (2020), Darstellung EnDK Beschleunigung der Effizienzsteigerung Die in der Vergangenheit generierte durchschnittliche Effizienzsteigerung betrug durchschnittliche 0,4 TWh pro Jahr. Die Anforderungen an sanierte Bauteile sowie Frdergelder fr hochwertig sanierte Bauteile aus dem Gebudeprogramm haben diese Entwicklung untersttzt. Eine Verdoppelung der Effizienzsteigerung (0,63 TWh/a) mit den bestehenden Anstzen ist nicht mglich. Der Fokus soll auf die ineffizientesten Gebude mit dem grssten Einsparpotenzial gelegt werden. Es braucht angepasste Frderstze und Minimalanforderungen an die ineffizientesten Gebude. EnDK Juli 2022 14 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark Bestehende Anforderungen Ziel Elektrifizierung des Gebudeparks / Ausbau erneuerbare Stromproduktion Die MuKEn 2014 enthlt erstmals eine Anforderung an die Eigenstromerzeugung bei Neubauten. Jeder Neubau muss eine Elektrizittserzeugungsanlage in der Grssenordnung von 10 W pro Quadratmeter Energiebezugsflche erstellen. Die Erzeugungsart ist frei. In den Kantonen existieren diverse alternative Lsungsvarianten (Ersatzabgabe, Befreiung an schlecht besonnten Standorten, Erhhung Anforderung an die Energiekennzahl). Im Jahr 2050 soll der Energieertrag aus PV-Anlagen gemss den Energieperspektiven 2050+ des BFE von 2,6 TWh im Jahr 2020 auf 34 TWh im Jahr 2050 gesteigert werden. Abb. 10 Energieertrag und Zubauziele fr die in der Schweiz installierten PV-Anlagen in TWh (2021) 34 32 30 28 26 24 22 20 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 Energieertrag Ziel Quelle: Bundesamt fr Energie (2021), Darstellung EnDK Beschleunigung des Zubaus Trotz der jngsten Erfolge durch die Anforderung bei Neubauten und durch die Frderung von PV-Anlagen beim Zubau der installierten PV-Anlagen, liegt die Ausbaugeschwindigkeit unter dem zielkonform notwendigen Zubaupfad. Der Gebudepark weist ein hohes, bisher noch ungenutztes PV-Potenzial auf Dchern und Fassaden auf. Insbesondere bei Bestandesbauten sind das Potenzial verstrkt zu nutzen und die Zubaumenge zu steigern. EnDK Juli 2022 15 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark Bestehende Anforderungen Dekarbonisierung der Wrmeerzeugung Die bestehende Anforderung der MuKEn 2014 von 10 Prozent erneuerbarer Energie beim Wrmeerzeugerersatz bei Wohnbauten bewirkt zusammen mit weiteren Massnahmen (Frderprogramm, Infokampagne) eine wesentliche Beschleunigung bei der Dekarbonisierung und der Verwendung rein erneuerbarer Energietrger in Wohnbauten. Weitere Anforderungsvarianten Diverse Kantone haben weiter gehende Anforderungen beim Wrmeerzeugerersatz eingefhrt. So kennen FR und SH ein Anforderungsniveau von 20 Prozent und BS, ZH und GL ein solches von 100 Prozent. Zudem gilt in BS und ZH die Anforderung bei allen Bauten und nicht nur bei Bauten fr Wohnzwecke. Kantone, welche hhere Anforderungen eingefhrt haben, zeigen, dass gegenber den normalen MuKEn-Anforderungen mehr erneuerbare Heizsysteme eingebaut werden. Abb. 11 Zahlen zum Wrmeerzeugerersatz im Kanton Freiburg Quelle: Energiefachstelle Kanton Freiburg (2022); Darstellung Energiefachstelle Kanton Freiburg (2022) Ziel Bis ins Jahr 2050 soll der fossile Energieverbrauch zur Wrmeerzeugung im Gebu- debereich auf 0 TWh gesenkt werden. Beschleunigung der Dekarbonisierung Die Anforderung zur Nutzung von 10 Prozent erneuerbarer Energien beim Wrmeerzeugerersatz ist zu erhhen. Zweckbauten sind bisher von den Anforderungen ausgenommen und mssen zuknftig ebenfalls Anforderungen beim Ersatz einhalten. EnDK Juli 2022 16 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark Bestehende Anforderungen Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs Der motorisierte Individualverkehr (MIV) nutzt immer noch weitgehend fossile Treibstoffe. Energetische Anforderungen im Gebudebereich aufgrund der Mobilitt waren somit nicht notwendig. Fuelswitch Jedoch zeichnet sich ein Wechsel der verwendeten Energie im Mobilittssektor, insbesondere im Bereich des motorisierten Individualverkehrs, hin zu einer Elektrifizierung ab. Mit diesem Wechsel ndert der Ort der Betankung / des Ladens des Fahrzeugs von der Zapfsule an der Tankstelle zur Ladestation beim Gebude, entweder am Wohn- oder am Arbeitsort. In seltenen Fllen wird ein Ladevorgang an einer Schnellladestation auf dem bergeordneten Verkehrsnetz genutzt. Abb. 12 Strassenfahrzeugbestand 2021 Anforderungen Quelle: Bundesamt fr Statistk (2022) Der Energiebedarf fr den MIV fllt zuknftig vermehrt beim Gebude, entweder am Wohn- oder am Arbeitsort an. Das erfordert eine entsprechende Ladeinfrastruktur mit Lastmanagement, wenn mglich bidirektional (V2H/V2G) sowie einen Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion, welche teilweise im, am oder auf dem Gebude erfolgen soll, auch am Arbeitsort. EnDK Juli 2022 17 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark Einfhrung Erneuerbare Energie bei der Komfortkhlung Der Klimawandel fhrt dazu, dass in Gebuden knftig vermehrt Anlagen zur Komfortkhlung eingebaut und genutzt werden. Die Energieperspektiven 2050+ weisen einen zustzlichen Energiebedarf bis 2050 von 1 TWh aus. Bestehende Anforderungen Klimaanlagen fr die Aufrechterhaltung des Komforts sind in Bauten so zu erstellen, dass der elektrische Leistungsbedarf fr die Medienfrderung und Medienaufbereitung, inklusive allflliger Khlung, Befeuchtung, Entfeuchtung und Wasseraufbereitung 12 Watt/m2 Energiebezugsflche nicht berschreitet, oder eine effiziente Klteerzeugung nach dem Stand der Technik geplant, ausgelegt und betrieben wird. Weiterentwicklung Klimaanlagen fr die Aufrechterhaltung des Komforts sind in Bauten nach Umsetzung der geforderten baulichen Wrmeschutzmassnahmen so zu erstellen, dass der elektrische Leistungsbedarf fr die Medienfrderung und Medienaufbereitung, inklusive allflliger Khlung, Befeuchtung, Entfeuchtung und Wasseraufbereitung 12 Watt/m2 Energiebezugsflche nicht berschreitet. Der durch die Anlage verursachte elektrische Leistungsbedarf ist durch eine auf dem Gebude zu erstellende PV-Anlage mit derselben elektrischen Leistung zu kompensieren. Einfhrung Weiterentwicklung Gesamtenergieeffizienz Die MuKEn stellen bei Neubauten Anforderungen an die Gebudehlleneffizienz, den maximalen Wrmeverbrauch sowie an die Eigenstromerzeugung. Diese Trennung garantiert, dass innerhalb der einzelnen Anforderungen Kompensationen mglich sind, jedoch nicht ber die einzelnen Anforderungen hinaus. Die Bercksichtigung des Energieertrages von PV-Anlagen in einer Gesamtenergiekennzahl, wie dies auch bei Minergie oder beim GEAK, dem Gebudeenergieausweis der Kantone mglich ist, soll geprft werden. Einleitung Entwicklung Graue Energie Bei Gebuden steckt besonders viel graue Energie in Bauteilen, die in Betonbauweise ausgefhrt werden. Dies betrifft vorwiegend die Untergeschosse sowie statische Massnahmen bei hohen Gebuden zur Erdbebensicherheit. Aber auch bei Hanglagen oder instabilem Untergrund trifft dies zu. Rund 50 Prozent des verbauten Materials verarbeitet der Gebudesektor. Die restlichen 50 Prozent des in der Schweiz verbauten Materials werden fr Infrastrukturbauten wie Verkehrswege, Tiefgaragen, Brcken, Tunnels, Armee- und Zivilschutzbauten sowie Ver- und Entsorgungsleitungen (z.B. Wasser, Gas, Strom, Kanalisation, Kommunikation) und weitere Bauten verwendet. Wir erachten es als verfrht, Vorschriften ber Grenzwerte fr die graue Energie bei Neubauten und bei wesentlichen Erneuerungen bestehender Gebude zu erlassen. Zwar wird schon heute im Rahmen von nationalen Gebudestandards dem ressourcenschonenden Bauen grosse Beachtung geschenkt, insbesondere mit den ECO-Standards bei Minergie. Seit 2022 erhlt das Thema graue Energie bei Minergie eine grssere Bedeutung, indem bei allen Gebudezertifizierungen Angaben zur grauen Energie, den grauen Treibhausgasemissionen und dem gespeicherten Kohlenstoff auszuweisen sind. Diese fr alle Minergie-Neubauten angewandte Systematik generiert allgemein gltige Informationen, welche die Anforderungen einhalten mssen. Damit trgt Minergie wesentlich EnDK Juli 2022 18 Gebudepolitik 2050+ Herausforderungen beim Gebudepark dazu bei, Erkenntnisse zu diesem Thema zu sammeln und damit die Grundlagen zu klren. Sobald gengend zuverlssige und breit abgesttzte Daten vorliegen, knnen die Kantone Anforderungen im Bereich der grauen Energie oder der Treibhausgasemissionen beim Bauen festlegen. Abb. 13 Zusatzangaben bei der Gebudeerstellung (Beispiel) Quelle: Minergie (2021) EnDK Juli 2022 19 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Grundstze im Gebudebereich 4 Energie- und klimapolitische Grundstze im Gebudebereich Einfhrung Die energie- und klimapolitischen Grundstze orientieren sich an den im Kapitel 3 beschriebenen Herausforderungen und zeigen die langfristig einzuhaltenden Ziele auf. Die Instrumente und Massnahmen richten sich an diesen aus. Abb. 14 Gebudepark wird zum Energiehub - Herausforderungen Quelle: EnDK (2022) Grundsatz 1 Energieeffizienz Neue Gebude weisen generell eine hohe Energieeffizienz auf. Bei ungengend wrmegedmmten Gebuden muss die Energieeffizienz verbessert werden. Grundsatz 2 erneuerbare Wrme Neue Gebude versorgen sich vollstndig mit erneuerbarer Wrme. In bestehende Gebude werden nur noch erneuerbare Heizsysteme eingebaut. Sptestens ab 2050 sind alle Gebude CO2-frei zu betreiben. Grundsatz 3 erneuerbare Stromerzeugung Neue und bestehende Gebude versorgen sich zu einem angemessenen Anteil mit vor Ort produzierter, erneuerbarer Elektrizitt, welche auch den Bedarf fr die Wrmeerzeugung und die Elektromobilitt bercksichtigt. Anreize untersttzen die weitergehende PV-Nutzung auf geeigneten Gebudehlleflchen. Grundsatz 4 Digitalisierung Fr den optimalen Betrieb des Gebudeparks werden vermehrt digitale Technologien eingesetzt. Grundsatz 5 Vorbild Kantone In bestehende kantonseigene Gebude werden nur noch erneuerbare Heizsysteme eingebaut. Sptestens ab 2040 sind die kantonseigenen Gebude CO2-frei zu betreiben. Kantonseigene Gebude nutzen bis sptestens 2040 die fr PV-Anlagen geeigneten Gebudehlleflchen und versorgen sich zu einem angemessenen Anteil selbst mit erneuerbarer Elektrizitt. Grundsatz 6 graue Energie Neue Gebude weisen einen mglichst geringen Verbrauch von grauer Energie ber ihren gesamten Lebenszyklus auf. Dadurch werden die durch die Erstellung verursachten CO2-Emissionen gesenkt. EnDK Juli 2022 20 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Instrumente 5 Energie- und klimapolitische Instrumente Einfhrung Die verschiedenen energie- und klimapolitischen Instrumente sollen auch zuknftig helfen, die umfangreichen Herausforderungen, die der Umbau des Energiesystems erfordert, zu untersttzen. Dabei ist ein ausgewogener Mix smtlicher zur Verfgung stehender Instrumente anzustreben, damit die maximale Wirkung entfaltet werden kann. Einfhrung Vorschriften (MuKEn) Seit 1992 erlassen die Kantone im Gebudebereich gemeinsame Standards fr den Verbrauch von Energie, welche primr auf bauliche Massnahmen und auf technische Ausrstung von Gebuden zielen. Diese Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich wurden periodisch an den aktuellsten Stand der Technik angepasst (1992, 2000, 2008, 2015). Mit Hilfe der MuKEn ist es den Kantonen gelungen, den Energieverbrauch im Gebudebereich trotz Zunahme der Bevlkerung und der beheizten Gebudeflche wie auch den CO2-Ausstoss zu senken (siehe Kapitel 2). Weiterentwicklung Die MuKEn sind derart weiterzuentwicklen, dass sie auch in Zukunft den Stand der Technik abbilden und einen wesentlichen Beitrag an die zielkonforme Erreichung der nationalen Ziele im Energie- und Klimabereich leisten. Im Gebudebereich orientieren sich die zu stellenden Anforderungen an den Grundstzen gemss Kapitel 4. Diese sollen im Jahr 2025 durch die EnDK-Plenarversammlung verabschiedet werden. Einfhrung Das Gebudeprogramm Seit dem Jahr 2000 frdern die Kantone energetische Erneuerungsmassnahmen im Gebudebereich finanziell. 2010 wurde die Frderung unter dem Begriff Das Gebudeprogramm von Bund und Kantonen zusammengefasst und bezglich Finanzierung auf neue Beine gestellt. Zustzlich zu den kantonalen Frdermitteln erhalten die Kantone Finanzmittel aus der CO2-Abgabe via die Teilzweckbindung in Form von Globalbeitrgen. Dieser grundlegende Finanzierungsmechanismus besteht auch heute noch. In jngster Vergangenheit konnten die Kantone sowohl die Auszahlungen, die Verpflichtungen wie auch die kantonalen Frderbudgets kontinuierlich steigern. Die zur Verfgung stehenden Mittel werden seit 2020 ausgeschpft. Abb. 15 Auszahlungen des Gebudeprogramms 2010 bis 2021 Stellenwert EnDK Quelle: Bundesamt fr Energie (2022) Das Gebudeprogramm bernimmt eine wichtige ergnzende Rolle beim Umbau des Energiesystems im Gebudebereich. Es untersttzt die Revisionsprozesse der kantonalen Energiegesetze, insbesondere bei der Einfhrung von neuen Anforderungen durch Juli 2022 21 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Instrumente Ausblick Weiterentwicklung die Gewhrung finanzieller Frdermittel. Mit der Revision des CO2-Gesetzes, welches voraussichtlich am 1.1.2025 in Kraft treten wird, soll die Finanzierung des Gebudeprogramms gesichert sowie temporr bis 2030 befristet um CHF 40 Mio. auf CHF 460 Mio. erhht werden. Die zustzlichen Mittel sind gemss Vernehmlassung fr die Beschleunigung des Heizungsersatzes vorgesehen. Das Gebudeprogramm soll mglichst unverndert weitergefhrt werden und nur bei ausgewiesenem, dringendem Bedarf gendert, erweitert oder angepasst werden. Insbesondere sollen weiterhin Massnahmen zur Effizienzsteigerung der Gebudehlle wie auch zur Dekarbonisierung der Wrmeerzeugung und zur Nutzung erneuerbarer Energien finanziell untersttzt werden. Das Gebudeprogramm soll die Entwicklung des Stands der Technik beschleunigen sowie Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien zum Standard machen. Minergie Freiwillige Labels Minergie ist das Label fr Gebude, die eine noch bessere Energiebilanz aufweisen, als die Vorschriften der Kantone vorgeben. In der Vergangenheit diente Minergie den Kantonen dazu, weitergehende Anforderungen auszutesten/vorzubereiten, um diese spter in die kantonalen Energiegesetze zu bernehmen. Auch heute bernimmt Minergie fr die Kantone in dieser Hinsicht eine wichtige Funktion. Fr mgliche zuknftige Anforderungen im Bereich der grauen Energie oder der Treibhausgasemissionen bei der Erstellung von Bauten werden die Kantone die Erkenntnisse von Minergie bercksichtigen. Dies gilt auch fr die Bereiche Qualitt am Bau, den Betrieb und die Betriebsoptimierung. Abb. 16 Produktebersicht von Minergie Harmonisierung der Gebudelabels Quelle: Minergie Minergie, GEAK, SNBS Hochbau und 2000-Watt-Areale: Die Familie der Gebudelabels wird neugestaltet. Die Trgerorganisationen und das Bundesamt fr Energie haben am 17. Mrz 2022 einen Vertrag unterzeichnet, der den Rahmen fr die knftige Zusammenarbeit vorgibt. Neu soll nur noch eine Organisation fr die Zertifizierung, Qualittssicherung, Kommunikation und Weiterbildung zustndig sein. So werden Synergien geschaffen und die einzelnen Labels gestrkt. Aus dem bisherigen 2000-WattAreal entsteht neu das Minergie-Areal und das SNBS-Areal. EnDK Juli 2022 22 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Instrumente Sinn und Zweck Normierung Anwendung Gebudeenergieausweis der Kantone Der Verein GEAK bezweckt die Entwicklung, Verbreitung, Bewirtschaftung, Kontrolle sowie die Frderung eines schweizweit einheitlichen Systems fr einen Gebudeenergieausweis gemss eidgenssischem Energiegesetz. Die EnDK erlsst und verabschiedet die Berechnungsmethodik wie auch die Grenzwertlegung fr die Effizienz der Gebudehlle, die Gesamtenergieeffizienz wie auch die CO2Emissionen durch die Normierung, welche ffentlich verfgbar ist. Der schweizweit einheitliche Gebudeenergieausweis der Kantone (GEAK) bewertet die Qualitt der Gebudehlle und die Gesamtenergieeffizienz der Gebudetechnik. Der GEAK Plus beinhaltet zudem einen Beratungsbericht mit Varianten von energetischen Sanierungen. Der GEAK kann auf Wohngebude, Verwaltungs- und Schulbauten, Hotels, Verkaufsflchen, Restaurants sowie Mischnutzungen angewendet werden. Das Basisprodukt GEAK zeigt die Energieklasse von Gebudehlle und Gebudetechnik in sieben Klassen (A bis G) an. Als Grundlage gelten schweizweit die gleichen Kriterien und Berechnungswerte. So knnen Gebude untereinander verglichen werden, wie z.B. bei der Beurteilung von Kauf- und Mietangeboten oder bei Modernisierungsplnen. Abb. 17 bersicht ber die Klassen der beiden Berurteilungskriterien Ausblick EnDK Quelle: GEAK Ab 1.1.2023 werden auch die CO2-Emissionen in einer eigenen Kategorie klassifiziert, welche aus dem Betrieb fr die Erzeugung von Raumwrme und Warmwasser stammen. Juli 2022 23 Gebudepolitik 2050+ Energie- und klimapolitische Instrumente Verwendung Der GEAK soll weiterhin als freiwilliges Beratungs- und Informationsinstrument genutzt werden, aber auch fr weitergehende spezielle Vollzugsanwendungen (z.B. Ausstellungspflicht bei Handnderung) zur Verfgung stehen. Die Daten sollen knftig fr ein Monitoring zur Beurteilung der Sanierungsentwicklung zur Verfgung stehen. Ausgangslage Ziel Kommunikation Im Rahmen der berarbeitung der MuKEn 2014 ist das Projekt "Energiehub Gebude" entstanden. Der Energiehub Gebude soll aber mehr sein als nur die MuKEn. Es soll eine Austauschplattform sein fr alle gebuderelevanten Energiethemen. Die Arbeiten bezglich der Teilrevision der MuKEn werden kommunikativ begleitet. Darber hinaus soll der Energiehub Gebude eine Austauschplattform sein, auf der auch Beitrge und Ideen von Dritten sowie Studien, Medienbeitrge etc. Platz haben. Die Kommunikation soll auf verschiedenen Kanlen stattfinden. Abb. 18 Logo Energiehub Gebude mit den Satelliten Ausgangslage Quelle: EnDK Aus- und Weiterbildung / Information Bereits heute investiert die EnDK zusammen mit dem BFE namhafte Finanzmittel in die Erarbeitung von Fachbchern, Ratgebern, Informationsbrochren u.. Der Aus- und Weiterbildung wird ein hohes Gewicht beigemessen und soll auch zuknftig einen Beitrag leisten. Die EnFK betreibt ein eigenes Ressort Aus- und Weiterbildung / Information, welches weitergefhrt wird. EnDK Juli 2022 24 Gebudepolitik 2050+ Exkurse 6 Exkurse Ausgangslage Erneuerbare flssige und gasfrmige Brennstoffe Der anstehende oder bereits sinkende Gasabsatz im Wrmebereich wie auch eine mgliche Marktffnung bedrngen die bestehenden Geschftsmodelle der Gasversorger (wie im brigen auch der Erdlbranche) und erschweren den Erhalt der Verteilnetzinfrastruktur, welche von Gemeinden und Werken in den vergangenen Jahrzehnten mit hohen Investitionsbeitrgen finanziert wurden. Viele Energieversorger sehen in der Nutzung von erneuerbaren Gasen eine Mglichkeit, die Infrastruktur, insbesondere fr industrielle Anwendungen, auch weiterhin aufrechtzuerhalten. Gasnetze werden knftig nicht mehr in der heutigen Verstelung bentigt werden, da (Bio-)Gas zum Heizen nur noch der Ausnahmefall sein wird. Problematik Derzeit wird leitungsgebunden importiertes Biogas aufgrund der Definitionen des internationalen Klimaabkommens und somit von der Oberzolldirektion nicht als erneuerbarer Energietrger eingestuft und daher im nationalen Treibhausgasinventar (THG-Inventar) als konventionelles Erdgas bercksichtigt. Solange kein nationales, international abgeglichenes Registrierungs- und Bilanzierungssystem fr erneuerbare flssige und gasfrmige Brennstoffe (sinnvollerweise und Treibstoffe) besteht und ein eindeutiger und Mehrfachzhlungen ausschliessender Vollzug mglich ist, ist eine breite Anwendung dieser Energietrger - in welchem Sektor auch immer - nicht zielfhrend. Register fr erneuerbare Treib- und Brennstoffe Ziel ist die Einfhrung eines nationalen Registers fr erneuerbare gasfrmige und flssige Treib- und Brennstoffe (eTS/eBS) als zentrales Werkzeug bzw. Sttzpfeiler zur Umsetzung der Netto-Null-Klimastrategie des Bundes unter Mitwirkung von Pronovo. Es soll sichergestellt werden, dass Frdermittel fr die Zielerreichung effizient und am richtigen Ort eingesetzt werden und Doppelzhlungen ausgeschlossen werden knnen. Mittels zentraler bzw. integraler Statistik sollen die Ziele getrackt und der Fortschritt gegenber Bevlkerung und Administration transparent ausgewiesen werden. Abb. 19 bersicht des Sollprozesses fr ein nationales Register fr erneuerbare Treib- und Brennstoffe Quelle: Pronovo EnDK Juli 2022 25 Gebudepolitik 2050+ Exkurse Ausgangslage Problematik Lsung Ausgangslage Problematik Fernwrme Thermische Netze sind ein wichtiger Bestandteil in der Umsetzung der Energiestrategie 2050 und zur Erreichung des Netto-Null-Ziels, insbesondere bei der Nutzung von ortsgebundenen Quellen von Abwrme, Geothermie und erneuerbaren Energien in Gebieten mit hoher Wrme- oder Kltedichte. In urbanen Regionen wurde bereits in grossem Umfang in thermische Netze investiert. Es besteht weiterhin ein grosses Potenzial, dessen Erschliessung vorangetrieben werden sollte. Die Energieperspektiven 2050+ rechnen annhernd mit einer Verdoppelung des Fern- und Nahwrmeverbrauchs gegenber heute. Thermische Netze bentigen lange Planungs- und Realisationszeiten. Die Komplexitt von Projekten, regionale, politische und rechtliche Unterschiede sowie Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit stellen fr die Umsetzer von thermischen Netzen bedeutende Hindernisse dar. Darum wird vor allem der Faktor Zeit und nicht die Technologie zur grossen Herausforderung. Wegen des anstehenden Ersatzes von zahlreichen fossilen Heizungen steht die Entwicklung von thermischen Netzen in einer entscheidenden Phase. Gemss den langfristigen Zielsetzungen muss die Spitzenlastdeckung knftig erneuerbar erzeugt werden, was eine zustzliche Herausforderung ist. Die Kantone knnen mit der bernahme des Moduls 10 Energieplanung der MuKEn in die kantonalen Energiegesetze, insbesondere des Artikels fr die Energieplanung der Gemeinden, die rechtlichen Grundlagen fr die raumplanerischen Grundlagenarbeiten bereitstellen. Die kantonalen Frderprogramme verbessern die konomischen Randbedingungen fr den Neu- und Ausbau von Fernwrmenetzen. Betriebsoptimierung Betriebsoptimierungen leisten einen Beitrag zur Reduktion von unntigen Energie verbrauchenden Betriebszustnden. Die MuKEn 2014 definiert Anforderungen zur Betriebsoptimierung von Nichtwohnbauten in einem freiwilligen Modul, welche Gebudetechnikanlagen in bestehenden Gebuden betrifft. Damit soll gewhrleistet werden das die Anlagen auf dem jeweils aktuellsten Stand der hchsten Energieeffizienz betrieben werden. Die Betriebsoptimierung betrifft Zweckbauten und soll verbreitet angewandt, jedoch nicht zwingend auf Wohnbauten ausgeweitet werden. Das Nutzerverhalten in Wohnbauten kann ber Monitoringsysteme und Betriebsoptimierungen positiv beeinflusst werden. Die vermehrte Nutzung solcher Systeme ist zu untersttzen. EnDK Juli 2022 26 Gebudepolitik 2050+ Anhang EnDK Juli 2022 Darstellung fr das Jahr 2020, in TWh Verwendungszweck Haushalte Raumwrme Warmwasser Prozesswrme Beleuchtung Klima, Lftung & Haustechnik l&K, Unterhaltung Antriebe, Prozesse Mobilitt Inland sonstige Total inlndischer Endenergieverbrauch 38.6 9.3 1.6 1.2 1.1 1.6 4.2 0.0 2.3 59.9 (30.9%) Dienstleistungen 18.3 3.3 0.6 4.4 4.2 1.9 4.4 0.0 1.1 38.2 (19.7%) Industrie 3.2 0.5 21.3 1.4 1.4 0.4 9.3 0.0 1.6 39.2 (20.2%) Verkehr 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 57.0 0.0 57.0 (29.3%) Festlegung Energieverbrauch Gebude gem. BFE Tanktourismus 0.4 int. Flugverkehr 8.2 Total EEV 65.6 Summe 60.1 13.1 23.5 7.0 6.7 3.9 17.9 57.0 5.0 194.3 (100%) 87.0 Anteil 30.9% 6.7% 12.1% 3.6% 3.5% 2.0% 9.2% 29.3% 2.6% 100.0% 0.5% 44.8% Energieverbrauch nach Verwendungszwecken und Energietrger Darstellung fr das Jahr 2020, in TWh Verwendungszweck Heizl Erdgas Elektrizitt Raumwrme Warmwasser Prozesswrme Beleuchtung Klima, Lftung & Haustechnik l&K, Unterhaltung Antriebe, Prozesse Mobilitt Inland sonstige Total inlndischer Endenergieverbrauch 21.7 3.6 1.6 26.9 13.9% 18.0 3.5 8.4 29.8 15.4% 5.0 2.9 5.4 7.0 6.7 3.9 17.9 3.2 4.1 56.1 29.0% Holz 6.9 0.6 2.3 9.8 5.1% Kohle Fernwrme 0.0 3.9 0.0 0.8 0.8 1.7 Umweltwrme 4.5 1.6 0.2 Sonstige 0.1 0.0 3.3 Benzin 0.9 0.5% 6.5 3.3% 6.3 3.3% 3.4 1.8% 21.3 21.3 11.0% Diesel 30.1 30.1 15.5% Kerosin Biogene Treibstoffe brige fossile Treibstoffe 0.3 0.3 0.2% 2.0 2.0 1.0% 0.1 0.1 0.1% Summe 60.1 13.1 23.8 7.0 6.7 3.9 17.9 57.0 4.1 193.6 100.0% Anhang 27