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CHEMISCHE INDUSTRIE Fachverband der Chemischen
Industrie sterreichs Marcello Entner
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Wien, 22. September 2023
Bewertung des Beschrnkungsberichtes fr Per- und Polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)
Der von Deutschland, Norwegen, Schweden, Dnemark und den Niederlanden im Mrz 2023 eingereichte Bericht zur Beschrnkung von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), beschftigt derzeit die gesamte Industrie Europas. Die sterreichische chemische Industrie ist sowohl als Hersteller, Verarbeiter und Verwender von PFAS und PFAS-Produkten massiv von dieser Beschrnkung betroffen. Dies gilt insbesondere auf Grund der Beschrnkung von Fluorpolymeren, bei denen es derzeit keine adquaten Alternativen gibt, und anderen Rohstoffen und Zwischenprodukten, die unter die PFAS-Definition fallen. Letztere spielen eine entscheidende Rolle in der industriellen Herstellung von Wirkstoffen und deren Zusatzstoffen. Sie werden auerdem zur Herstellung von Gemischen fr Spezialanwendungen bentigt. Als gesetzlicher Vertreter der sterreichischen chemischen Industrie mit insgesamt 238 Mitgliedsbetrieben, mit wiederum 49.000 Beschftigten und einer abgesetzten Produktion von zuletzt beinahe 21 Mrd. Euro (2022), mchten wir den aktuellen Beschrnkungsvorschlag bewerten. Die Bewertung erfolgt dabei auf Basis von Informationen, die teils im Rahmen einer intern durchgefhrten Online-Befragung bei Mitgliedsunternehmen des Fachverbands (den Ergebnisbericht finden Sie im Anhang), teils durch persnlichen Austausch mit Expert:innen betroffener Unternehmen zusammengetragen wurden. Wir sind der Ansicht, dass folgende Manahmen zu einer handhabbaren, effizienten, und dennoch effektiven Regulierung von PFAS fhren:
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1. Die Bedeutung von PFAS fr unsere Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit bercksichtigen
Viele Stoffe und Materialien, die unter die PFASDefinition fallen, leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen, zur Sicherheit von Arbeiter:innen in Industrieanlagen, zur Verhinderung anderer Emissionen an Industriestandorten und zur Sicherstellung der Gesundheit unserer Gesellschaft.
Beinahe alle Technologien, die bentigt werden, um die Ziele des Green Deal zu erreichen, sind auf PFAS in der Herstellung angewiesen oder enthalten diese: etwa die Wasserstoffelektrolyse zur Gewinnung von grnem Wasserstoff, Brennstoffzellen, Solarzellen, Windkraftwerke oder Batterien fr die EMobilitt. Auch fr die Digitalisierung sind einige PFAS unverzichtbarer Bestandteil.
Durch deren Bestndigkeit reduzieren sie den Ressourcenverbrauch und verhindern dadurch auch Emissionen, die mit einem schnelleren Verschlei verbunden sein knnen, etwa die Freisetzung von Mikroplastik. Durch die Reduktion von Reibungsverlusten verringern sie wiederum den Energieverbrauch. In Arzneimitteln und Medizinprodukten sorgen Sie fr unsere Gesundheit und mehr Lebensqualitt.
Eine pauschale Beschrnkung aller PFAS htte daher, neben gravierenden Auswirkungen auf den Industriestandort, den Innovationsstandort und Arbeitsmarkt Europas, erhebliche Konsequenzen fr die Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit unserer Gesellschaft. Dieser Umstand wird im derzeitigen Beschrnkungsbericht kaum bercksichtig.
Hinzu kommt, dass viele Auswirkungen der Beschrnkung noch nicht vorhersehbar sind. Denn noch nie zuvor wurde eine derart umfassende Beschrnkung vorgeschlagen. Die im Rahmen der ffentlichen Konsultation eingebrachten Informationen, werden hchstwahrscheinlich nicht alle Verwendungen abbilden. Dafr sind sechs Monate nicht ausreichend. Viele Kleinbetriebe haben auerdem oft nicht die Kompetenz und/oder die Ressourcen, sich an solchen Beschrnkungsprozessen zu beteiligen. Es besteht hier also die Gefahr, dass wichtige Verwendungen entlang der Lieferkette vieler Produkte bersehen werden.
Wir fordern daher, dass den Risiken der jeweiligen Verwendung von PFAS immer auch die Risiken des Wegfalls von PFAS fr diese Verwendung gegenbergestellt werden. Verwendungen, die essenziell zur Sicherstellung unserer Gesundheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit sind, bentigen dabei einen Sonderstatus, damit strategisch wichtige Ziele der Europischen Union nicht gefhrdet werden.
2. Ein zielgerichteter, wissenschaftlich fundierter Geltungsbereich
Die derzeit im Beschrnkungsvorschlag verwendete Definition der PFASStoffgruppe entspricht im Wesentlichen der OECDDefinition abzglich einiger weniger als vollstndig abbaubar geltende Vertreter. Die mehr als 10.000 Stoffe umfassende Gruppe, wird im Beschrnkungsvorschlag allerdings nicht weiter in Untergruppen unterteilt, was dazu fhrt, dass ein und dieselbe Risikomanagementmanahme fr chemisch und physikalisch vollkommen unterschiedliche Chemikalien angewandt wird.
Die Notwendigkeit dieser undifferenzierten Gruppierung wird von den Dossiereinreichern unter anderem damit gerechtfertigt, dass in der Vergangenheit eng gefasste Beschrnkungen zu Situationen gefhrt haben, in denen beschrnkte PFAS durch andere, nicht beschrnkte PFAS ersetzt wurden, die sich spter als ebenso bedenklich herausstellten. Nach Ansicht der Dossiereinreicher knnte nur eine
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alle PFASUntergruppen umfassende Beschrnkung diese so genannten ,,bedauerlichen Substitutionen" unterbinden. Dabei wird offenbar auer Acht gelassen, dass Stoffe oder Materialien, damit sie sich gegenseitig ersetzen knnen, hnliche Eigenschaften aufweisen mssen. Der Geltungsbereich der Beschrnkung umfasst jedoch Kunststoffe, Gase, le, Tenside und mehr, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Daher ist in vielen Fllen eine Substitution eines PFAS einer Untergruppe durch einen Vertreter einer anderen Untergruppe auch ohne eine allumfassende Beschrnkung ausgeschlossen. ,,Bedauerliche Substitutionen" knnen daher genauso mit differenzierteren Manahmen verhindert werden.
Die chemische Stabilitt der KohlenstoffFluorBindung allein ist keine ausreichende Grundlage, um die Gefhrlichkeit eines Stoffes zu bewerten. Eine Beschrnkung, die lediglich auf dieser Eigenschaft beruht, ist unverhltnismig und htte schwerwiegende Auswirkungen auf die europische Gesellschaft. Tatschlich ist es in vielen Fllen gerade die hohe Stabilitt, die PFAS fr bestimmte Anwendungen unverzichtbar macht. Zuknftige Alternativen mssten daher hnlich stabil sein, um PFAS ersetzen zu knnen. Auf Basis der Argumentation der Dossiereinreicher mssten diese dann aber ebenfalls als gefhrlich eingestuft werden. Die Folge: In Zukunft knnen keine haltbaren Materialien mehr hergestellt und verwendet werden. Nicht nur aus konomischen Grnden, sondern vor allem im Hinblick auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und Reduktion des Ressourcenverbrauchs, sollte dieser Ansatz kritisch hinterfragt werden.
Wir fordern daher einen zielgerichteten, wissenschaftlich fundierten Geltungsbereich, der die Unterschiede innerhalb dieser 10.000 Stoffe umfassenden Gruppe widerspiegelt.
3. Die Herstellung und Inverkehrbringung von Produkten, fr die Ausnahmen gelten, muss weiterhin mglich sein
Im Beschrnkungsvorschlag wird derzeit nicht bercksichtigt, dass fr die Herstellung vieler Produkte, fr die Ausnahmen vorgesehen sind etwa fr Wirkstoffe in Human und Tierarzneimitteln, Biozidprodukten und Pflanzenschutzmitteln Ausgangsstoffe, Excipients, Katalysatoren und Lsungsmittel bentigt werden, die ebenfalls unter die PFASDefinition fallen. Fr diese ist aber keine Ausnahme vorgesehen. Unternehmen mssten daher die Produktion einstellen oder aus Europa abwandern und die Versorgung knnte anschlieend nur noch durch Importe sichergestellt werden.
Bei Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten, Human und Tierarzneimitteln ist die Zulassung auerdem an die genaue Zusammensetzung aller Bestandteile gekoppelt. Entfllt ein Bestandteil, oder wird dieser durch einen anderen ersetzt, muss die Zulassung erneut beantragt werden. Der Beschrnkungsvorschlag sieht dafr aber weder Ausnahmen noch bergangsfristen vor. Produkte, die PFAS als Hilfsstoffe beinhalten, wren daher nach Ablauf der allgemeinen bergangsfrist nicht mehr marktfhig.
hnliches gilt fr Arzneimittelverpackungen. Jede nderung der Verpackung lst eine berarbeitung der Zulassung aus. Bisher ist nur fr Blisterverpackungen eine bergangsfrist vorgesehen. Alle anderen Verpackungstypen, wren nach Ablauf der allgemeinen bergangsfrist nicht mehr zugelassen, wenn sie PFAS enthalten. Die darin enthaltenen Arzneimittel drften somit ebenfalls nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Geeignete Alternativen gibt es in den meisten Fllen keine, zumal die derzeit verfgbaren Alternativen aus PVdC mglicherweise ebenfalls beschrnkt werden. Neue Verpackungen mssen daher erst entwickelt und dann fr jedes Arzneimittel erneut zugelassen werden.
In der Beschrnkung muss daher klargestellt werden, dass PFAS von der Beschrnkung ausgenommen sind, wenn diese zur Herstellung von Ausnahmen bentigt werden. Zustzlich muss die Ausnahme fr
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Wirkstoffe in Human und Tierarzneimitteln, Biozidprodukten und Pflanzenschutzmittel erweitert werden, und zwar auf das gesamte Produkt. Bei Arzneimitteln muss diese Erweiterung auerdem die Verpackung mitbercksichtigen.
4. Eine Ausnahme fr Verwendungen an Industriestandorten
PFAS sind in der Herstellung, Verarbeitung, Lagerung und im Transport von Chemikalien und Materialien unverzichtbar. Sie sorgen unter anderem dafr, dass Prozesse, die bei extremen Temperaturen, unter korrosiven, oder mit hoher Reibung verbundenen Bedingungen stattfinden, sicher ablaufen knnen. Sie tragen damit mageblich zur Reduktion von Emissionen und zur Sicherheit fr Arbeiter:innen und Angestellte am Produktionsstandort bei. Auch wenn hohe Reinheitsanforderungen verlangt werden, stellen sie die oft einzige Option dar. Durch ihre Bestndigkeit sind sie auerdem wartungsarm, was nicht nur Kosten und Ressourcen spart, sondern wiederum zur Sicherheit der Anlagen beitrgt.
Zu den unverzichtbaren industriellen Verwendungen zhlen vor allem: Dichtungen, Membranen (z.B. fr die ChlorAlkalielektrolyse, Ultra und Sterilfiltration), Auskleidungen, Beschichtungen, Ventile, Filter, Rohre und Schmiermittel aus Fluorpolymeren. Aber auch Schutzausrstungen, Reinigungsfluide, Kolonneneinbauten, Bestandteile in der Elektronik und Laborequipment fr die Synthese und Analytik spielen eine wichtige Rolle. Alternativen, welche die geforderten Leistungsanforderungen erfllen, gibt es derzeit trotz intensiver Forschung keine. Auch mittel bis langfristig ist vermutlich nicht damit zu rechnen.
Anlagen der chemischen Industrie in Europa unterliegen auerdem Genehmigungsverfahren, bei dem behrdlich geprft wird, ob das Betreiben dieser Anlagen sicher ist. Dieses Verfahren ist langwierig und aufwendig und muss bei relevanten nderungen und Planungen neu durchlaufen werden. Die nderung an bestehenden Anlagen ist daher nicht ohne weiteres mglich.
PFAS werden nicht aus Kostengrnden in industriellen Verfahren eingesetzt, sondern Aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften. Mit einem Verbot, wie es im Beschrnkungsbericht vorgesehen ist, kann nicht garantiert werden, dass die Sicherheits und Umweltstandards industrieller Anlagen in Europa weiterhin eingehalten werden knnen. Auerdem werden Wartungszyklen von Anlagen drastisch verkrzt.
Wir mchten auerdem darauf hinweisen, dass Industriestandorte im hohen Ma reglementierte Bereiche sind, in denen PFASProdukte unter streng kontrollierten Bedingungen eingesetzt und entsorgt werden. Emissionen knnen hier daher auch auf anderem Weg als durch eine REACH Beschrnkung verhindert werden.
Damit also eine sichere, den EUUmweltstandards entsprechende und wettbewerbsfhige europische Industrie in Zukunft noch mglich sein wird, bentigt es eine Ausnahme fr Verwendungen an Industriestandorten.
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5. Eine Ausnahme fr Medizinprodukte
Die moderne Medizin wie etwa nichtinvasive Operationstechniken und die moderne medizinische Diagnostik wre ohne die dauerhafte Stabilitt, die guten Gleiteigenschaften, die Weichheit und Biokompatibilitt von Fluorpolymeren, insbesondere PTFE, nicht mglich. Die sterreichische Kunststoffindustrie stellt die dafr notwendigen Spezialgarne, Schluche und Folien her, die dann zu Herzklappen, Nahtmaterial fr die Dentalchirurgie, zur Herstellung von medizinischen Textilien und Wundauflagen weiterverarbeitet werden. Auch Katheter aus Fluorpolymeren werden in sterreich hergestellt. Die Inertheit, der geringe Reibungskoeffizient und die geringe Zellhaftung, sorgen hier ebenfalls fr weniger Komplikationen.
Eine PFASBeschrnkung fr Verwendungen in dieser Produktgruppe, htte folgenreiche Auswirkungen auf die Qualitt der medizinischen Versorgung Europas. Auch der Produktionsstandort sterreich, der hier mageblich die Entwicklungen in der Medizintechnik vorantreibt, wre dadurch gefhrdet. Medizinprodukte zhlen auerdem durch die europische Medizinprodukteverordnung bereits zu den am strengsten regulierten Produktgruppen.
Fr diese Produktgruppe muss daher eine Ausnahme wie fr Arzneimittel gelten.
6. Eine Ausnahme fr fluorierte Gase der FGaseVerordnung
Die kurz vor der Umsetzung stehende berarbeitung der FGaseVerordnung, gibt bereits einen klar vorgegebenen Ausstiegspfad fr die Herstellung, den Import und die Verwendung von fluorierten Gasen innerhalb der EU vor. Im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses der FGaseVerordnung wurde dabei unter anderem die Wichtigkeit einer Schrittweisen Reduktion der FGasQuoten festgestellt. Eine REACHBeschrnkung, wie im Beschrnkungsbericht vorgesehen, ignoriert aber diese Notwendigkeit. Hier wird also eine sich wiedersprechende Doppelregulierung geschaffen.
FGase, die unter die FGaseVerordnung fallen, mssen daher von der Beschrnkung ausgenommen werden.
7. Ein differenziertes Risikomanagement fr Fluorpolymere
Fluorpolymere, also Polymere mit einem Kohlenstoffgerst, an dem Fluor direkt gebunden ist, unterscheiden sich grundstzlich in ihrem Risikoprofil von anderen PFAS. Einige der wichtigsten Vertreter dieser Stoffgruppe sind, wie bereits erwhnt, seit Jahrzehnten als biokompatible Materialien in Medizinprodukten zugelassen. Fr diese Vertreter ist also eine sichere Verwendung durch zahlreiche Studien belegt.
Fluorpolymere sind auerdem essenzieller Bestandteil in Zukunftstechnologien. Dazu zhlen wie schon erwhnt die Erzeugung, der Transport, und die Lagerung von grnem Wasserstoff, Membranen in der Brennstoffzelle, Komponenten in Wasser und Windkraftwerken, Elektroautos und Hochleistungskabel fr die Digitalisierung und moderne Kommunikation. Ein undifferenziertes Verbot dieser Kunststoffe, das weder essenzielle Verwendungen noch mit dem Produkt einhergehende Risiken bercksichtigt, htte gravierende Auswirkungen auf den Ausbau und die Weiterentwicklung dieser Technologien in Europa.
Die Bedenken hinsichtlich dieser Stoffgruppe richten sich primr an die Produktion und Entsorgung der Kunststoffe. Das Risikomanagement sollte daher genau dort ansetzen. Das Recycling dieser Materialien
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ist bereits mglich. Dafr notwendige Infrastrukturen mssten jedoch ausgebaut werden. Abflle von Fluorpolymeren knnen auerdem in geeigneten Abfallverbrennungsanlagen mit entsprechenden Abgasreinigungsanlagen sicher entsorgt werden. Statt einer pauschalen Beschrnkung von Fluorpolymeren mit einigen wenigen, zeitlich begrenzenten Ausnahmen, wren gezielt gesetzte Manahmen, die zur Verhinderung von Emissionen an Produktionsstandorten beitragen und eine kontrollierte Entsorgung sicherstellen, weitaus treffsicherer, ohne dabei den Wirtschafts und Innovationsstandort Europa unverhltnismig zu gefhrden.
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ANHANG
Ergebnis einer Umfrage als Beitrag zur ffentlichen Konsultation zum Beschrnkungsdossier fr per und
polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)
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Allgemeines
zu
den
teilnehmenden Unternehmen
Insgesamt nahmen 33 Unternehmen der
chemischen Industrie sterreichs an der
Umfrage Teil. Folgende Branchen waren
darunter vertreten, wobei einige
Unternehmen in mehreren Branchen
gleichzeitig ttig sind: Kunststoffverarbeitung,
Kunststofferzeugung, Farben und Lacke,
Pharmazeutika, Fein und Basischemikalien,
Bauklebstoffen, Textil, Leder und
Papierhilfsmittel,
technische
Gase,
Dngemittel, Anlagen und Maschinenbau,
Kautschukwaren,
Biokraftstoff
und
Minerallindustrie, Holzwerkstoffe und Leim.
Davon zhlten 39 % zu den mittelstndischen
Unternehmen mit 50 bis 249
Arbeitnehmer:innen und 61 % zu
Grobetrieben, wovon 20 % zwischen 250 und
499 Arbeitnehmer:innen und 80 % mehr als
500 Arbeitnehmer:innen beschftigen. Die
Unternehmen bilden damit fast alle Branchen
der chemischen Industrie sterreichs ab.
Beinahe alle teilnehmenden Unternehmen (88
%) verwenden PFASEndprodukte wie
Dichtungen, Membranen, Filter und
dergleichen. Etwa die Hlfte (45 %) verarbeitet
PFAS. Dazu zhlen hauptschlich
kunststoffverarbeitende
Unternehmen,
Hersteller von Farben und Lacken und
Kunststoffhersteller. Aber auch Hersteller von
Pharmazeutika und Feinchemikalien,
Schmiermitteln, Holzwerkstoffen und Leim
sind als PFASVerarbeiter betroffen. Nur ein
Unternehmen stellt PFAS her. Dabei handelt es
sich um pharmazeutische Wirkstoffe.
Vertretene Branchen
Kunststoffverarbeitung Kunststofferzeugung Farben und LackHersteller
Pharmazeutika Fein und Basischemikalien
Bauklebstoffe Textil, Leder und Papierhilfsmittel
Technische Gase Dngemittel
Anlagen und Maschinenbau Kautschukwaren
Biokraftstoff und Minerallindustrie Holzwerkstoffe und Leim
Gre der Unternehmen
39% 49%
12%
Mittelstndische Betriebe (50 249 Arbeitnehmer:innen) Grobetriebe (250 499 Arbeitnehmer:innen) Grobetriebe ( >499 Arbeitnehmer:innen)
Art der Betroffenheit teilnehmender Unternehmen
Verwender von PFAS
Endprodukten (Dichtungen,
88%
Membranen, etc.)
PFASVerarbeiter
45%
PFASHersteller 3%
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Details zur Betroffenheit der Unternehmen
Lediglich 21 % der Unternehmen konnten besttigen, dass deren Produkte und Verwendungen in der Folgenabschtzung der Dossiereinreicher bercksichtigt wurde. 15 % geben an, dass diese gar nicht, bzw. 18 %, dass diese nur teilweise behandelt werden. Bei 45 % herrscht groe Unsicherheit, ob die Produkte bzw. Verwendungen im Dossier erfasst sind oder nicht, da beschriebene Produkt und Verwendungsgruppen oft unklar definiert sind. Es handelt sich dabei vielfach um Komponenten von Industrieanlagen aus Fluorkunststoffen oder Verarbeitungshilfen in der Produktion, aber auch um Spezialanwendungen wie Blisterverpackungen fr Arzneimittel, Synthese und Analytik Laborequipment und Spezialschmiermittel.
Die Unternehmen wurden auerdem gefragt, ob fr sie Ausnahmen oder bergangsregelungen gelten. Nur 6 % der Unternehmen gibt an, dass fr einige ihrer Produkte Ausnahmen vorgesehen sind, 38 % geben an, dass die Dossiereinreicher fr sie bergangsregelungen vorschlagen, 31 % geben an, dass bergangsregelungen fr ihre Produkte bzw. Verwendungen in Erwgung gezogen werden sie werden also im Beschrnkungsvorschlag in eckigen Klammern angefhrt. 66 % gibt an, dass es fr mindestens eine ihrer Verwendungen oder eines ihrer Produkte weder Ausnahmen noch bergangsregelungen gibt.
Gelten Ausnahmen oder bergangs regelungen?
Es gelten Ausnahmen.
6%
Es gelten bergangsregelungen
Es werden bergangsregelungen in Erwgung gezogen.
Es sind weder Ausnahmen noch bergangsregelungen vorgesehen.
38% 31%
66%
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Welche Produktgruppen sind betroffen
Es stellte sich bereits im Vorfeld der Umfrage
Fluorkunststoffe
73%
heraus, dass die betroffenen Produkte sich
einigen wenigen Produktgruppen zuordnen
Gase, die unter die aktuell in
lassen. 73 % der Unternehmen verwendet
berarbeitung befindliche FGase 15%
Fluorkunststoffe und/oder verarbeitet diese.
Verordnung fallen.
15 % verwenden FGase der derzeit in
berarbeitung befindlichen FGase
Medizinprodukte
9%
Verordnung. 9 % verwendet oder verarbeitet PFAS fr Medizinprodukte und 12 % bentigen PFAS als Ausgangsstoff fr Produkte, fr die im Beschrnkungsvorschlag derzeit Ausnahmen
Ausgangsstoffe fr Produkte, fr
die Ausnahmen vorgesehen sind
12%
(z.B. fr Arzneistoffe)
vorgesehen sind. Zu Produktgruppen zhlen
den sonstigen pharmazeutische
Keine Angabe 18%
Hilfsstoffe, Lsungsmittel, perfluorierte
Polyether und nicht genauer definierte
Sonstiges
12%
Chemikalien.
PFAS in industriellen Prozessen
Dichtungen
79%
Wie bereits eingangs dargestellt, ist beinahe die gesamte Branche als Verwender von PFAS Endprodukten vom Beschrnkungsvorschlag betroffen. Um welche Produkte es sich dabei handelt und in welchem Umfang sie eine Rolle spielen, wird hier im Detail eingegangen. Die teilnehmenden Unternehmen wurden gefragt, welche PFASEndprodukte unverzichtbar fr ihren Produktionsstandort sind. Insbesondere Dichtungen, Membranen, Auskleidungen und Filter aus Fluorpolymeren sind essenziell. Darauf folgen Ventile, Schmiermittel und Rohre ebenfalls aus Fluorpolymeren. Aber auch fr Schutzausrstungen, Reinigungsfluide und Kolonneneinbauten werden PFAS bentigt. Unter Sonstiges wurden unter anderem Equipment fr die OnlineAnalytik und chemische Synthese und FGase in Dmmstoffen und als Kltemittel genannt.
Membranen Auskleidungen
Filter Ventile Schmiermittel Rohre Sonstiges Schutzausrstung Elektronik Reinigungsfluide Kolonneneinbauten Keine davon
52% 42% 42% 39% 36% 30% 24% 21% 21% 18% 18% 6%
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Alternativen
Beinahe keinem (88 %) der teilnehmenden Unternehmen sind geeignete Alternativen fr von Ihnen hergestellte oder verwendete Produkte bekannt. Die teilnehmenden Unternehmen wurden daher gebeten anzugeben, warum PFASProdukte derzeit nicht ersetzt werden knnen. Als einer der Hauptgrnde fr die weitere Verwendung von PFAS wird angegeben, dass notwendige Leistungskriterien derzeit von keinen Alternativen erfllt werden. Dabei spielt insbesondere die lange Haltbarkeit von PFAS Produkten eine entscheidende Rolle. Eng damit verbunden sind Sicherheitsaspekte. So knnte die Anlagensicherheit und damit auch die Sicherheit fr Arbeiter:innen, Angestellte und die Umwelt nicht mehr gewhrleistet werden. Auch die Erfllung von Nachhaltigkeitskriterien wie die Reduktion von Treibhausgas Emissionen und die Reduktion des Ressourcenverbrauchs wird erschwert. Fr einige Unternehmen stellen zustzlich aufwendige Zulassungsprozesse eine Hrde fr den Einsatz von Alternativen dar. Bei anderen
Warum PFASProdukte derzeit nicht ersetzt werden
Leistungskriterien allgemein
83%
Haltbarkeit
66%
Sicherheit fr die Umwelt
45%
Sicherheit fr Arbeiter:innen, Angestellte und Konsument:innen
Erfllung von Nachhaltigkeitskriterien
38% 24%
Produktionskosten 7%
Alternativen erst in der Zulassung 7%
Zulassungen als Hrde 7%
Sonstiges 7%
muss derzeit auf die Zulassung gewartet
werden. Zuletzt werden auch mit Alternativen
verbundene hhere Produktionskosten
genannt. Dabei geht es weniger um die Kosten
der Alternativen selbst, sondern um die damit
indirekt verbundenen Kosten etwa durch
hufigere Wartungsarbeiten.
Auch Unternehmen, denen Alternativen
bekannt sind, berichten von sehr hnlichen
Problemen. So sind diese immer mit einem
Leistungsabfall verbunden. Meist ist ein
sofortiger Austausch auf Grund von
Zulassungsprozessen
und
internen
Evaluierungsphasen
nicht
mglich.
Alternativen sind auerdem oft mit noch
hheren Kosten als die ohnehin
kostenintensiven PFASProdukte verbunden,
sofern sie berhaupt in ausreichenden Mengen
am Markt verfgbar sind.
Wie lange dauert es, bis gegeignete Alternativen marktreif sind?
3%
14% 28%
Bis zu 3 Jahre. Bis zu 8 Jahre. Bis zu 15 Jahre.
21%
Bis zu 25 Jahre.
17% 17%
Wenn berhaupt, mehr als 25 Jahre. Nicht abschtzbar
Die Unternehmen wurden abschlieend gefragt, wie lange es ihrer Einschtzung nach dauern wird, bis geeignete Alternativen marktreif sind. 38 % rechnen innerhalb der nchsten 15 Jahre mit Alternativen. 17 % rechnet erst innerhalb der nchsten 25 Jahre mit Alternativen, und weitere 17 % gehen davon aus, dass auch dieser Zeitraum nicht ausreichend sein wird.
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Unverzichtbare Verwendungen
Die Europische Komission anerkennt in ihrer Chemikalienstrategie fr Nachhaltigkeit, dass bestimmte Verwendungen unverzichtbar fr die Gesellschaft und daher in Beschrnkungen anders zu bewerten sind. ,,EssentialUse" Kriterien sollen daher im Rahmen der bevorstehenden REACHRevision eingefhrt werden. Die Kriterien, die denen im Montreal Protokoll hneln werden, stehen noch nicht fest, dennoch wurde im Rahmen der Umfrage der Versuch unternommen, einen Eindruck davon zu bekommen, ob und zu welchen Aspekten PFAS einen unverzichtbaren Beitrag leisten. Fr mehr als die Hlfte (55 %) der Unternehmen sind PFASProdukte essenziell zur Gewhrleistung der Sicherheit von Arbeitnehmer:innen am Produktionsstanort. Ebenfalls mehr als die Hlfte (52 %) bentigt PFAS, um Emissionen von Schadstoffen in der Produktion verhindern zu knnen. Mehr als ein Drittel (36 %) gibt an, die im Green Deal geforderten Treibhausgasemissionsreduktionen ohne PFAS nicht einhalten zu knnen und ein Drittel (33 %) sieht die Sicherstellung der Gesundheit unserer Gesellschaft durch den Wegfall ihrer Produkte in Gefahr. Auch die Sicherheit von Konsument:innen knnte in einigen Fllen (12 %) nicht mehr gewhrleistet sein. Unter Sonstiges werden auerdem noch essenzielle Komponenten, die zur Digitalisierung bentigt werden, genannt. Lediglich 9 % knnen ihre Produkte keinem dieser Aspekte zuordnen.
Trifft eine dieser Aussagen zu? Die von uns verwendeten bzw. hergestellten Produkte
sind essenziell ...
fArrbdeiietnSeichhmeerhr:einitnveonn. 55%
zur Verhinderung anderer Emissionen in die Umwelt.
zur Erreichung der im Green Deal geforderten
Treibhausgasemissionsreduktionen .
zur Sicherstellung der Gesundheit unserer Gesellschaft.
52% 36% 33%
fKrodniesuSmicehnetr:hinenitevno.n 12%
Sonstiges 12%
Nein 9%
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Details zur Lieferkette
Produkte der teilnehmenden Unternehmen werden in die gesamte Welt exportiert. Der EU Markt und restliches Europa, Nordamerika und Asien haben jedoch die grte Bedeutung. Um ein besseres Verstndnis fr die Auswirkungen dieser Beschrnkung auf nachgeschaltete Anwender zu bekommen, wurden die Unternehmen gefragt, welche Branchen durch einen Wegfall ihrer PFASProdukte bzw. PFAS abhngigen Produkte betroffen wren. Es zeigte sich, dass die Beschrnkung Auswirkungen auf die gesamte Industrie, den Bausektor, den Transport und Mobilittssektor, die Energieversorgung und den Gesundheitsbereich htte
Welche nachgeschalteten Branchen wren durch einen Wegfall der Produkte betroffen?
Pharmazeutische Industrie Harzindustrie Papierindustrie
Medizin Chemische Industrie
Holzindustrie
Handel
Landwirtschaft Bausektor Mbelindustrie
Lebensmittelindustrie Industrie allgemein Glasindustrie
Energieversorgung
Halbleiter/Elektronik
Metalltechnik
Schwerindustrie
Anlagenbau Maschinenbau Textilindustrie
Transport/Mobilittssektor
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Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Um die Auswirkungen des derzeitigen
Beschrnkungsvorschlages
auf
den
Arbeitsmarkt besser beurteilen zu knnen,
wurden die Unternehmen gefragt, wie viele
Arbeitspltze durch eine Beschrnkung in der
aktuellen Form bedroht wren. Die Antworten
darauf fielen sehr unterschiedlich aus.
Lediglich 6 % gehen davon aus, dass die
Beschrnkung keine Auswirkungen haben wird.
18 % der Unternehmen rechnen mit einem
Wegfall von bis zu 5 % der Arbeitspltze.
Genauso viele (18 %) sehen bis zu 10 % der
Arbeitspltze in Gefahr. 3 % der Unternehmen
erwarten sogar einen Verlust von bis zu 25 %
der Arbeitspltze. Die meisten Betriebe (37 %)
rechnen aber mit noch greren Ausfllen.
Mehr als 25 % bis mglicherweise alle
Arbeitspltze knnten dort wegfallen.
Weitere 9 % gaben auerdem bekannt, dass
ganze Teile der Produktion eingestellt werden
mssten. Es wurde allerdings nicht angegeben,
wie viele Arbeitspltze dadurch bedroht
wren.
Wie viele Arbeitspltze wren von einer Beschrnkung in dieser Form mglicherweise bedroht?
9% 6% 9%
18%
18% 37%
3%
Keine
Bis zu 5 %
Bis zu 10 %
Bis zu 25 %
Mehr als 25 % bis mglicherweise alle Ganze Teile der Produktion mssten eingestellt werden Keine Angabe, nicht abschtzbar
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