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Quartalsbericht 1.2020
DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE DER CHEMISCH-PHARMAZEUTISCHEN INDUSTRIE
Globale Wirtschaft: C hemienachfrage ausgebremst Chemieproduktion: Nur vorbergehend erholt Erzeugerpreise: Druck nimmt zu
Chemieumsatz: Inland im Plus Beschftigung: Arbeitnehmerzahl stabil Ausblick: Branche steht schweres Jahr bevor
Chemie robust ins Krisenjahr 2020 gestartet
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland hat die Corona-Pandemie im ersten Quartal 2020 noch nicht mit voller Wucht zu spren bekommen. Produktion und Umsatz in Deutschlands drittgrter Industriebranche legten sogar zu. Vor allem wegen einer hohen Nachfrage nach Pharmazeutika, verschiedensten Hygieneartikeln und Verpackungsmaterialien blieb die Chemie auch im Mrz noch von greren Rckschlgen verschont. Dennoch erwartet die Branche eine schwere Rezession, wie eine aktuelle VCI-Mitgliederbefragung zeigt. Rcklufige Auftrge, gestrte Lieferketten sowie fehlende Transportkapazitten machen den Unternehmen zu schaffen.
Im Januar und Februar 2020 hatte sich die Krise zunchst nur im Asiengeschft bemerkbar gemacht, weil die chinesische Wirtschaft infolge des Lockdowns schrumpfte. Ab Mrz bremste die Corona-Pandemie dann weltweit das Wirtschaftswachstum und die Chemienachfrage. Die europische Wirtschaft kam in weiten Teilen zum Erliegen.
VCI-Prsident Christian Kullmann sagt zur Lage der Branche: ,,2020 wird ein schwieriges Jahr fr die chemischpharmazeutische Industrie. Die Unternehmen werden die Corona-Folgen in den kommenden Monaten stark spren. 75 Prozent der VCI-Mitglieder erwarten einen Umsatzrckgang in Europa. Nicht nur unsere Branche, sondern auch die gesamte deutsche Wirtschaft braucht daher dringend ein Investitions- und Wachstumsprogramm - und keine neuen Belastungen. Wir brauchen darber hinaus echte, ganzheit liche Nachhaltigkeitsstrategien und keine Projekte, die sich allein an der kologischen Komponente orientieren."
PROGNOSE
Der VCI rechnet fr 2020 mit einem deutlichen Produktions- und Umsatzrckgang in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Eine genaue Prognose wird der Verband erst nach dem zweiten Quartal verffentlichen.
PRODUKTION
Die Chemieproduktion stieg im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 3,2 Prozent und im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozent.
ERZEUGERPREISE
Die Chemikalienpreise blieben im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal trotz sinkender lpreise stabil.
UMSATZ
Der Branchenumsatz legte von Januar bis Mrz 2020 auf 49,5 Milliarden Euro zu, was einem Plus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal entspricht. Der Inlandsumsatz stieg krftig um 3,3 Prozent, whrend der Auslandsumsatz wegen der Corona-Pandemie um fast 1 Prozent sank.
BESCHFTIGUNG
Knapp 464.000 Menschen haben im ersten Quartal in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland gearbeitet. Damit blieb die Beschftigtenzahl gegenber dem Vorjahr stabil. c
INDIKATOREN ZUR CHEMISCHEN INDUSTRIE
IN DEUTSCHLAND
1. Quartal 2020
Vernderung in Prozent
zum Vorquartal zum Vorjahr
Produktion
+ 3,2
+ 0,9
ohne Pharma
+ 3,6
+ 1,5
Erzeugerpreise
+ 0,2
+ 0,2
Umsatz
+ 0,6
- 1,0
Umsatz Inland
+ 3,3
+ 0,2
Umsatz Ausland
- 0,8
- 1,7
Quellen: Destatis, VCI
UMSATZRCKGANG WEGEN CORONA-PANDEMIE ERWARTET Anteil der Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie mit Umsatzvernderungen in Deutschland und Europa
Umsatz Inland
31%
32%
15% 14% 7%
Umsatz Europa
51%
24%
14% 9%
starkes Minus Minus unverndert Plus Quelle: VCI-Mitgliederbefragung, Mai 2020
starkes Plus
Produktion
Quartalsbericht 01.2020
WELTWIRTSCHAFT: CORONA-PANDEMIE BREMST GLOBALE
CHEMIENACHFRAGE AUS
Die Corona-Pandemie hinterlie im ersten Quartal des Jahres bereits deutliche Spuren in der Weltwirtschaft. Dem Einbruch der chinesischen Wirtschaft zu Jahresbeginn folgten im Mrz deutliche Rckgnge der Wirtschaftsleistung in allen Industrielndern. Zuletzt waren auch die Schwellen- und Entwicklungslnder betroffen. Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im ersten Quartal des Jahres um mehr als 2 Prozent gegenber Vorquartal zurck. Die globale Rezession wird sich im zweiten Quartal beschleunigt fortsetzen.
In China fhrten die Lockdown Manahmen im ersten Quartal des Jahres zu einem starken Rckgang der Wirtschaftsleistung. Das Vorquartal wurde um fast 10 Prozent verfehlt. Gegenber Vorjahr lag das BIP im ersten Quartal um 6,8 Prozent niedriger. Auch die Industrie- und Chemieproduktion brachen ein. Mit Beendigung des Lockdowns stieg die Produktion im Mrz aber bereits wieder deutlich an. Die Nachbarlnder Chinas waren ebenfalls frh vom Rckgang betroffen.
Auch in den USA machten sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie im ersten Quartal bereits bemerkbar. BIP und Industrieproduktion gingen aufgrund der fehlenden Nachfrage aus China und der im Mrz getroffenen Manahmen zur Eindmmung des Virus zurck.
In Lateinamerika zeigte sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zunchst noch stabil. Rckgnge der Wirtschaftsleistung erfolgten erst im Laufe des Mrz, so dass die Auswirkungen auf die Quartalszahlen gering blieben.
Nach China zeigten sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie bisher am strksten in Europa. Die Wirtschaft der Europischen Union brach aufgrund der massiven Manahmen zur Eindmmung des Virus im ersten Quartal krftig ein. In den stark betroffenen Lndern ging die Wirtschaftsleistung teilweise um mehr als 5 Prozent gegenber Vorquartal zurck. Insgesamt lag das BIP in der EU um rund 3,5 Prozent niedriger. Auch die Industrieproduktion war in nahezu allen Branchen rcklufig. Strkere Einbrche werden im zweiten Quartal noch folgen. Die deutsche Wirtschaft ging im ersten Quartal des Jahres um 2,2 Prozent zurck. Insbesondere der private Konsum brach ein. Auch die
Investitionen in Ausrstungen - also vor allem in Maschinen, Gerte und Fahrzeuge - nahmen deutlich ab. Die Konsumausgaben des Staates und die Investitionen in Bauten wirkten dagegen stabilisierend und verhinderten einen noch strkeren Rckgang des BIP. Die Industrieproduktion brach in vielen Branchen krftig ein.
PRODUKTION LEGT ZU JAHRESBEGINN VORBERGEHEND ZU
Dank starker Zuwchse in den ersten beiden Monaten des Jahres stieg die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie im ersten Quartal 2020 gegenber dem Vorquartal saisonbereinigt um 3,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Produktion knapp 1 Prozent hher. Die Aussetzung des Handelskrieges zwischen den USA und China und die Einigung beim Brexit nhrten die Hoffnung auf ein Ende der Industrierezession und die Kunden der Chemie orderten wieder mehr Chemikalien. Diese Hoffnung wurde durch die Corona-Pandemie zunichte gemacht. Die Produktion ging im Mrz zurck und die Kapazittsauslastung sank zuletzt auf 80,7 Prozent - seit der Weltwirtschaftskrise der niedrigste Wert. Insbesondere in der Chemie (ohne Pharma) war die Auslastung der Kapazitten zuletzt niedrig. Dagegen meldeten die Pharmaunternehmen ein Hochfahren ihrer Auslastung auf den hchsten Wert seit Beginn der Erhebung durch das ifo Institut.
ERZEUGERPREISE GERATEN UNTER DRUCK
Zwar blieben die Erzeugerpreise fr chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse sowohl im Vergleich zum Vorquartal als auch im 12-Monatsvergleich stabil. Allerdings mussten die Hersteller der rohlnahen Sparten bereits Preisrckgnge verbuchen. Demgegenber konnten die Hersteller von Spezialitten, konsumnahen Erzeugnisse sowie Pharmazeutika zunchst noch leichte Preiserhhungen durchsetzen.
Der Preis fr Rohl ging im Laufe des ersten Quartals zurck. Ein Fass Rohl der Nordseesorte Brent kostete im ersten Quartal mit durchschnittlich 50,53 US-Dollar rund 20 Prozent weniger als drei Monate zuvor. Auch im Vorjahresvergleich lagen die Rohlpreise damit um fast 20 Prozent niedriger. Auslser fr den Preisrckgang war zunchst die schwache Nachfrage aus China, wo der Lockdown bereits frh
ENTWICKLUNG DER DEUTSCHEN CHEMIEPRODUKTION inklusive Pharma, saisonbereinigt, Index 2015=100, Vernderung gegenber Vorjahr in Prozent
120
15
115
10
110
5
105
0
100
-5
95 AProduktion, saisonbereinigt
AVernderung gegenber Vorjahr
90 2016
2017
2018
2019
Quellen: Destatis, VCI
-10
-15 2020
0,9 0,2
ENTWICKLUNG DER ERZEUGERPREISE IN DER CHEMISCHEN INDUSTRIE Index 2015=100, Vernderung gegenber Vorjahr in Prozent
110,0
8
105,0
4
100,0
95,0
90,0 2016
2017
Quellen: Destatis, VCI
0
AErzeugerpreise
AV ernderung
-4
gegenber Vorjahr
2018
2019
-8 2020
2
Quartalsbericht 01.2020
Umsatz
zum Stillstand der Wirtschaft fhrte. Im Laufe des Quartals sank wegen der Corona-Krise auch in Europa und den USA die lnachfrage. Da sich die OPEC und Russland zunchst nicht auf eine Drosselung der lproduktion einigen konnten, kam es zu einem starken Angebotsberhang und einem Verfall der lpreise.
In Europa folgte der Preis fr Naphtha, dem wichtigsten Rohstoff der Chemieindustrie, dem Rohlpreistrend und sank im Vorquartalsvergleich um 18 Prozent auf 381 Euro je Tonne. Auch hier setzte der Verfall der Preise erst im Laufe des Quartals ein. Die Kontraktpreise fr Primrchemikalien konnten diesem rapiden Verfall nicht unmittelbar folgen. Im ersten Quartal des Jahres lagen die Primrchemikalienpreise zwar unter dem Niveau des Vorquartals. Der Rckgang fiel aber deutlich moderater aus als bei Rohl und Naphtha. Im April sind die Preise fr Rohl und Naphtha weiter gefallen. Ein Blick auf bereits vorliegende Kontraktpreise fr Primrchemikalien zeigt nun auch hier einen erheblichen Preisverfall.
UMSATZPLUS IM INLAND - AUSLANDSGESCHFT RCKLUFIG
Auch beim Umsatz startete die Branche zunchst gut ins neue Jahr, bevor im Mrz die Verkufe wegen der Corona-Krise zurckgingen. Insgesamt konnten die Chemie- und Pharmaunternehmen im ersten Quartal aber noch ein leichtes Umsatzplus verbuchen. Gegenber dem Vorquartal stieg der Branchenumsatz saisonbereinigt um 0,6 Prozent auf 49,5 Milliarden Euro. Im Vorjahresvergleich verzeichnete die Branche allerdings weiterhin ein Minus von 1 Prozent.
Die Geschfte mit inlndischen Kunden zeigten sich im ersten Quartal des Jahres erholt. Der Inlandsumsatz der Chemie- und Pharmaunternehmen legte gegenber Vorquartal krftig um saisonbereinigt 3,3 Prozent zu. Mit 18,2 Milliarden Euro konnte damit auch das erste Mal seit fnf Quartalen das Vorjahr wieder knapp bertroffen werden (+0,2 Prozent). Dabei zeigten nicht nur die Monate Januar und Februar eine positive Entwicklung. Im Mrz blieb der befrchtete Einbruch aus. Die Inlandsverkufe gingen zunchst nur leicht zurck.
Anders dagegen verlief das Geschft mit auslndischen Kunden. Nach einem guten Start ins Jahr brach der Auslands umsatz im Mrz nahezu berall ein. Damit gingen die Verkufe ins Ausland im gesamten ersten Quartal 2020 saisonberei-
AUSLANDSUMSATZ NACH REGIONEN 1. Quartal 2020
EU 27 sonst. europische Lnder NAFTA Lateinamerika Asien Afrika Australien
Anteile 2018
51,9 16,3 12,1 2,5 14,8 1,7 0,8
Vernderung zum Vorquartal
in Prozent
+ 0,8 - 8,6 + 1,8 - 0,1 - 1,0 + 5,5 + 0,3
Vernderung zum Vorjahr in Prozent
- 1,3 - 12,9 + 16,9 - 2,5 - 4,5 + 5,2 - 1,5
Quellen: Destatis, VCI
nigt um fast 1 Prozent zurck. Mit 31,3 Milliarden Euro wurde auch das Vorjahresniveau um 1,7 Prozent verfehlt.
Die Geschfte auf dem wichtigsten Absatzmarkt der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie - der EU - gingen zwar im Mrz zurck. Insgesamt konnte das Vorquartal aufgrund guter Verkufe in den ersten beiden Monaten aber noch leicht bertroffen werden. Das Vorjahr wurde dagegen verfehlt. In den brigen europischen Lndern war die Entwicklung im ganzen ersten Quartal schlecht.
Die Verkufe nach Nordamerika liefen im ersten Quartal noch gut. Nachfragerckgnge machten sich aufgrund der erst Ende Mrz einsetzenden Ausbreitung des Virus in Nordamerika in den Quartalszahlen noch nicht bemerkbar. Dagegen liefen die Geschfte in Lateinamerika bereits deutlich schlechter. Auch das Asiengeschft gestaltete sich zunehmend schwierig. Die Verkufe nach Asien nahmen sowohl im Vergleich zum Vorquartal als auch im Vorjahresvergleich ab.
BESCHFTIGUNGSNIVEAU STABIL
Im ersten Quartal 2020 arbeiteten fast 464.000 Menschen in der Chemie- und Pharmaindustrie und damit so viele wie im Vorjahr. Die Phase des Beschftigungsaufbaus in der Branche ist aber ausgelaufen. Die Unternehmen versuchen derzeit, ihre Belegschaften trotz der massiv zugenommenen Unsicherheiten zu halten. Dazu hat auch die Chemieindustrie
WICHTIGE PREISE FR DIE CHEMISCHE INDUSTRIE Naphtha- und Kontraktpreise in Euro, Vernderung in Prozent
Produkt
Naphtha gegenber Vorquartal
Ethylen gegenber Vorquartal
Propylen gegenber Vorquartal
Benzol gegenber Vorquartal
o-Xylol gegenber Vorquartal
p-Xylol gegenber Vorquartal
2019
Q3
432 - 11,3
993 - 6,7
893 - 9,2
692 + 8,0
845 - 10,3
774 - 14,5
2019
Q4
465 + 7,7
973 - 2,0
852 - 4,7
618 - 10,6
817 - 3,4
763 - 1,3
2020
Q1
381 - 18,0
953 - 2,1
838 - 1,6
672 + 8,7
800 - 2,0
704 - 7,7
2020
April-Mai
140* - 63,3
670 - 29,7
610 - 27,2
199 - 70,5
520* - 35,0
493* - 30,1
Quellen: ICIS, eid, VCI
* April 2020
GESAMTUMSATZ DER CHEMISCHEN INDUSTRIE Saisonbereinigt, 2015=100, Inlands- und Auslandsumstze im Vergleich zum Vorjahr in Prozent
115
15
10 110
5
-1,7 0,2
105
0
AAuslandsumsatz
100
AInlandsumsatz
AUmsatzindex
saisonbereinigt
95 2017
Quellen: Destatis, VCI
2018
2019
-5
-10
-15 2020
3
Spartenentwicklung
Quartalsbericht 01.2020
ab Mrz verstrkt auf die Mglichkeit der Kurzarbeit zurckgegriffen und in einigen Betriebssttten und Beschftigungsfeldern fr Mitarbeiter Kurzarbeit genutzt. Betroffen waren zunchst insbesondere Betriebe in der Zuliefererkette der Automobilindustrie.
HETEROGENE SPARTENENTWICKLUNG
Die erhoffte Erholung der Industriekonjunktur im In- und Ausland fhrte am Jahresanfang zunchst in allen Sparten der Chemie zu einer positiven Entwicklung sowohl der Produktion als auch der Umstze. Der Einbruch der Nachfrage am Ende des Quartals traf die Sparten dann aber in unterschiedlichem Ausma.
Die Hersteller chemischer Grundstoffe, zu denen Anorganika, Petrochemikalien und Polymere zhlen, konnten nach den starken Rckgngen der Vorquartale die Produktion erstmals wieder krftig ausweiten. Bei rcklufigen Preisen reichte das aber insgesamt nur fr ein kleines Umsatzplus im Vorquartalsvergleich. Im Vergleich zum Vorjahr verbuchten die Grundstoffhersteller immer noch ein deutliches Minus - vor allem aufgrund schlechter Geschfte mit dem Ausland. Positiv entwickelte sich das Inlandsgeschft mit Anorganika.
Die Hersteller von Fein- und Spezialchemikalien dehnten ihre Produktion im ersten Quartal krftig aus. Die Hoffnung lag auf einer anziehenden Industriekonjunktur und steigenden Auftrgen von Seiten der Industriekunden. Diese Hoffnung erfllte sich nicht. Im Mrz brachen die Umstze ein, so dass auch fr das Quartal insgesamt nur ein moderates Plus brigblieb und das Vorjahr weiterhin verfehlt wurde.
Die Hersteller von Wasch- und Krperpflegemitteln konnten sowohl Produktion als auch Umstze krftig ausweiten. Die stark steigende Nachfrage im Mrz nach Hygieneartikeln lie die Umstze der Branche deutlich zunehmen. Allerdings war davon nur das Geschft mit inlndischen Kunden betroffen. Der Auslandsumsatz ging im Mrz zurck, so dass er im ersten Quartal insgesamt auf Vorjahresniveau verharrte.
Die Pharmaindustrie weitete im ersten Quartal ihre Produktion aus. Bei steigenden Preisen stiegen auch die Umstze krftig. Die Branche profitierte im Inland vorbergehend von einer stark steigenden Nachfrage nach Arzneimitteln durch Bevorratungskufe und vorgezogene Rezepteinlsungen aufgrund des bevorstehenden Lockdown. Im zweiten Quartal zeichnet sich ein starker Rckgang ab. Das Geschft mit auslndischen Kunden verlief deutlich verhaltener.
Kennzahlen der Sparten
PRODUKTION UND ERZEUGERPREISE Vernderungen in Prozent, 1. Quartal 2020
Anorganische Grundchemikalien Petrochemikalien und Derivate Polymere Fein- und Spezialchemikalien Wasch- und Krperpflegemittel Pharmazeutika Chemie ohne Pharma
Anteile am Produktionswert
10% 22% 13% 20%
7% 30% 70%
Produktion (arbeitstglichund saisonbereinigt)
Vernd. gg. Q4/2019
+ 0,3 + 4,0 + 5,4 + 4,4 + 3,8 + 2,1 + 3,6
Vernd. gg. Q1/2019
- 3,8 + 1,0 + 1,0 + 1,4 + 2,1 - 0,4 + 1,5
Erzeugerpreise
Vernd. gg. Q4/2019
- 0,4 - 0,0 - 1,2 + 1,1 + 0,2 + 0,7 + 0,1
Vernd. gg. Q1/2019
+ 0,1 - 0,4 - 2,8 + 1,9 + 0,3 + 1,2 - 0,0
UMSATZ Vernderung in Prozent, 1. Quartal 2020 (arbeitstglich- und saisonbereinigt)
Anorganische Grundchemikalien Petrochemikalien und Derivate Polymere Fein- und Spezialchemikalien Wasch- und Krperpflegemittel Pharmazeutika Chemie ohne Pharma
Insgesamt
Inland
Ausland
Anteile am Produktions-
wert
Vernd. gg. Q4/2019
Vernd. gg. Q1/2019
Vernd. gg. Q4/2019
Vernd. gg. Q1/2019
Vernd. gg. Q4/2019
Vernd. gg. Q1/2019
10% 22% 13% 20%
7% 30% 70%
+ 5,3 - 2,3 + 1,2 + 0,4 + 3,3 + 2,3 + 0,2
+ 3,1 - 7,5 - 4,2 - 0,5 + 1,6 + 4,0 - 2,4
+ 13,7 + 2,5 + 2,1 + 1,5 + 5,0 + 7,2 + 2,3
+ 8,2 - 2,5 - 6,6 - 0,4 + 2,8 + 5,8 - 1,1
+ 0,5 - 5,2 + 0,7 - 0,2 + 1,2 + 0,0 - 1,1
- 0,1 - 10,6
- 2,8 - 0,5 + 0,2 + 3,1 - 3,3
4
Quartalsbericht 01.2020
Ausblick
AUSBLICK: BRANCHE STEHT SCHWERES JAHR BEVOR
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie ist mit viel Schwung ins Jahr 2020 gestartet. Im Januar und Februar zogen die Verkufe sowohl im Inland als auch im Ausland an - sogar strker als erwartet. Die Produktion wurde ausgeweitet und die Erzeugerpreise blieben trotz sinkender Rohstoffkosten stabil. Fr einen Moment sah es so aus, als knne sich die Branche in diesem Jahr nach zweijhriger Rezession wieder etwas erholen. Die Corona-Pandemie machte diese Hoffnung zunichte.
Die Nachrichten aus China, dem Ursprungsland des Virus, waren seit Januar beunruhigend. Zunchst schien es, als knne der Shutdown in China die Ausbreitung der Corona-Epidemie auf andere Lnder verhindern. Doch die Folgen fr die Weltwirtschaft waren bereits erheblich. Die Vollbremsung der chinesischen Volkswirtschaft machte der deutschen Industrie zunehmend zu schaffen. Die Exporte nach Asien gingen deutlich zurck und Lieferungen aus China und den Nachbarlndern drohten auszufallen. Im Mrz spitzte sich die Lage dramatisch zu. Aus der chinesischen Epidemie wurde eine globale Pandemie. Nahezu alle Lnder der Welt ordneten in krzester Zeit einen Shutdown an. Die Weltwirtschaft rutschte in die schwerste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg - vielleicht sogar seit der groen Depression.
Auch in den deutschen Chemieunternehmen kippte die Stimmung. Die aktuelle Lage wurde zuletzt negativ bewertet. Die Geschftserwartungen brachen zunchst hnlich stark ein wie in Zeiten der Weltwirtschaftskrise 2008/2009, erholten sich dann aber wieder leicht. Der Tiefpunkt des Einbruchs mag im zweiten Quartal erreicht werden, aber die Branche ist am Beginn einer schweren Rezession.
Dabei steht die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie sowohl im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen als auch im internationalen Vergleich bisher noch gut da: Im Mrz war die deutsche Industrieproduktion krftig eingebrochen. Besonders stark sank die Automobilproduktion (-38 Prozent) und der Maschinenbau (-16 Prozent). In der Metall- und Elektroindustrie sowie bei Kunststoffwaren betrug der Rckgang gegenber Vorjahr 11 bis 14 Prozent. Demgegenber sank die deutsche Chemie- und Pharmaproduktion im Mrz nur um knapp 1 Prozent unter Vorjahr. Zum internationalen Vergleich: Die chinesische Chemieproduktion lag whrend des Shutdowns im Januar und Februar 12 Prozent unter Vorjahr. Die US Chemie verbuchte im Mrz ein Minus von 3,5 Prozent und Japans Chemie lag schon vor dem Shutdown um mehr als 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Um besser abschtzen zu knnen, wie sich die Branche in den kommenden Monaten entwickeln wird, hat der VCI Anfang Mai eine reprsentative Umfrage bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgefhrt. Das Ergebnis: Fr das zweite Quartal ist mit einem deutlichen Rckgang im deutschen Chemiegeschft zu rechnen.
Das grte Problem ist derzeit der starke Rckgang der Chemienachfrage: Fast Dreiviertel der Unternehmen berichten von einem Mangel an Auftrgen. 40 Prozent der Unternehmen klagen dabei ber einen schweren bis sehr schweren Rckgang der Bestellungen. Hinzu kommen bei nahezu allen Unternehmen weitere Probleme, wie die Verfgbarkeit von Vorprodukten, durch die Corona-Manahmen bedingte Personalengpsse sowie Einschrnkungen bei Vertrieb und Logistik. Allerdings ist die Geschftsttigkeit nach Einschtzung der Unternehmen durch diese Probleme nur leicht
eingeschrnkt. Die Unternehmen haben sich insgesamt gut auf die Herausforderungen eingestellt. Wegen der fehlenden Nachfrage sinkt die Kapazittsauslastung zwar krftig, aber von umfangreichen Produktionsstillstnden wie in der Automobilindustrie drfte unsere Branche verschont bleiben.
Schaut man auf die Umsatzentwicklung, dann zeigt sich zum einen, dass der Nachfragerckgang im Ausland - besonders in den europischen Nachbarlndern - strker ist als im Inland. Zum anderen sind die einzelnen Bereiche des Chemiegeschfts unterschiedlich vom Nachfragerckgang betroffen. Zulieferer fr die Automobilproduktion verzeichnen dabei besonders starke Rckgnge, whrend beispielsweise die Nachfrage nach Chemikalien aus der Papierindustrie trotz Krise stabil ist. Insgesamt verzeichnen ein Drittel der Unternehmen keinen Umsatzrckgang. Jedes fnfte Unternehmen berichtet sogar ber steigende Umstze im Inland. Dies gilt insbesondere fr zahlreiche Pharmaunternehmen, Hersteller von Desinfektionsmitteln und deren Grundstoffen sowie fr Hersteller von Seifen, Wasch und Reinigungsmitteln. Unter dem Strich drften daher die Umsatz- und Produktionsrckgnge in der Chemie- und Pharmaindustrie weniger krftig ausfallen als im Industriedurchschnitt.
Wegen des starken Nachfragerckgangs nahm die Zahl der Chemiebeschftigten in Kurzarbeit zu. Laut einer aktuellen BAVC Umfrage drften im Mai 15 Prozent der Beschftigten in Kurzarbeit sein. Zudem befrchten rund 25 Prozent der Unternehmen Liquidittsengpsse im Zuge der Corona-Krise. Dies knnte sich zuspitzen, wenn sich die Nachfrageflaute lange hinzieht oder wenn die Zahlungsausflle im In- und Ausland zunehmen.
Die Umfrage zeigt aber auch ein weiteres Problem auf: ber 60 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Investitionen zu verschieben. Nahezu 40 Prozent der Unternehmen wollen zudem Forschungsprojekte spter als geplant durchfhren. Langfristig kann sich die Investitions- und Innovationszurckhaltung nachteilig auf das Produktions- und Innovationspotenzial der Branche auswirken. Zudem gefhrdet es die digitale und nachhaltige Transformation und damit die Zukunftsfhigkeit unserer Branche. Um das zu verhindern braucht es ein langfristig konzipiertes Investitions- und Wachstumsprogramm fr Deutschland und Europa.
Es gibt bereits Licht am Ende des Tunnels: Die Ausbreitung des Virus ist eingedmmt. Die Lockerung des Shutdown und die ffnung der Grenzen sind eingeleitet. Der Normalisierungsprozess hat begonnen. Geld und Fiskalpolitik haben rasch und umfangreich reagiert, um Massenarbeitslosigkeit und eine starke Zunahme von Unternehmensinsolvenzen zu verhindern.
Dennoch steht der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie ein sehr schwieriges Geschftsjahr bevor. Produktion- und Umsatz werden im zweiten Quartal krftig zurckgehen. Wenn dann im In- und Ausland der Shutdown ein Ende gefunden hat und die Grenzen wieder geffnet worden sind, knnte im dritten Quartal die Industrieproduktion und mit ihr die Chemienachfrage wieder anziehen. Die Erholung wird jedoch wenig dynamisch verlaufen und bedarf zustzlicher wirtschaftspolitischer Impulse. Trotz einer Trendwende im zweiten Halbjahr wird die Branche in diesem Jahr einen deutlichen Produktions- und Umsatzrckgang verbuchen mssen. Angesichts der groen Unsicherheiten verzichtet der VCI zum jetzigen Zeitpunkt aber auf eine quantitative Prognose.
5
Service
Quartalsbericht 04.2019
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Chemierelevante Wirtschaftsinformationen des VCI
Konjunktur: Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) analysiert regelmig die aktuelle wirtschaftliche Lage fr die Branche in Deutschland, Europa und der Welt. Hierzu zhlen auch die gesamtwirtschaftliche Situation und die Entwicklung in anderen Industriezweigen. Eine Auswahl unserer Konjunkturberichte:
AAChemiebarometer fr Deutschland und die Welt AABusiness Worldwide AAQuartalsbericht
Mehr Informationen unter: http://bit.ly/wirtschaftliche_Lage
Langfristige Entwicklung: Der VCI verffentlicht regel mig Berichte und Analysen zu Strukturvernderungen der globalen Chemie und umfangreichen Branchenkennzahlen.
Sonderthemen: Zu den Themen ,,Forschung, Entwicklung und Bildung", ,,Energie, Klimaschutz und Rohstoffe" sowie ,,Industrieland Deutschland" bieten wir Chartstze an.
Weitere Informationen unter: http://bit.ly/Berichte_Analysen
VCI Wirtschafts-Newsletter: Hier lesen Sie jede Woche Konjunkturnachrichten und Hinweise auf aktuelle VCI-Publikationen zur Chemiewirtschaft. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Christiane Kellermann (kellermann@vci.de; Telefon 069 2556-1585).
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Ansprechpartner fr die Medien VCI-Pressestelle Telefon +49 69 2556-1496 Telefax +49 69 2556-1613 E-Mail: presse@vci.de Internet: www.vci.de
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), ICIS, eid, ifo Konjunkturtest, VCI