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FILE NAME: German Articles - Some with English Translation (GER) DATE: 1942 DOC#: GER064 DOCUMENT DESCRIPTION: Textbook Article by Bohme - No Translation
(Aus der inneren Abteilung der August,a-Ivrankenanstalt Bochum.)
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
Von
Prof. Dr. A. Bhme.
Mit 8 Textabbildungen. (Eingegangen am 13. Mrz 1942.)
Das klinische und rntgenologische Bild der Asbestose in Deutsch land ist bereits mehrfach eingehend dargestellt worden; es sei besonders auf die Arbeiten von Saufe und Wedler hingewiesen. Es sind in ihnen auch Untersuchungen ber die Hufigkeit der Asbestose in den Asbest fabriken von Sachsen und von Berlin mitgeteilt. In der folgenden Arbeit sei ber Reihenuntersuchungen der Gefolgschaftsmitglieder einer west flischen Asbestfabrik berichtet.
Die Fabrik, die zeitweise bis 500 Gefolgschaftsmitgliedor hat, stellt aus dem Rohasbest verschiedenster Art und verschiedener Herkunft in der Aufbereitungsabteilung durch Behandlung in den Kollergngen, dem Wolf, den Krempelmaschinen das Asbestvorgarn her, aus dem in der Spinnerei und Spulerei die Garne gewonnen werden. Diese kommen teils zum Versand, teils werden sie in der Weberei und Flechterei zu Asbestgeweben fr Isolationszwecke, Kleidungsstcke, Filter, Isolier schnren, Stopfbchsenpackungen, Bremsbndern verarbeitet. Ferner werden Asbestplatten, Gummi-Asbestplatten u. a. hergestellt.
Seit 1936 sind die Staubverhtungsmanahmen wesentlich ausgebaut worden; es wurde z. B. der Kollergang vllig eingeschalt, die Websthle wurden mit Absaugungseinrichtungen versehen, die Absaugung an den Krempelmaschinen und die Raumventilation wurden wesentlich ver bessert, die einzelnen Abteilungen wurden mglichst weitgehend rum lich getrennt, die Staub aufwirbelnden Transmissionen wurden durch Elektromotoren ersetzt, die unmittelbar mit den Krempelmaschinen und anderen Maschinen gekuppelt sind. Nach allgemeinem Urteil ist der Staubgehalt der Luft dadurch wesentlich vermindert worden. Immer hin entstehen auch heute noch bei manchen Arbeitsvorgngen nicht unerhebliche Staubmengen, so besonders am Wolf, in der Krempelei, in der Bremsbandschleiferei.
Meine jetzigen Untersuchungen w'urden dadurch erleichtert, da Prof. Lehmann, Direktor des Arbeitsphysiologischen Institutes Dortmund, bereits 1936 73 Gefolgschaftsmitglieder der Dortmunder Asbestfabrik anllich seiner Untersuchungen ber die Bedeutung dos Nasenfilters fr Entstehung von Staubkrankheiten der Lunge rntgenologisch unter sucht hat.
A rchiv f. G ew erbepath. u . G cw crbcliyg. U d. 11.
31
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A. Bhme:
Prof. Lehmann hat mir die in der O.Kr.K. Dortmund hergestellten Filme fr weitere Untersuchungen freundlicher Weise zur Verfgung gestellt. Zusammen mit ihm habe ich 1937 einen Teil der erwhnten Gefolgschaftsmitglieder untersuchen knnen. Im Jahre 1940 habe ich auf Anregung des Asbestoseunterausschusses der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsschutz nochmals alle lnger als 3 Jahre in der Fabrik ttigen Gefolgschaftsmitglieder (71 Personen) klinisch und rntgenologisch unter sucht. Die Rntgenaufnahmen erfolgten mit Hilfe eines Kondensator apparates, der sehr kurzfristige Belichtungen erlaubte. Mehrere der im Jahre 1940 untersuchten Gefolgschaftsmitglieder waren bereits 1936 untersucht worden. Die gesamten Untersuchungen erstrecken sich auf 132 verschiedene Personen.
Da bei den Untersuchungen in den Jahren 1936/37 nicht alle Per sonen klinisch erfat werden konnten, so sei zunchst ber die Rntgen befunde berichtet. Die Beurteilung des Rntgenbildes der Asbestose ist nach allgemeinem Urteil schwieriger als bei der Silikose. Auch klinisch schwere Asbestosen geben lange nicht so ausgedehnte Verschattungen wie schwere Silikosen. Besonders schwierig ist oft die Feststellung beginnender Asbestosen. In der Dortmunder Asbestfabrik, ebenso wie in den meisten anderen Asbestfabriken, berwiegt bei weitem die Zahl der weiblichen Gefolgschaftsmitglieder. Die beginnenden Asbestose vernderungen pflegen sich hauptschlich in den Untergeschossen der Lunge zu lokalisieren und hier zu einer Verstrkung und netzfrmigem Bau der Lungenzeichnung zu fhren. Solche Vernderungen knnen aber -- wie bereits Saufe und Wedler betont haben -- sehr leicht durch Sum mierung des Mammaschattens mit der normalen Lungenzeichnung vor getuscht werden. So haftet der Annahme einer beginnenden Asbestose bei Frauen oft eine gewisse Unsicherheit an, whrend bei Mnnern die Unterscheidung beginnender asbestotischer Verdichtungen von der nor malen Zeichnung mit grerer Sicherheit mglich ist. Saufe hat bei Frauen ventrodorsale Aufnahmen im Liegen oder Heraufziehen der Mamma noch oben zur berwindung dieser Schwierigkeit empfohlen. Auch dann noch drfte das Urteil ber beginnende Asbestosevernde rungen bei Frauen manchmal unsicher sein. Ich folge im brigen der bewhrten Saufesehen Stadieneinteilung der rntgenologischen Vernde rungen bei Asbestose:
Asbestose 0--1 (beg.): Verstrkung der Lungenzeichnung, besonders in. den Mittel- und Unterfeldern, feine Streifenschatten und ganz zarte Fleckelung in Komplementrrumen bzw. Herzzwerchfellwinkeln.
Asbestose 1 (leicht): uerst feines Netzwerk der Lungenzeichnung in den Mittel- und Unterfeldern, schon mit sehr kleinen zarten Flecken durchsetzt.
Asbestose 2 (mittel): Dichtere Lungenzeichnung, zahlreichere kleinste Fleckschatten, beginnende Helligkeitsverminderung der Mittel- und Unterfelder, besonders der herznahen Abschnittte. Breite und dichte Hili.
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
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Asbestose 3 (schwer): Ausgesprochene Abschattung der Mittel- und Uhterfelder, vermehrt strahlendurchlssige Oberfelder, Herzrnder schlecht differenzierbar. Breite mitteldichte Hili.
Naturgem ist die Zuteilung zu einer dieser Gruppen bzw. zu Zwischengruppen nicht immer ganz sicher. Schwankende Beurteilungen bei wiederholter Betrachtung sind mglich, besonders bei den beginnenden Formen, whrend die ausgesprochenen Formen viel leichter eine Zuteilung ermglichen. Ich habe deshalb noch eine Gruppe der ,,verdchtigen" Formen aufgestellt (,, ?"), bei denen mir eine sichere Entscheidung nicht mglich war, ob bereits asbestotische Vernderungen Vorlagen oder nicht. Es sei zunchst ber die Untersuchungsreihen der Jahre 1936 und 1937 berichtet.
Reihenuntersuchungen 1936/37.
Die Hufigkeit der Asbestose ist, wie das fr alle Staubkrankheiten zutrifft, von der Lnge der Beschftigungsdauer und der Art der Arbeit abhngig. Es wurden daher die untersuchten Gefolgsschaftsmitgliedcr zunchst nach der Dauer ihrer Ttigkeit in der Asbestfabrik gruppiert (s. Tabelle 1).
T a b elle 1.
Arbeitsdauer
Zahl der
in Jahren
Untersuchten
Rntgenologischer Befund
0 - -1
l
1-- 2
2
Summe der gesicherten Asbcstosefftllo
0--3
21
(m eist ber 2)
3-- 5
17
5-- 10
26
10--
9
5
1
2
3
1
3
9
5
1
2
3
1
l
1 = 5%
4 = 2f>% 15 = 58%
7 = 77%
In den beiden letzten Spalten der Tabelle sind die Flle zusammen gefat, bei denen -- unter Ausschlu der verdchtigen -- sichere asbesto tische Vernderungen gefunden wurden. Daraus geht deutlich hervor, wie mit zunehmender Arbeitsdauer die Zahl der positiven Flle rasch anwchst und bei mehr als lOjhriger Arbeitsdauer 77% betrgt. Bemerkenswert ist aber, da auch bei den 21 Gefolgschaftsmitgliedern mit weniger als 3jhriger Ttigkeit sich in einem Falle sichere leichte asbestotische Vernderungen feststellen lieen. Es. handelt sich um ein Mdchen, das 21/2 Jahre in der Weberei beschftigt war. 5 andere Flle sind als ,,verdchtig" bezeichnet (3 Mdchen, die in der Krempelei, und 2, die in der Spinnerei je 2--21/2 Jahre beschftigt waren).
Unter den 17 Gefolgschaftsmitgliedern mit 3--5jhriger Arbeitsdauer befand sich wieder eine m it leichten asbestotischen Vernderungen, die 3 Jahre in der Krempelei gearbeitet hatte, 3 weitere sind als beginnend bezeichnet, 2 davon haben 3--4 Jahre in der Krempelei. 1 in der
31*
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A. Bhme:
Weberei gearbeitet. 2 Mdchen m it je 4*/* jhriger Ttigkeit in der Spinnerei sind als verdchtig bezeichnet.
Von 26 Gefolgschaftsmitgliedern m it 5--IOjhriger Arbeitsdauer wiesen 6 eine leichte, 1 eine leichte bis mittelgradige Asbestose auf. Von diesen 7 Personen waren 4 in der Krempelei, 3 in der Spinnerei und Weberei beschftigt; 9 weitere, die ebenfalls groenteils in der Krempelei beschftigt waren, wurden als beginnend bezeichnet, 3 als verdchtig.
Die Gefolgschaftsmitglieder, die mehr als 10 Jahre in der Asbest fabrik ttig waren, sind in der Tabelle 2 angefhrt.
Nr. Name Alter
T a b ell 2.
A rbeitszeit
G rad clor A sbestose
1 H. B.
27 13 Jahre Spinnmeister
0--1
2 A. P. 3 F. R.
37 IO'/, ,, Meister 31 12 ,, Krempelei
4 H. Sch. 49 31 ,, Klppelei
1--2 1
0 -1
5 J. Sch. 31 12 ,, Pappenfabrik, vorher 4 Jahre Lager
1
6 E. V.
41 14 ,, Webermeister
2
7 F. K.
33 -19 ,, Vorarbeiterin in der Klppelei
1
8 H. K. 26 10 ,, Spinnerei
0
9 B. P.
24 10 ,, Klppelei
0
In dieser Gruppe von 9 Fllen mit mehr als IOjhriger Arbeitszeit, die sich aus 6 Mnnern und 3 Frauen zusammensetzt, finden sich also 3 Flle mit leichter, 1 mit leichter bis mittlerer, 1 mit mittelgradiger Asbestose. 2 weitere Mnner weisen sichere beginnende Vernderungen auf. 2 Frauen, vo denen die eine 10 Jahre in der Spinnerei, die andere 10 Jahre in der Klppelei gearbeitet hatten, sind dagegen von Asbestose verdichtungen frei geblieben. Bemerkenswert ist, da Nr. 4 auch nach 31jhriger Arbeit in der Klppelei nur beginnende Asbestosevernde rungen aufzuweisen hat.
Fat man nur die Flle mit sicherer Asbestose zusammen, unter Ausschlu der als verdchtig bezeichneten, so finden sich bei 0--3jhriger Arbeit 5%, bei 3--jhriger 26%, bei 5-- IOjhriger 58%, bei ber IOjhriger 77% positiver Flle. Mittelgradige oder leicht bis mittelgradige Flle wurden nur nach mehr als jhriger Arbeit beobachtet. Schwere Asbestosen fanden sich nicht.
In der Gruppe mit weniger als 3jhriger A rbeitszeit sind auffallend viele Flle (5) als verdchtig bezeichnet. Ich habe bereits auf die Schwierig keiten hingewiesen, die durch Summation des Mammaschattens m it der Lungenzeichnung entstehen knnen. Saupe wirft aber die Frage auf, ob -- abgesehen von dieser Fehlerquelle -- eine vermehrte Lungen zeichnung nach kurzer Arbeit in der Asbestfabrik immer ein Zeichen einer beginnenden Asbestose ist, ob sie nicht vielmehr auf Hypermie
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
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und Schleimhautschwellung infolge eines anfnglichen Reizkatarrhs beruhe und spter wieder zurckgehen knne. Ich habe den gleichen Eindruck und mchte bei der Feststellung sehr frhzeitiger geringer asbestotischer Vernderungen zur Vorsicht mahnen.
Klinischer Befund.
Es ist bekannt, da die in einer Asbestosefabrik neu eintretenden Arbeiter und Arbeiterinnen zunchst meist ber Staubbelstigung klagen, die ein rauhes Gefhl im Halse, in der Luftrhre und heftigen Husten reiz herbeifhrt. Im Laufe einiger Monate pflegen diese Beschwerden zurckzugehen. Von 22 meist ber 2 Jahre ttigen Gefolgschaftsmit gliedern, die rntgenologisch frei von Vernderungen waren, klagten nur 5 ber Husten und Auswurf, bei einem von diesen war eine -- an scheinend chronische -- trockene Bronchitis nachweisbar, die anderen wiesen auskultatorisch keine Vernderungen auf. Zu bercksichtigen ist allerdings, da ein wenig Husten und Auswurf des Morgens bei der hiesigen Industriebevlkerung, die ja immer erheblicher Staubeinatmung ausgesetzt ist, als normal angesehen und daher dem Arzte gegenber kaum erwhnt wird. Von 10 Fllen, die rntgenologisch als beginnende Asbestose bezeichnet sind, klagten 3 ber Husten und Auswurf, Rassel gerusche wurden bei ihnen nicht gehrt. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen, die rntgenologisch eine mindestens leichte Asbestose hatten, klagten ber Husten und Auswurf, zum Teil auch ber Kurzatmigkeit, aber nur bei 2 von ihnen war eine Bronchitis der unteren Lungenabschnitte auskultatorisch nachweisbar.
Der Auswurf wird bei Asbestosekranken meistens des Morgens nach lngerem, mitunter sehr qulendem Husten entleert. Er enthlt hufig kleine gelbliche Stippchen, in denen reichlich Asbestnadeln und Asbestose krperchen nachzuweisen sind. Bei der Mehrzahl der von uns unter suchten Gefolgschaftsmitglieder gelang es aber nicht, solchen Morgenauswurf zu erhalten; der am Tage auf Aufforderung entleerte Auswurf entstammte groenteils dem Mund und Rachen und enthielt nur in einem Teil der Flle Asbestnadeln oder Asbestosekrperchen.
Die Trger einer mindestens leichten Asbestose klagten hufig ber Atemnot bei krperlichen Anstrengungen, aber nicht immer entsprechend ihrer Vitalkapazitt.
Im Rachen fand sich bei den Arbeitern der Asbestfabrik nicht selten ein chronischer Katarrh. Bei der Hufigkeit dieses Leidens, besonders hier in der Industriegegend, erscheint ein Zusammenhang mit der Asbest staubeinatmung aber nicht gesichert.
Die Kreislauforgane wiesen bei den meist jugendlichen Menschen keine Strungen auf.
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A. Bhme:
Reihenuntersuchungen im Jahre 1940.
Im Jahre 1940 wurden 71 Gefolgschaftsmitglieder untersucht, und zwar nur solche m it mehr als 3jhriger beruflicher Ttigkeit. 9 von diesen waren bereits 1936 untersucht worden, die anderen 62 wurden im Jahre 1940 zum ersten Male untersucht. In der Tabelle 3 ist wiederum eine Zusammenstellung nach der Dauer der Berufsttigkeit erfolgt.
Arbeitsdaucr Zahl der in Jahren U ntersuchten
T a b e lle 3.
Rntgenologischer Bolund
0 - 1 j 1 1-- 2 2
Summe der gesicherten A sb esto seflle
3-- 5
5-- 10 10--
51
5
3 ! 1
10
1
2 i3
4 = 8% 5 = 50%
10
2 11
2
3
8 = 80%
l
Auch hier sehen wir, wie mit der Arbeitsdauer die Zahl der positiven Flle ansteigt. Wenn nur die als gesichert anzusehenden Erkrankungen gewertet werden, so finden sich bei 3--Sjhriger Arbeitszeit 8% positive Flle, bei 5--lOjhriger 50%, bei mehr als lOjhriger 80% positive Flle. Die Zahlen stimmen bei lngerer Arbeitsdauer weitgehend mit den Befunden des Jahres 1936 berein. Bei 3--5jhriger Arbeitszeit fand sich 1 Fall von rntgenologisch leichter Asbestose, ein 38jhriger Mann, der 4 Jahre in der Bremsbandschleiferei gearbeitet hatte. Von 3 Mit gliedern mit beginnender Asbestose hatte 1 in der Bremsbandabteilung, I in der Klppelei, 1 in der Spinnerei gearbeitet. Von den 10 Arbeitern mit 5--lOjhriger Arbeitszeit hatten 3 eine leichte Asbestose, 2 davon waren 7 bzw. 8 Jahre in der Rrempelei beschftigt, einer 6 Jahre in der Weberei, 2 Leute mit beginnender Asbestose hatten in der Krempelei bzw. Weberei gearbeitet.
Von den 10 Arbeitern m it mehr als lOjhriger Ttigkeit hatte einer, der 15 Jahre in der Pappenfabrik und auf dem Lager beschftigt war, eine rntgenologisch leichte Asbestose, 2 mit 12jhriger bzw. 14jhriger Ttigkeit in der Krempelei eine Asbestose leichten bis mittleren Grades, 3 Arbeiter eine Asbestose mittleren Grades; von diesen war der eine 12, der andere 16 Jahre in der Krempelei beschftigt, der dritte 18 Jahre als Werkmeister in der Spinnerei und Weberei. Bei 2 weiteren Mnnern, von denen der eine 14 Jahre in der Bremsbandabteilung, der andere 34 Jahre als Weber und Flechtmeister gearbeitet hatte, fanden sich sichere beginnende Vernderungen, 2 Arbeiterinnen, von denen die eine II Jahre in der Spinnerei, die aridere in der Asbestpappenfabrik ge arbeitet hatte, waren von Vernderungen frei geblieben (s. Tabelle 4).
Beim Vergleich der beiden Erhebungen in den Jahren 1936 und 1940 fllt auf, da unter den Gefolgschaftsmitgliedern mit krzerer (3 bis 5jhriger) Arbeitszeit die Zahl der an Asbestose Erkrankten 1940 prozen-
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
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tual wesentlich geringer (8%) ist als 1936 (26%), und da sich Vernde rungen, die schon ber das 1. Stadium hinausgehen, nur bei mehr als lOjhriger Ttigkeit finden. Man darf vermuten, da dies Folge der in der Zwischenzeit durchgefhrten wesentlichen Verbesserung der tech nischen Staubbekmpfungsmanahmen ist. Da nach mehr als lOjhriger Ttigkeit die bergroe Mehrzahl eine Asbestose aufweist, entspricht den allgemeinen Erfahrungen. Es ist auerdem zu bercksichtigen, da alle Arbeiter mit lngerer Ttigkeit bereits den ungnstigeren Bedingringen ausgesetzt waren, die vor 1936 bestanden.
Tabelle 4. A sb e sta r b e ite r m it m ehr a ls lO jhriger T tig k e it.
Nr. Namo Alter
A rbeitszeit
Grad der AsbostoBc
1 H. H. 29 2 W. L. 40 3 A. K. 34 4 A. K. 29
3 A. P. 42 6 F. R. 35 7 H. Sch. 53 8 R. Sch. 38 9 I. Soh. 34 10 E. V. 45
12 Jahre Krempelei (Spinnerei und Weberei) 12 ,, Krempelei 11 ,, Spinnerei 13 ,, Asbestpappenfabrik 14 ,, Meister in der Krempelei 14 ,, Krempelei 34 ,, Weber bzw. Fleehtmeister
14 ,, Bremsbandabteilung 15 ,, Pappenfabrik und Lager 18 ,, Werkmeister in der Spinnerei und Weberei
1--2 2 0 0
1--2
2 0--1
0--1 1 2
Eine Zusammenfassung der Untersuchungen aus den Jahren 1936 und 1940 ergibt folgendes Bild (s. Tabelle 5).
A rbeitszeit in Jahren
Zahl der U ntersu ch ten
0-- 3
21
3-- 5
68
5--10
36
10--
19
T a b e lle 5.
Rntgenologischer Befund
? 0-1
1 | 1-2 2
5
1 |
7
6
2 !
4
11
8 ,1
4 4 '3
4
Summen unter Ausschlu der V erdchtigungen
1 = 5% 8 = 12% 20 = 56% 15 = 79%
Aus den klinischen Erhebungen sei erwhnt, da von 41 rntgeno logisch asbestfreien Gefolgschaftsmitgliedern 3 ber Husten und Aus wurf, 1 ber Luftmangel bei raschem Gehen, 8 ber Rckenschmerzen klagten. Meist handelte es sich dabei um Leute, die weniger als 5 Jahre in der Fabrik gearbeitet hatten. -- Ich glaube daher nicht, da diese Beschwerden als Zeichen einer beginnenden Asbestose gewertet werden drfen, sondern da sie eher mit dem Reizkatarrh der Anfangszeit Zusammenhngen. Von den Untersuchten mit beginnender oder leichter Asbestose klagten einige ber Husten und Auswurf, auskultatorisch wurden nur bei einem vereinzelt Randgerusche beiderseits seitlich gefunden. Von den beiden Leuten mit leichter bis mittelgradiger Asbestose
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A. Bhme:
hatte einer etwas Husten und Auswurf, geringe Kurzluftigkeit bei An
strengungen und beiderseits hinten unten einige pfeifende und knisternde
Gerusche. Alle 3 Patienten mit mittelgradiger Asbestose klagten ber
Husten, Auswurf und Luftmangel und hatten verschrftes Atemgerusch
ber den unteren Lungenteilen und feines feuchtes Rasseln dort.
Vergleicht man klinischen und rntgenologischen Befund, so mchte
ich die Zuverlssigkeit des Rntgenbefundes hervorheben. Es ist zwar
etwas schwierig, den ersten Beginn der Asbestose rntgenologisch zu
erfassen, besonders bei Frauen. Ich mchte aber nicht eine beginnende
Asbestose auf Grund des klinischen Befundes annehmen, wenn nicht
zuverlssige rntgenologische Vernderungen vorliegen. Husten, Aus
wurf und auch subjektive Atemnot sind -- besonders bei der Industrie
bevlkerung -- so vieldeutige Erscheinungen, da sie auch ganz andere
Ursachen haben knnen, zum Teil wohl auf eine anfngliche aber rck
bildungsfhige Schleimhautreizung zurckzufhren sind. Bei etwas vor
geschrittener -- etwa mittelgradiger -- Asbestose ist das klinische
Krankheitsbild recht charakteristisch: qulender Husten, zher, nur
mhsam zu entleerender
T a b elle 6.
Morgenauswurf, Atemnot
M nner
F ra u en
bei Anstrengungen, Ver
Grad der A sbestose
A tem breitc in cm
V italkapazitflt in I,iter
Atem breite in cm
V italk a p a z it t in L iter
nderungen des Atem gerusches und feiner feuchter Katarrh ber den
0
6,4
3,9
5,3
2,8
unteren Lungenteilen, m it
0--1
6,1
3,4
5,5
2,6
unter auch verminderte
1
5,8
1--2
4,8
3,4 3,1
4,7
2,8
Verschieblichkeit der Lun
2
6,0
2,7
gengrenzen, im Morgenaus
wurf meist Asbestnadlen
und Asbestosekrperchen. Aber bei den leichten Formen der Asbestose
fehlten oft genug alle subjektiven Klagen, wie sichere auskultatorische
Vernderungen. Ich mchte daher die rntgenologischen Vernderungen
fr die Feststellung der Diagnose hher bewerten, als es vielfach geschieht.
Die Untersuchung des Herzens ergab bei mittelgradiger Asbestose
wiederholt einen Rechtstyp des Elektrokardiogramms, sonst aber keine
Ta-
T tig k e it
Zahl rler U nter suchten
0--3 Jah re
0 ? 0--1 1 1
A rb eite3-- 5 J a h re
0 1 0-1 1
Vorbereitung, Krempele: . . 40
Weberei und Klppelei . . .
26
S p in n e re i................................. 52
Bremsbnder.............................
6
Plattenfabrik, Ringstanzerei,
Gummierabteilung, Nherei
8
Summe 132
23 6
15 2 2 l
18
Q
6I 1
21
2
_4
i l
l
1
3
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
441
Vernderungen. Auskultationsbefund, Blutdruck waren normal, ebenso das Blutbild.
Erwhnt sei, da in frheren Jahren zwei tdliche Erkrankungen an Asbestose bei zwei langjhrigen Gefolgschaftsmitgliedern der Fabrik beobachtet wurden, die von der Grndung der Fabrik an dort ttig gewesen waren. Beide seien unter den Erscheinungen der Herzinsuffizienz gestorben. Das Sektionsergebnis des einen von diesen ist von di Bictsi verffentlicht worden.
Tabelle 6 gibt ein Bild ber das durchschnittliche Verhalten der Atembreite und der Vitalkapazitt bei allen klinisch Untersuchten der Jahre 1936 und 1940 in Beziehung zum Grade der Asbestose. Mnner und Frauen sind dabei getrennt aufgefhrt.
Die Vitalkapazitt zeigt also bei den Mnnern eine regelmige Abnahme mit der Zunahme der Asbestose: auch die Atembreite nimmt bei ihnen entsprechend ab, nur bei den Arbeitern mit mittelgradiger Asbestose ist sie unverhltnismig hoch. Dies wird dadurch bedingt, da die drei hier Untersuchten smtlich sehr krftige, sporLlich geschulte Mnnei waren. Trotzdem war ihre Vitalkapazitt niedrig. Bei den Frauen, bei denen smtlich die Vernderungen nicht ber den ersten Grad der Asbestose hinausgingen, lieen sich keine Gesetzmigkeiten zeigen. Die sich hier ergebende Abhngigkeit der Vitalkapazitt vom Grade der Asbestose zeigt sich noch deutlicher, wenn man Gelegenheit hat, den gleichen Kranken Jahre hindurch zu verfolgen.
Hingewiesen sei auf die Hufigkeit der Asbestwarzen. Bei ein gehenden Fragen gibt die berwiegende Zahl der Arbeiter und Arbei terinnen an, wenigstens zeitweise Asbestwarzen an den Hnden oder Unterarmen, besonders an der Volar- und Daumenseite der Zeigefinger gehabt zu haben. Oft sieht man bei derselben Arbeiterin gleichzeitig mehrere Warzen. Meine Beobachtungen stimmen also mit denen von Wedler berein. Die Warzen werden meistens nach einiger Zeit durch Kratzen mit den Ngeln oder Abschneiden entfernt, ohne da es dabei zu Blutungen kommt.
Tabelle 7 zeigt, wie sich die Asbestoseerkrankungen auf die einzelnen Ttigkeiten in der Asbestfabrik verteilen.
b e l l e 7.
fl--10 J a h re
10-- J a h re
der gesicherten Asbestosoiflllo
1 0--1 1 1--2 0
? 0 - 1 l 1--2 2
135 i
1 2 2 17 = 43%
2--
1 1--
1-- 2
1 -- --: 9 = 35%
8 1 5 1 -- -- -- -- -- -- __ 9 = 17%
1
1
3 = 50%
11
o II o
38 = 29%
442
A. Bhme:
Die Zusammenstellung besttigt die alte schon von Gerbis gemachte Feststellung, da die Arbeiten in der Vorbereitung und Krempelei besonders hufig zur Entwicklung einer Asbestose fhren und auch die schwersten Vernderungen hervorrufen. Auch in der Weberei und Klppelei wird die Asbestose hufig erworben, fhrt aber im allgemeinen nur zu leichten Vernderungen. Die Gefhrdung in der Spinnerei ist erheblich geringer. Bei 8 Arbeitern der Plattenfabrik, Ringstanzerei, Gummierabteilung, Nherei wurden keine sicheren Asbestoseflle be obachtet. Von 6 Arbeitern der Bremsbandabteilung wiesen 3, also die Hlfte, sichere Asbestosevernderungen auf. Auf die erhebliche Staub entwicklung, die hier beim Schleifen und Bohren statthat, wurde bereits hingewiesen.
Asbestose und Tuberkulose.
Unter den 132 untersuchten Arbeitern und Arbeiterinnen der Asbest fabrik fanden sich 5 Flle von Lungentuberkulose. Kalkherde des
Primrstadiums oder kleine Pleurakuppenschwielen wurden dabei nicht bercksichtigt Bei der Bedeutung, die der Frage eines Zusammen hanges zwischen Asbestose und Tuberkulose zukommt, seien diese Flle kurz angefhrt:
1. H. G., 1940 untersucht, 29 Jahre alt, Ehemann der Pat. Nr. 2, seit 3 Jahren in der Krempelei ttig. Vor 10 Jahren schwere Lungen- und Rippenfellentzndung. Seitdem gesund und leistungsfhig. Keine Beschwerden. R.-Aufnahme 9. 4. 40: Beide-Oberfelder, in geringerem Mae auch die Mittelfelder, von unregelmigen, zu m Teil verkalkten kleinen Flecken durchsetzt. Lungenzeichnung im ganzen etwas vermehrt, besonders in den Ober- und Mittelfeldern. ber beiden Spitzen Schallverkrzung mit verschrftem Atemgerusch und knackenden Nebengeruschen Links hinten unten einzelne feuchte Rasselgerusche. Vitalkapazitt 2,7 Liter. Atembreite 80 : 85 cm. Kein Auswurf. Es handelt sich um eine ltere feinknotige stationre Tuberkulose. Mglicherweise daneben geringe Asbestose.
2. L. Sch.-G., Ehefrau des vorigen, Bruder offene Tuberkulose. 1. Unter suchung 16.4.36. 24 Jahre alt, 8 Jahre in der Spinnerei. R.-Aufnahme: Beginnende Asbestose. Beiderseits vermehrte und vergrberte Lungenzeichnung in Mittel- und Unterfeldem mit geringer feiner Fleekung. 1937 geringer Husten, kein Auswurf. Lunge klinisch o. B., Vitalkapazitt 2,8 Liter, Atembreite 5 cm. 5. 2. 38 Lungentuberkulose festgestellt. Scheidet am 14. 5. 38 aus Asbestfabrik aus. 26. 8. bis 25. 11. 38 Kur Lippspringe: offene Lungentuberkulose, rechts Sta dium 2--3, links 1--2. Pneuanlage rechts. Danach Auswurf negativ, spter wieder positiv trotz erneuter Kur 1940/41. R.-Aufnahme 8. 5. 41 (O.Kr.K. Dort mund): Rechts Pneu, im Ober- und Mittelfeld. Grbere Verdichtungen im rechten Mittelfeld. Keine Kavernen. Links zwischen Vorderteil der 1.--3. Rippe grbere und feinere Flecken mit kleinen Aufhellungen. Die leichte asbestotische Fleekung des linken Mittel- und Unterfeldes ist unverndert. Herbst 1941 erneute Kur in Lippspringe.
3. H. . 1936. 25 Jahre alt, 6 Jahre Spulerei. Beschwerdefrei. Klinisch o. B. R.-Aufnahme: beginnende Asbestose. Alte Spitzenherde rechts. Also inaktive Tuberkulose bei beginnender Asbestose. Bald danach aus der Asbestfabrik aus geschieden.
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
44i>
4. E. Sch. 1936 rntgenologisch untersucht. Keine klinischen Daten. 1 Jahr Spinnerei. R.-Aufnahme: Unregelmige Fleckung beider Oberfelder, stellen weise verkalkt. Keine Asbestose. 20. 4. 37 aus Fabrik ausgeschieden. 29. 2. 40 ver storben.
5. F. K. 16. 4. 36. 34 Jahre alt, 19- Jahre in der Klppelei, die ersten 8 Jahre an der Maschine, spter Vorarbeiterin. In der Familie keine Tuberkulose. Vor 5 Jahren hartnckiger Husten, deswegen 8 Wochen Kur in Lippspringe, danach Besserung. Aber immer etwas Husten und Morgenauswurf, Kurzluftigkeit. Lunge
A bb. 1. F . K . 7 .4 .3 7 .
klinisch o. B. Sehr ngstlich. R.-Aufnahme: Beide Lungenfelder zeigen ver mehrte feinmaschige Zeichnung und eine ganz feine -- silikoseartige -- Fleckung, am deutlichsten in den Untergeschossen neben den) Herzen. Links infraelaviculr ein wenig grberer Schattenstreifen. Leichte Asbestose. Der geringfgige Streifen links infraelaviculr knnte tuberkulser Natur sein. 7 .4 .3 7 R.-Aufnahme (s. Abb. 1) im wesentlichen wie am 16.4.36.
27. 4. 38: Seit 2 Jahren mehr Husten und etwas zher Morgenauswurf. Kurzluftig, 3,5 kg Abnahme. Im Mrz 1938 leichtes Fieber, jetzt normale Temperatur. Seit Mrz 1938 krank geschrieben. Brustumfang 80 : 84 cm. Leichte Gyanose, Atemnot bei Anstrengungen. Keine Dmpfung, Atemgcrusch vesicular ohne Nebengerusche. Sprlich schleimiger Auswurf mit kleinen Eiterklmpchen, in denen reichlich Asbestnadeln und Asbestosekrperchen enthalten sind. Keine Tuberkelbacillen. Senkung 2 Stunden. Leukocytose von 10500 mit 71% Segment kernigen. Subfebril. R.-Aufnahme: Die feine Fleckung beider Lungenfelder hat etwas zugenommen. Links infraelaviculr zerfallendes pflanmengroes Infiltrat
444
A. Bhme:
mit kleinen Streuherden in der Nachbarschaft. Zufhrender Bronchus verdickt und erweitert (s. Abb. 2).
Whrend einer anschlieenden Kur in einer Lungenheilsttte wurde ein links seitiger Pneu, angelegt. Infolge der durch die Asbestose bedingten Starre der Lunge gelang es aber nicht, einen befriedigenden Kollaps zu erzielen. Die Tuber kulose breitete sich weiter aus und fhrte am 23. 8. 39 den Tod herbei (vgl. dazu den Aufsatz von Viegener).
A bb. 2. F .K . 27. 4. 38.
Hier handelt es sich also um eine leichte Asbestose, die nach fast 20jhriger Ttigkeit in der Klppelei festgestellt wurde und in der Folgezeit etwas zunahm. Dazu trat ein tuberkulses Infiltrat, das vielleicht von einem lteren Herde aus ging und sich rasch ausdehnte. Der Verlauf wurde anscheinend durch die von der Asbestose herrhrenden Starre der Lunge ungnstig beeinflut.
Wie die anderen deutschen Autoren haben also auch wir bisher eine Hufung der Tuberkulose bei Asbestarbeitern nicht feststellen knnen. Ein endgltiges Urteil ber diese Fragen wird sieh aber zur Zeit kaum fllen lassen. Auffallend bleiben die englischen Angaben ber vermehrtes Vorkommen der Tuberkulose bei gleichzeitiger Asbestose. Erst beim Verfolgen einer greren Zahl schwerer Asbestoseerkrankungen und Vor liegen zahlreicher Autopsien wird man zu einer zuverlssigen Entscheidung kommen. Die Beobachtung im Falle 5 spricht dafr, da der Verlauf
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
445
einer Tuberkulose durch eine gleichzeitige Asbestose ungnstig beeinflut werden kann.
Ein Fall von Lungencarcinom bei Asbestose ist hier bisher nicht beobachtet worden.
Nachuntersuchungen.
Nur in 15 Fllen gelang es uns, nach Ablauf von 4--5 Jahren eine Nachuntersuchung durchzufhren. Die meisten Arbeiterinnen geben -- hier, wie in vielen anderen Asbestfabriken -- bereits nach wenigen Jahren die Ttigkeit in der Fabrik auf und heiraten. Nur wenige Arbeiter und Arbeiterinnen, die bereits 1936 untersucht waren, waren 1940/41 noch im gleichen Betriebe. Einige andere, die bereits ausgeschieden waren, stellten sich zur Nachuntersuchung bei der O.Kr.K. Dortmund, der ich fr die berlassung der Filme zu Dank verpflichtet bin. Die folgende Tabelle unterrichtet ber das Ergebnis dieser Nachunter suchungen :
Nr. Name
T a b elle 8.
Dauer und Art der Beschftigung-
B efund ]930 liefuml nun
i H. H. 2 A. L. 3 W. L. 4 I. 0. 5 A. P. 6 F. R. 7 H. Sch.
8 J. Sch. 9 E. V.
10 E. B. 11 L. H. N. 12 j H. T.
13 L. K. 14 ! W. Sch.
15 L. Sch. G.
12 J. Krempelei, Weberei, Spinnerei 8 J. Krempelei 1 J. Krempelei, 2 J. Spinnerei 5 J. Krempelei 14 J. Meister in der Krempelei 14 J. Krempelei 5 J. Weber, 29 J. Meister in der
Flechterei 15 J. Pappenfabrik und Lager 18 J. Meister
9 J. Weberei 9 J. Spinnerei 972 J. Weberei
14. 11. 30 ausgeschieden 14. 9. 38 ausgeschieden, Krempel
meister 14. 5. 38 nach 10 J. Spinnerei aus
geschieden
0 -1 0-- 1
1 0 1--2 1 0--1
1 2
0--1 0--1
1
1 1--2
0-- 1
1--2 1 2
0--1 1--2
2 0--1
1 2 (etwas zugen.) i 0--1 1 (etwas zugen.) 1 1--2
0--1 (Tuberkulose)
Die unter 1--12 der Liste aufgefhrten Personen hatten ihre Ttig keit in der Asbestfabrik weiter fortgesetzt. Bei der berwiegenden Mehr zahl von ihnen ist im Verlaufe der 4 Jahre eine deutliche Zunahme der Asbestose eingetreten, nur bei 4, also einem Drittel, hat die Asbestose sich nicht verndert.
Die Zunahme innerhalb dieser 4 Jahre berschreitet nie eine volle Stufe, geht also nur langsam vor sich. Sie betrifft vorwiegend Personen, die in der Krempelei beschftigt sind. Dabei fllt in die Augen, da
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A. Bhme:
die als Meister beschftigten Angestellten, die der Staubeinatmung weniger stark ausgesetzt sind als die die Maschinen bedienenden Personen, weit weniger Verschlimmerungen aufweisen. Einige Verschlimmerungen sind auch bei Webern zu verzeichnen.
Nr. 13 ist sofort nach der ersten Untersuchung, Nr. 14 und 15 sind etwa 2 Jahre spter ausgeschieden. Bei allen drei ist keine Zunahme der Asbestose eingetreten. Diese Beobachtung weist -- soweit die
Abb. 3. W . L. 17.4.36.
kleine Zahl ein Urteil zult -- darauf hin, da nach Aufgabe der Arbeit die Asbestose nicht so oft weiter fortschreitet, wie das bei der Silikose der Fall ist. Beobachtungen von Wedler und Saupe sprechen im gleichen Sinne.
Auf einige der bei Fortsetzung der Arbeit weiter fortgeschrittenen Asbestoseerkrankungen sei etwas nher eingegangen:
H. H. 20.4.36. Die R.-Aufnahme zeigt bei dem 25jhrigen Manne nach Sjhriger Ttigkeit in der Weberei, Spinnerei und Krempelei eine beginnende Asbestose: Lungenzeichnung vermehrt und vergrert, teils fein-, teils grob maschig. In den Unterfeldem sind einige feine Flecke eingelagert, besonders im rechten Herzzwerchfellwinkel. Eine klinische Untersuchung erfolgte damals nicht.
Bei der Nachuntersuchung am 23. 4 .4 0 war H. beschwerdefrei und von guter Leistungsfhigkeit. Der klinische Befund bot keine Abweichungen. Brustumfang 84 : 88 cm. Vitalkapazitt 2,4 Liter. R.-Aufnahme: Die feine Fleckung der
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
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Unterfelder ist wesentlich deutlicher geworden, besonders in den herznahen Teilen beiderseits. Auch im unteren Teil der Mittelfelder einige kleine Flecke. Beginnendes Emphysem der Oberfelder. Stadium 1--2. Entfernung aus der Krempelei emp fohlen. 1941 aus Betrieb ausgeschieden.
W. L. 17.4.36. 36 Jahre alt. Damals 9 Jahre in der Krempelei, vorher 2 Jahre in der Spinnerei. Vater asthmatisch. Er selbst hat von Jugend an etwas Husten und Auswurf gehabt, sonst beschwerdefrei. Lungen und Herz o. B. Vital kapazitt 3,8 Liter. Brustumfang 89 : 95 cm. R.-Aufnahme: Leichte Asbestose.
Abb. 4. W .Ii. 1 3 .4 .4 0 .
Vermehrte und vergrberte Lungenzeichnung in den Mittel- und besonders in den Unterfeldem. Dort feine fleckige Einlagerungen, einzelne kleine Flecke auch in deh Mittelfeldern. Streifige Schatten ber den etwas unscharf begrenzten Zwerchfellkuppen. Feine Interlobrspangen im rechten Unterfeld. Verbreiterter Hilus beiderseite (s. Abb 3). 13. 4. 40: Hat weiter in der Krempelei gearbeitet. Husten und Auswurf, sonst keine Beschwerden. Beiderseits hinten unten feines feuchtes Rasseln. Vitalkapazitt 2,9 Liter, Brustumfang 92 : 98 cm. R.-Auf nahme: Mittelgradige Asbestose. Die Flecke in den Unterfeldern sind zahlreicher und etwas grber geworden. Die streifig-fleckigen Verdichtungen ber dem Zwerch fell haben zugenommen. Grbere Schattenstreifen parallel dem rechten Herz rand. Emphysem der Oberfelder (s. Abb. 4). Ausscheiden aus der Krempelei empfohlen.
5 .6 .4 1 : Jetzt als Spinnereimeister ttig. Bei Anstrengungen kurzatmig. Morgens viel Husten und etwas weilich-glasiger Auswurf. Atemgerusch ver schrft, Exspirium verlngert. Beiderseits hinten unten vereinzelt Knistern. Vitalkapazitt 3,0 Liter. Brustumfang 90 : 96 cm Ekg: Rechtstyp. R.-Auf nahme: wie 1940.
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A. Bhme:
B. B. 10. 4. 36. 31 Jahre alt. 11 Jahre in der Krempelei. Bei schwerer Arbeit Luftmangel, Husten und Auswurf, ebenso bei Wetterumschlag. Perkussorisch und auskultatorisch o. B. Vitalkapazitt 3,4 Liter. R.-Aufnahme: Leichte Asbestose. Lungenzeichnung vermehrt und vergrbert, feinmaschig. Feine Fleekung in den Unterfeldern, besonders rechts neben dem Herzen. Herzrand beiderseits unscharf. Verstrkte Interlobrspange im rechten Unterfeld. Hilusschatten beiderseits verbreitert (s. Abb. 5).
A bb. 5. F . B . 16. i. 36.
16. 5. 40. Weiter in Krempelei ttig. Luftmangel, starker Reizhusten, etwas Morgenauswurf. Atemgerusch verschrft, reichlich Knisterrasseln beiderseits hinten und seitlich unten. Vitalkapazitt 2,5 Liter. R.-Aufnahme inittelgradige Asbestose: Die-FIeckung beider Unterfelder hat wesentlich zugenommen. Horizontale streifige Schatten ber der rechten Zwerchfellkuppe. Rechte Herzgrenze kaum zu erkennen. Hilus verbreitert. Interlobrspange rechts unten. Beginnendes Emphysem der Oberfelder (s. Abb. 6). Entfernung aus der Krempelei angeraten.
5. 6.41: Beschwerden unverndert. Verschieblichkeit der unteren Lungen grenzen herabgesetzt. Atemgerusch unten verschrft mit reichlichem Knistern. Vitalkapazitt 2,5 Liter. Brustumfang 83 : 90 cm. Ekg: Rechtstyp. R.-Auf nahme wie 1940. Scheidet jetzt aus der Krempelei aus.
E. V. 17. 4. 36. 40 Jahre alt, 15 Jahre als Webermeister ttig. Seit 2 Jahren Husten und Auswurf, hauptschlich bei Wetterumschlag. Zher Auswurf, besonders des Morgens. Kurzluftigkeit beim Steigen. R.-Aufnahme: Lungenzeichnung beiderseits vermehrt und vergrbert, feinmaschig, besonders in den Mittel- und Unterfeldern. Feine fleckige Einlagerungen in den Unterfeldern, am dichtesten in den herznahen Teilen. Auch in den Mittelfeldern leichte Fleekung. Feine Inter
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
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lobrspangen rechts an der Grenze von Mittel- und Unterfeld. Verbreiterter Hilus beiderseits. Mittelgradige Asbestose.
7 .4 .3 7 : Husten und Auswurf haben zugenommen. Atemgerusch berall verschrft, Exspirium verlngert. Diffuses Brummen und Pfeifen. Vitalkapazitt 3,0 Liter, Brustumfang 87 : 95 cm. Im zh-schleimigen Auswurf einige eitrige Teilchen, in denen sehr reichlich Asbestfasern nachzuweisen sind. R.-Bild wie am 17. 4. 36 (s. Abb. 7).
Abb. 6. F. R. 16. 5. 40.
10.4.40: Vitalkapazitt 2,7 Liter. Morgenhusten recht qulend, Kurzatmigkeit bei Anstrengungen. Sprliches Knisterrasseln beiderseits hinten unten. R.-Aufnahme: Die Fleckung der Unter- und Mittelfelder ist etwas grber geworden.
31. 7. 41: Ist seit ber 1 Jahr ausschlielich im Bro beschftigt, also in staub freier Arbeit. Husten und Auswurf wesentlich geringer. Etwas kurzatmig bei Anstrengungen. Keine Cyanose. Atemgerusch vesiculr. Beiderseits hinten unten und seitlich unten in handfreiem Bezirk dichtes Knisterrasseln, sonst keine Nebengerusche. Vitalkapazitt 2,0 Liter. Brustumfang 87 : 94 cm. Sprlich glasig-schleimiger Auswurf, in dem Asbestfasern und Asbestosekrperchen nicht gefunden werden. Nach 10 Kniebeugen geringe Zunahme der Atmung und des Pulses. Ekg; Linkstyp. R.-Aufnahme: Die Fleckung der Mittel- und Unterfelder ist erheblich grber und dichter geworden. Beginnendes Emphysem der Ober felder. Hilusschatten beiderseits stark verbreitert. Asbestose 2--3 (s. Abb. 8). November 1941 angeblich an Magenkrebs verstorben. Keine Sektion1.
1 Anmerkung bei der Korrektur: Die Sektion ist mehrere Monate spter aus gefhrt worden. Dr. di Biasi wird darber nach Abschlu der Untersuchungen
berichten.
A rchiv f. G cw erbepath. u. Gewerbchygr. 13d. 1 1 .
32
450
A. Bhme
A bb. 8. E . V. 3 1 .7 .4 1
Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
451
Die Beispiele zeigen, wie mit Portschreiten der Asbestose die Vital kapazitt regelmig abnimmt, Kurzluftigkeit, Reizhusten und Auswurf und Vernderungen des Atemgerusches ber den unteren Lungenteilen zusammen mit feinem Knistern sich einstellen oder verstrken. Das Ekg lt im 2. Stadium hufiger einen Rechtstyp als Zeichen der Mehr belastung des Herzens erkennen.
Zusammenfassung.
In einer Asbestfabrik wurden in den Jahren 1936/37 und 1940 klini sche und rntgenologische Reihenuntersuchungen vorwiegend der mehr als 3 Jahre lang beschftigten Gefolgschaftsmitglieder durchgefhrt.
Von den untersuchten 132 Personen wiesen 29% rntgenologisch eine Asbestose auf, meist geringen oder leichten Grades. Bei 4 Personen fanden sich leichte bis mittelgradige, bei 4 anderen mittelgradige Ver nderungen. Eine ber das leichte Stadium hinausgehende Asbestose wurde nur nach mehr als jhriger Ttigkeit beobachtet. Hufigkeit und Schwere der Asbestose nimmt mit der Dauer der Beschftigung zu. Die Prozentzahl der Asbestosevernderungen betrug bei weniger als 3jhriger Arbeit 5%, bei 3--jhriger Ttigkeit 12%, bei 5--lOjhriger Ttigkeit 56%, bei ber lOjhriger Ttigkeit 79%.
Die im Jahre 1940 durchgefhrte Reihenuntersuchung ergab bei den Gefolgschaftsmitgliedern m it krzerer (bis Sjhriger) Arbeitszeit wesent lich weniger Asbestoseerkrankungen als die des Jahres 1936/37. Der Rckgang der Erkrankungen wird auf die inzwischen durchgefhrte Verbesserung der Staubbekmpfung zurckgefhrt.
Kranke mit etwas vorgeschrittener -- rntgenologisch etwa mittelgradiger Asbestose -- haben ein charakteristisches Krankheitsbild: qulender Husten, zher, nur mhsam zu entleerender Morgenauswurf mit Asbestnadeln und Astbestosekrperchen, Atemnot bei Anstrengungen, Vernderungen des Atemgerusches und feiner feuchter Katarrh ber den nteren Lungenteilen. Bei den leichten Formen der Asbestose fehlten oft subjektive Klagen und sichere auskultatorische Erschei nungen. Der bei vielen Asbestarbeitern zu beobachtende anfngliche Reizhusten ist nicht auf die fr die Asbestose charakteristischen binde gewebigen Verdichtungen des Lungengewebes, sondern auf die mecha nische Reizwirkung zu beziehen, die der eingeatmete Staub auf die Schleimhute ausbt. Astbestwarzen werden sehr hufig beobachtet. Die Vitalkapazitt der Lungen nimmt entsprechend der Schwere der Asbestose ab.
Die Arbeiter in der Vorbereitung, der Krempelei, der Bremsband abteilung sind der Asbestose besonders stark ausgesetzt, aber auch in der Weberei und Spinnerei sind Asbestoseerkrankungen hufig.
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4 5 2 A. Bhme: Untersuchungen an den Arbeitern einer Asbestfabrik.
Eine Hufung tuberkulser Erkrankungen wurde nicht beobachtet. Eine vorhandene cavemse Tuberkulose wurde in ihrem Verlauf durch die Asbestose anscheinend insofern ungnstig beeinflut, als der Kollaps der erkrankten Lunge durch knstlichen Pneumothorax infolge der asbestotischen Lungenstarre erschwert wurde. Erkrankungen an Lungen krebs wurden nicht beobachtet.
15 Gefolgschaftsmitglieder mit Asbestose, die 1936 zuerst untersucht waren, konnten 1940 nachuntersucht werden. Sofern sie weiter gearbeitet hatten, zeigte sich meist eine deutliche -- wenn auch langsame -- Zunahme der Asbestose. Bei den Arbeitern, die bald nach der ersten Untersuchung ausgeschieden waren, hatte die Asbestose meist nicht zugenommen.
Schrifttum.
di Biasi: Arch. Gewerbepath. 8, Heft 2.-- Gerbis u. Ucko: Dtsch. ined. VVsobr. 1832 I, 285. -- Lehmann: Arb.physiol. 9, Heft 5 (1937). --- Die Filterung der Atemluft und deren Bedeutung fr Staubkrankheiten. Berlin: Springer 1938. -- Saupe: Rntgenatlas der Asbestose. Leipzig: Georg Thieme 1938. -- Arch. Gewerbe path. 9, Heft 3. -- Viegener: Z. Tbk. 82, Heft 5. -- Wedler: Arb. u. Gesdk.
1939, Heft 34.
Prof. Dr. A . Bhme, Augusta-Krankenanstalt, Bochum.