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FILE NAME: German Articles - Some with English Translation (GER) DATE: 1943 DOC#: GER102 DOCUMENT DESCRIPTION: Book Excerpt by Ernst W. Baader - No Translation Gewerbekrankheil Klinische Grundlagen der 31 meldepflichtigen Berufskrankh von Prof. Dr. m ed., Dr. m ed. h. c. Ernst W. 1 Leiter des Universittsinstitutes fr Berufskrankheiten in Berlin Direktor der inneren Abteilung des stdt. Krankenhauses Berlin-Neul Zweite, verm ehrte und verbesserte Auflage Mit 33 Bildern im Text und 8 farbigen Tafeln 164 Gewerb ekrankh eiten ausfhrlichem Literaturnachweis). -- Verffentlichungen des Sdafrikanischen Instituts for Medical Research in Johannesburg (Watkins-Pitchford, Mavrogordato u. a.). -- Rapports: IV. Runion de la Commission internationale permanente pour l'tude des maladies professionelles. Lyon. Impr. Rey 1929. -- Koelsch und Kaestle: Arbeitsmedizinische Untersuchungen ber die Wirkung verschiedener Mineralstaubarten. 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Sachv.-Ztg. 1939, 10. -- Buckup: Arbeitsmedizinische Gesichtspunkte bei der Beurteilung von Staub arbeitern. Arbeitsmed. 11, Leipzig 1939. -- Hadjioloff: Zur Frage der Ent stehung der schweren Staublungenerkrankung (Sihkose). Med. Klin. 1940, 32. -- Jtten: Die Verminderung der Silikose durch Verwendung knstlicher Schleifkrper. Arbeitsmed. 16. Leipzig 1940. -- Schairer: ber eine besondere Art der Lymphknotenverkalkung (,,Eierschalen") bei der Silikose. Arch. Gewerbepath. 10(1940), 1 . -- Gregor: ber den Einsatz des Rntgenschirmbild verfahrens mittels des Rntgenwagens in Stabbetrieben. rztl. Sachv.-Ztg. 1941, 3. -- Ders.: Der Rntgenwagen im Dienst der Silikosebekmpfung. rztl. Sachv.-Ztg. 1941, 11/12. -- Gaubatz: Die Porphyrsilikose. Arbeitsmed. 1941, 17. -- Rhsing : Zur Differentialdiagnose der Silikose. rztl. Sachv.-Ztg. 1941, 3. -- Holstein: Silikseund Lungenkrebs. rztl. Sachv.-Ztg. 1941,11/12, -- Atti del Convegno nella Silicosi. Turin 1941. -- Bruce: Silikosen som vrkessjukdom i Sverige. Stockholm 1942. -- Hellmers und TJdluft: Die mine ralogischen Grundlagen der Silikosefrage. Arbeitsmed. 1943, 21. -- HolzapfelZur Frage der Bildung organischer Kieselsureverbindungen in Staublungen. Arbeitsmed. 1943, 21. 2. B e r g f l a c h s l u n g e ( A s b e s t o s e ) . Der B e r g f l a c h s , auch Asbest genannt, ist ein faseriges Mineral von seidenartigem Glanz. Er ist ein Magnesiumsalz der Kieselsure von wechselnder Zusammensetzung, der aber niemals Bergflachslunge 165 freie Kieselsure (Quarz) enthlt. Seine beiden Hauptarten sind der kalkfreie, bzw. sehr kalkarme Serpentinasbest, der geschmeidig und langfaserig ist, und der kalkreiche und einen hheren Kiesel suregehalt aufweisende Hornblendeasbest, der starr, brchig und schlecht verspinnbar ist. Die reichsten Asbestfundorte liegen in Kanada, im Ural und Sdafrika; das Grobdeutsche Reich besitzt in der Ostmark einige geringwertige Abbaustellen, wo die Asbest nester aus Nebengestein wie berall im Tagbau oder Stollen ge frdert werden. Die hervorragenden Eigenschaften groer F e u e rbestndigkeit, Widerstandsfhigkeit gegen Suren, Wrmeisoliervermgen, schlechte L e i t f h i g k e i t f r E l e k t r i z i t t sichern dem Asbest eine wachsende Bedeutung als Industriewerkstoff. Seine faserige Struktur macht ihn fr die Verarbeitung zu Garnen, Gespinsten und Geweben geeignet. G e s u n d h e i t s g e f a h r e n bestehen bei der Asbest gewinnung in Steinbrchen und Bergstollen, bei der Aufbereitung in Kollergngen zwecks Zerkleinerung und Auflockerung, ebenso bei den Mischvorgngen. Das gleichfalls Staub erzeugende Ver spinnen der Langfasern geschieht auf Krempel-, Spinn-, bzw. Zwirn maschinen und Websthlen zur Anfertigung von Schutz anzgen fr Hitzearbeiter, fr Flammenwerfer und Feuerwehr, von Schutz schirmen beim Luftschutz und Theatervorhngen, von wrme isolierenden Tchern, Kappen, Schnren usw. Die Hauptstaub gefahr besteht dabei in der Krempelei, im Kardierraum und in der Weberei. Hinzu kommt noch die Weiterverarbeitung des fertigen Asbestgewebes zu Matratzen, die zur Wrmeisolierung von Kesseln, Turbinen usw. dienen. Die zum Verspinnen wenig geeigneten kurz faserigen Nadeln des Hornblendeasbests sind das Ausgangsmaterial fr allerhand Mischprodukte, z. B. Asbestpapier, Asbestpappe, Asbestmrtel oder Zusatz zu Kunstharzen, deren Festigkeit und Bruchsicherheit erhht wird. Auch Kupplungs- und Bremsbelge der Kraftwagen werden aus Asbestgemengen hergestellt. Allein das Bohren von Lchern in fertige Bremsbelge und Schleifen von Bremsbndern hat zu Bergflachslungen gefhrt (Brachmann), Vielfach wird Asbest mit Zement gemischt und dient dann als Bauplatten fr Dcher und Auenwnde, aber auch als Abdich tungsmaterial fr Dampfzylinder und Hochdruckmaschinen sowie als nahtlose Rohre ber Stahlzylindern oder zur Herstellung von Trgen, Bottichen und Ksten zur Aufbewahrung von Suren in chemischen Werken. Das Zurechtsgen der Asbestzementbau- 166 Gewerbekrankheiten platten, das Schleifen, Feilen und Zurichten der surefesten Gefe und fertigen Asbestzementformstcke ist gleichfalls mit Staub entwicklung verbunden. Freilich ist der Asbestgehalt dieses Misch staubes weit geringer als in der Asbestweberei oder gar in der Asbest matratzenstopferei, da der fertige Asbestzement nur 10% Asbest enthlt. Asbestabflle werden zum Ausfllen der Hohlrume feuer sicherer Geldschrnke, zur Herstellung von Feuerschutzfarben, als Polier-, Putz- und Reinigungsmittel fr Metalle und Metall gewebe, aber auch zur Bier- und Weinfiltration verwendet. Endlich sind die groen Erdlrohrleitungen Vorderasiens, die sogenannten Pipelinen, in Asbest gebettet. So hat der Asbest, dessen industrielle Verwertung erst in der zweiten Hlfte des vorigen Jahrhundertes begann, eine schnell zunehmende Bedeutung erlangt. Schon 1928 hatte sich der Welt verbrauch gegenber der Vorkriegszeit des ersten Weltkrieges verfnffacht, und er ist in dem seither verstrichenen Jahrzehnt weiter stark angewachsen. Derzeit drften in Deutschland 10.000 Gefolgschaftsmitglieder in der asbestverarbeitenden In dustrie ttig sein. Da die ungeschtzte Arbeit in der Asbestindustrie eine Gesundheitsgefahr darstellt, wrde, ebenso wie bei der Quarz lunge, verhltnismig spt erkannt. Wohl hatte 1899 der Englnder Murray die Lungenfibrose eines 33jhrigen Arbeiters, der 10 Jahre in einer Asbestfabrik ttig war, als Berufskrankheit angesprochen und bei der Leichenffnung Asbestnadeln in den Lungen nach gewiesen, aber diese wertvolle Erstbeobachtung wurde kaum be achtet, ebenso eine 1914 von Fahr mitgeteilte Obduktion. Erst 1931 wurde in Deutschland erstmalig unter dem Titel ,,B e r gf l a c h s l u n g e " von Bttner-Woist und Trillitzsch ber Asbest staublungen aus dem schsischen Industriebezirk berichtet. In den folgenden Jahren ist nun fleiig ber diese neue Berufs krankheit geforscht und publiziert worden (in Deutschland Beintker, Beger, Bohne, di Biasi, Rostoski, Saufe, Wedler, in England Oliver, Oloyne, Merewether, Stewart). Die Einatmung von Asbeststaub fhrt zum Erwerb einer Asbeststaublunge (Asbestose). Die Vorgnge hierbei hneln denen bei der Silikose, da nur feinste Staubteilchen bis in die Lungen alveolen dringen, doch wurden neben den allerfeinsten Stubchen auch Asbestfasern bis 150 p Lnge in den Lungen gefunden. Je nach der Dichte der Staubeinatmung und der persnlichen Dis position kommt es zur Bildung der Asbestose, so da bestimmte Bergflachslunge 167 Daten Mer nicht mglich sind. In einem sehr staubigen Asbest werk stellte Wedler schon im ersten Arbeitsjahr bei mehreren im besten Alter stehenden jungen Spinnern und Webern leichte Be hinderung der Atmung bei Anstrengungen fest, bei einem 25jhrigen KrenipelscMeifer waren schon nach nur 3monatiger Berufsarbeit die ersten Anzeichen von Asbestschdigung bemerkbar, da er beim Waldhornblasen die Luft nicht mehr so lange durchhalten konnte, wie vor der Arbeitsaufnahme. Andrerseits sind Zeitspannen von mehreren Jahrzehnten beschwerdefreier Arbeit namentlich aus Betrieben bekannt, die Asbest nur als geringen Zusatz verarbeiten. Der Beginn der B e s c h w e r d e n bei einer Asbestose ist gekennzeichnet durch Reizhusten, Auswurf, unbestimmtes Be engungsgefhl auf der Brust und leichte Kurzatmigkeit, die meist zuerst beim Radfahren, Treppensteigen, Sport auftritt. Allmhlich wird die Atemnot dann ebenso wie bei der QuarzStaublunge das fhrende Krankheitssymptom', es kommt in den Endstadien des Leidens zu keuchender Atmung, Blausein der Lippen und Dilatation des rechten Herzens. K l i n i s c h ist dabei die Asbestlunge perkutorisch und auskultatorisch so wenig wie eine Quarzlunge ohne Rntgenbild Mnreichend sicher diagnostizierbar. Als Verdachtsmomente mgen gelten, da Anflle von Reizhusten durch vertiefte Inspirationen oder Spirometerblasen leicht auslsbar sind. Bei fortgeschrittenem Leiden pflegen auch die auxiliren Atemmuskeln am Hals im In spirationsversuch frhzeitig und deutlich anzuspringen. Die Stimme des Kranken klingt nicht selten leicht belegt. Recht hufig hrt man einen an Entfaltungsknistern gemahnenden Randkatarrh in den seitlichen unteren Lungenabschnitten, er kann sich bei Fort schreiten der Asbestose ausdehnen, berschreitet jedoch nie die untere Lungenhlfte. Eine deutliche Einschrnkung der Brust korbelastizitt lt sich bei Bestimmung der Atemdifferenz und eine Abnahme der Lungenelastizitt bei Messung des Lungen fassungsvermgens genau wie bei der Quarzlunge feststellen. Ebenso ist die apnoische Pause verkrzt. Das pathologische Geschehen ist jedoch bei der Asbeststaub lunge von dem bei der Silikose stark verschieden. Die Asbestose ist gekennzeichnet durch eine d i f f u s e F i b r o s e des Lungengewebes nach Art einer interstitiellen chronisch indurierenden Pneumonie. Die ,Vernderungen zeigen eine von oben nach unten zunehmende Ausprgung, wobei die rechte Lunge hufig strker betroffen ist als die linke. Die fr Silikose charakteristische 168 Gewerbekmnkli eiten Kntchen- oder Schwielenbildung kommt bei der reinen Asbestose nie vor. Wo sie scheinbar doch beobachtet wurde, handelte es sich immer um Asbestosilikose, da nicht allzuselten Asbestarbeiter zuvor auch mit kieselsurehaltigem Material gearbeitet hatten oder solches als Fllstoff verwenden muten. Bild 23. Asbestlunge. (Sammlung Baader, Berlin.) Entsprechend dem anatomischen Befund unterscheidet sich auch das R n t g e h b i l d der Asbestlunge (Bild 23) grundlegend von dem der Quarzlunge. Charakteristisch ist ein beraus feines Netz- und Maschenwerk mit Einlagerung meist gleichfalls sehr feiner und sehr zarter Fleckelungen. Man hat sie mit Dampfschwaden ber einem Topf mit kochendem Wasser verglichen, was zugleich die Einbettung der Fleckchen in einen leichten Schleier charak Bei-gflachslunge 169 terisiert, und daher spricht man auch von Nebelschwadenstruktur. Besonders in den Zwerchfellbrustwandwinkeln zeigen sich frh zeitig quer und schrg verlaufende feinste Streifenschatten. ber haupt sind die U n t e r f e l d e r strker abgeschattet als die oberen Lungengeschosse, die nicht selten emphysematos verndert und vermehrt strahlendurchlssig sind, whrend wir bei der Silikose meist eine Aufhellung der basalen Lungenpartien infolge Emphysem finden. Eine verstrkte Ausstrahlung der Hili entlang den Herz- nua 24. ASDestiunge. (Sammlung Baader, Berlin.) rndern ist gewhnlich vorhanden. Im fortgeschrittenen Stadium sind oft herzrandnahe Verschattungen sichtbar, die als bandfrmiger Schattenstreifen wie ein Filzstreifen der Herzkontur aufsitzen und diese unscharf erscheinen lassen (Bild 24). Anschaulich spricht Dhers von einem zottigen oder wolligen Aussehen der Herzrnder, die von den Ausstrahlungen der Lungenwurzeln nach unten und auen berlagert sind. Da durch Schattensummation bei stark entwickelten weiblichen Brsten die Beurteilung dieser Verhlt nisse oft unmglich wird, empfiehlt sich in solch zweifelhaftem Fall eine ergnzende Thoraxfernaufnahme in Bauchlage. 170 Gewerbekrankheiten Erwhnt mu werden, da die schwierigste D i f f e r e n t i a l d i a g n o s e bei der Asbestose die Stauungslunge darstellt, die ja bekanntlich auch zur Verstrkung der Lungenzeichnung, Ver schattung der abhngigen Lungenabschnitte und Hilusverbreiterung fuhrt. Die wabenartige, engmaschige Lungenstruktur der Asbestose ist jedoch wesentlich zarter und feiner als bei der Stauungslunge. Im brigen ist es eine Erfahrung, die Saupe ebenso wie andere, die sich mit dem Rntgenbild der Asbeststaublunge beschftigt haben, machen konnten, da die Schwierigkeit der Beurteilung mit zunehmender Erfahrung abnimmt. Lupenbetrachtung ist zu empfehlen. Letzthin mssen wir uns immer vor Augen halten, da das Rntgenbild mehr ein Mastab fr die Strke der Reaktion des Lungengewebes als fr die Schwere der Staubkrankheit dar stellt. So darf auch nicht verschwiegen werden, da mitunter trotz ausgesprochener und glaubwrdiger subjektiver Beschwerden das Rntgenbild frei von auch nur annhernd entsprechenden Vernderungen gefunden werden kann, obgleich ein anderes Leiden fr Atemnot, Luftbeklemmung und Husten sicher auszuschalten ist. Das Rntgenbild der Asbestose ist berhaupt gemeinhin viel un aufflliger als das der Silikose; so sagt Saupe mit Recht, da das Rntgenbild der Asbestose im M i v e r h l t n i s z u r S c h w e r e d e r A ' t e m s t r u n g e n steht, Als weitere klinische und rntgenologische Differentialdiagnose kommen, chronische Bronchitiden mit Bronchiektasen in Betracht. Der Asbeststaub reizt die Augenbindehute, die Rachen- und Kehl kopfschleimhaut und fhrt zu Hustenreiz. Bei vorgeschrittenen Erkrankungsfllen fehlt eine Bronchitis selten, der zhe, schleimige Auswurf kann auch Blutspuren enthalten; nach amerikanischen Beobachtungen soll blutiges Sputum hufig sein. Infolge der inter stitiellen Lungenfibrose und hufiger Verwachsungen der Pleura rumewerden die Bronchien erweitert und eskommt zur Entwicklung von Bronchiektasen, oft auch mit kleinen multiplen Abszessen. Bei schweren Fibrosen findet sich oft Zwerchfellfixation. In den End stadien der Bergflachslunge sind auch fieberhafte septische Bronchitis und bronchopneumonische Herde keine Seltenheit. Ganz ausnahms weise knnen grobe Pleuraauflagerungen oder grere pneumonische Indurationsherde bei einer Asbestlunge tumorartige Verschattungen machen, die aber, wie bereits oben ausgefhrt wurde, mit dem Wesen der reinen Asbestlungenvernderungen nichts zu tun haben. Der Tod aber erfolgt gewhnlich an einem Versagen des Herzens, dessen rechte Kammer hypertrophisch und erweitert gefunden wird. Bergflachslunge 171 Dementsprechend sahen die Amerikaner bei den 1935/36 in 4 Asbest textilfabriken in North Carolina durchgefhrten Untersuchungen unter 481 Gefolgschaftsmitgliedern (391 mnnliche, 90 weibliche) in 19,2% Trommelschlegelfinger. Dem Rntgeubild der Bergflachslunge sehr hnlich sind die Bilder, wie sie bei Spiegelglasschleifern (Koelsch und Lederer) und Glaswollearbeitern (Roltzmann) gefunden werden, so da Gerlis diese 3 Staublungen unter der Bezeichnung ,,Silikatose" der Silikose gegenberstellt. Bild 25. Isolierte, frei in der Lunge vorkommende Asbestnadeln. Vergrerung 260mal, gewhnliches Licht. Dnne Krperchenhutchen kommen an ver einzelten Nadeln vor. Die scharf zutage tretende gerade Nadel im oberen Teil des Bildes ist Rutil. Schwarze Fragmente = Kohle; kleine isometrische Par tikel = fein verteilter krniger Staub und Krnchen von Krperchenhllen- Substanz. (Sammlung Sundius und Bygdn.) Ein Befund, der den Ashestarbeiter vor allen anderen kenn zeichnet, ist das Auftreten feinster Aslbestfasern im A u s w u r f , die 1929 erstmalig von Oloyne im Sputum und im Lungenschnitt, spter auch in der Trnenflssigkeit und im Stuhl nachgewiesen wurden. Es sind farblose, durchsichtige, doppelbrechende Ge bilde, die wegen ihrer spitzen, adelfrmigen Gestalt als A sb e s t n a d e l n bezeichnet werden (Bild 25). Sie dringen aller orts mechanisch in das atmende Lungengewebe ein und knnen mit Ausnahme kleinerer Bruchstcke nicht wie der krnige Ge- 172 Gewerb ekranfch eiten. steinsstaub von Quarz durch Frezeilen in die Lymphbahnen ab transportiert werden. Die Lymphdrsen pflegen, daher bei der Bergflachslunge weitgehend frei von Vernderungen zu bleiben; nur Sundius fand Anhufung von feinstem Staub, aber auch er konnte keine Asbestnadeln oder Asbestosekrperchen in den Drsen naehweisen. Die Asbestnadeln sammeln sich zumal in den am strksten beatmeten unteren Lungenteilen an, spieen sich in das Gewebe ein und wandern. Bei Dunkelfeldbeleuchtung sieht man sie im ungefrbten Lungenschnitt bei Aufhellung der Schnitte mit Brombenzol massenhaft aufleuchten. So fand Beintker auf 1 cm2 einer Asbestlunge rund 1,300.000 Asbestnadeln. Diese Asbest nadeln knnen im menschlichen Krper zu eigenartigen Gebilden umgewandelt werden, indem sich um die Asbestnadel als Zentral faden eine Hlle aus organischem Material, mit Geleigenschaft bildet, die im Gegensatz zu der farblosen Asbestnadel gelb, rtlich braun oder tiefbraun durch krpereigenes, dreiwertiges Eisen ge frbt ist, Diese farbigen Gebilde haben die verschiedenartigsten Formen, wie Keulen,. Hanteln, Trommelschlegel, Spiee, oder weisen um den Zentralfaden der Asbestnadel Segmentierungen und Abschnrungen der Hlle auf, so da sie an Seehlien oder eine Wirbelsule erinnern (Tafel 8). Diese Gebilde, welche Fahr schon 1914 erstmalig fand, werden als Asbestosekrperchen bezeichnet. Ob der Ort ihrer Entstehung nur die Lungen oder schon die oberen Luftwege sind, ist noch nicht restlos geklrt, ebenso ist ber die Art des Bildungsmechanismus der Asbestkrperchen noch nicht das letzte Wort gesprochen. Geistvolle Theorien der Geologen Beger und Sundius stehen sich hier noch gegenber. Der Nachweis der sbestosekrperchen ist einfach. Der gesammelte Aus wurf wird mit der gleichen Menge Antiformin versetzt und bis zur Auflsung stehengelassen. Der Bodensatz wird mehrfach gewaschen und dann auf einem Objekttrger ausgestrichen. Mit Ferrozyankalium und verdnnter Salzsure geben sie die Berlinerblaureaktion. Asbestnadeln geben keine Eisenreaktion. Der Nachweis von Asbestosekrperchen erlaubt an sich weder Rckschlsse auf das Bestehen einer schweren Asbestose noch auf eine Behinderung der Arbeitsfhigkeit, kann aber als Anzeichen dafr genommen werden, da bei der betreffenden Person eine Disposition besteht, dem Leiden der Asbestose zu verfallen. Asbestosekrperchen sind schon 2 bis 3 Monate nach Einatmung von Asbeststaub gesehen worden, andrerseits fand ich sie im Aus wurf auch noch 3 Jahre nach Abkehr von jeder Berufsarbeit. Baader, Gewerbekrankheiten. 2. Aufl. Lungenschnitt mit Asbestsekrperchen. (Sammlung Baader, Berlin.) Verlag von U rban & Schwarzenberg in Berlin und Wien, -- -- ---------------------------------- B ergflacM unge 173 Interessant ist, da die Bildung von Asbestosekrperchen bisher nur im menschlichen Krper beobachtet wurde. Die Amerikanerin Schuster fand in den Lungen eines 10 Jahre lang in einer Asbestfabrik lebenden Hundes zwar schwere Fibrose und Asbestnadeln in reichlicher Zahl, aber keine Asbestosekrperchen. Asbestfasern vermgen auch in die Krperhaut zu dringen und verursachen hier eine mechanische Beizwirkung. Das geschieht bei der Asbestausbeutung und -bearbeitung, wobei sich die Arbeiter oft Asbestfasern in die Haut der Hohlhnde oder Beugeseiten der Finger stoen. Namentlich beim Arbeiten mit bloen Hnden in Asbestflocken, wie es z. B. beim Stopfen von Asbestmatratzen zum Lockern und Ausbreiten der Fasern notwendig ist, dringen die kleinen Asbestsplitter besonders in die Haut der Fingerspitzen. Es entsteht dann eine Epithelproliferation, die als Asbestwarze bezeichnet wird. Ich habe solche Asbestwarzen, in deren Zentrum stets eine Asbestfaser steckt, auch schon an der Krperhaut des Grtels und der Oberschenkel gefunden. Sie werden zunchst nicht als schmerzhaft empfunden, verursachen aber beim Sitz an den Hnden beim Zugreifen Stiche etwa wie Hhneraugen und lassen ein herzhaftes Anpacken nicht zu. Die Arbeiter versuchen daher gern selbst die Warzen zu entfernen, was jedoch fr die Dauer nie gelingt, wenn nicht die zentrale Asbestfaser restlos aus geschnitten wird, da dieselbe sonst neue Zellproliferation erzeugt (.Dewirtz). Weit bedeutsamer als diese harmlosen Warzen in Gestalt von Proliferationen und Verhornungen der Epithelschicht der Haut ist aber die mechanische Beizwirkung, welche die Asbest nadeln im Lungengewebe ausben knnen. Verschiedentlich fand man bei Sektionen von Bergflachslungen die epitheliale Auskleidung der Bronchien in Abstoung begriffen. Nicht selten hat sich unter dieses desquamierte Zylinderepithel eine Schicht indifferenten Epithels geschoben, das dort, wo das Zylinderepithel verlorengegngen ist, sich zu Plattenepithel umgewandelt hat. Bei den kleineren Bronchien ist diese Metaplasie in Plattenepithel oft ganz ausgesprochen, so da diese Bronchien auf weite Strecken hin mit Plattenepithel ausgekleidet sind. Der langjhrige Beiz der Asbestnadeln auf die Lungen fhrt also zum Umbau des Lungen gewebes und solcher Umbau bietet pathogenetisch eine wohlbekannte Grundlage fr das Auftreten neoplastischer Wucherungen. Daher ist es nicht berraschend gewesen, da in den Jahren 1935 bis 1938 von 6 verschiedenen Autoren 14 Flle von Lungen 174 Gewerbekrankheiten krebs bei Asbestlunge verffentlicht worden sind (Gloyne, Nord mann u. a.). Durchschnittlich betrug die Zeitspanne vom Beginn der Asbestarbeit bis zum Tode 18 Jahre und entspricht damit der bei anderen Berufskrebsen. Die Mehrzahl der Krebstrger war jung (2 davon 35, einer 41 Jahre). Der Sitz des Krebses war fast immer der Unterlappen, in 5 Sechstel der Lungenkrebse handelte es sich um verhornende Plattenepithelkrebse, in deren Epithel zapfen und Stroma sich ganze Pakete von Asbestnadeln oder Asbestkrperchen befanden. Angesichts der berhaupt noch recht geringen Zahl von Sektionen bei Bergflachslunge erscheint der Hundertsatz an Krebs sehr hoch. Nach Nordmann betrgt er in Deutschland etwa 17%, nach Gloyne in England etwa 12%. Die letztere Zahl wird bei Bercksichtigung des greren englischen Beobachtungsgutes der Wirklichkeit nher kommen. Jedenfalls steht die Tatsache, da der Lungenkrebs als B e r u f s k r e b s der Asbestarbeiter auf Grund all dieser Beob achtungen anzusehen ist, leider auer Zweifel. Nordmann hlt das multiple, metaplastische Plattenepithelkarzinom des Bronchial baumes bei der Asbestose fr charakteristisch. Der Asbeststaub wirkt also anders als der Silikose erzeugende Staub, da eine Kom bination von Silikose und Krebs nicht als berufsbedingt anzusehen ist. Beim Zusammentreffen von Lungenkrebs und Lungenasbestose bestand zwar vielfach eine erhebliche Asbestose, aber die durch diese hervorgerufenen klinischen Ausfallserscheinungen erfllten keineswegs immer die Voraussetzungen einer schweren Staub lungenerkrankung. In mehreren mit Krebs kombinierten Fllen war die Asbestose nur als leicht bis mittelgradig zu bezeichnen. Me l d e - u n d e n t s c h d i g u n g s p f l i c h t i g nach der IV. Berufskrankheitenverordnung ist zunchst die s c h w e r e Asbeststaublungenerkrankung. Der Gesetzgeber hat jedoch den Begriff schwer nicht nher erlutert. Bauer sagt im Kommentar zur III. Verordnung, da fr die Beurteilung der schweren Asbestose die Gre des Ausfalles im Herz- und Lungenkreislauf neben dem Rntgenbild von ausschlaggebender Bedeutung ist. Einfache Analogieschlsse mit der Silikosebegutachtung sind hier unan gebracht. Erinnert sei an die eingangs nher ausgefhrte hufige Geringfgigkeit der Rntgenbefunde, die viel weniger ausgeprgt als bei der Silikose sind und scheinbar keine gengende Erklrung fr die vorgebrachten Beschwerden abgeben. Die Bergflachsfibrose der Lungen fhrt fast regelmig zu frhzeitigerer funktioneller Bergflachslunge 175 Beeintrchtigung als die Quarzlunge. Die Zahl der Atemzge, die Art der Atmung nach kleinen Anstrengungen, die Zeitdauer des Atemanhaltens, die Atmungsbreite, das Lungenfassungsvermgen wird zu prfen sein. Die Beschrnkung der Erwerbsfhigkeit wird im wesentlichen durch den Zustand der Herzkraft bestimmt. Weiterhin ist der L u n g e n k r e b s der Asbestarbeiter, wenn er in einer Asbeststaublunge auftritt, nach der IY. Verordnung ent schdigungspflichtig. Endlich noch einige Worte ber die Kombination T u b e r k u l o s e u n d A s b e s t o s e . In England ist dieselbe wirklich nicht selten; Merewether gibt 1934 unter 27 Asbestosetodesfllen 15 mit Tuberkulose, Bridge 1936 unter 59 Asbestosetodesfllen sogar 34 Asbestosetuberkulosen an. Nach einer gleichfalls dem Jahre 1936 entstammenden Mitteilung von Wood und Gloyne fanden diese bei 100 Asbestosekranken in 30% eine Beteiligung von Tuber kulose, und zwar 9 ruhende und 21 aktive Tuberkulosen. Vilenskij beschreibt fr Ruland ebenfalls ein hufiges Befallensein von Tuberkulose unter seinen 150 Bergflachslungen. In Deutschland ist bisher nur ganz vereinzelt Zusammentreffen von Asbestose und Tuberkulose bekannt geworden. Im Gegensatz zu England beschrnkt sich daher die Entschdigungspflicht nach der Deutschen Berufskrahkheitsverordnung auf die schwere Asbestose o h n e Kombination mit Tuberkulose. Die Begrndung des Gesetzgebers hierfr lautet: Von einer Bestim mung ber das Zusammentreffen von einer schweren Asbeststaublunge mit Tuberkulose ist abgesehen worden, da nach den in Deutschland bisher ge machten Erfahrungen die Vergesellschaftung der Asbestose mit einer Tuber kulose nicht beobachtet wurde. Diese Begrndung besteht nicht ganz zu Recht. Denn es liegen eben doch eine Reihe von Verffentlichungen vor (Rostoski 1931, Saupe 1932, Gerbis 1932, Marts 1935, Viegener 1939), aber auer den beiden letztgenannten vertreten bisher alle deutschen Autoren die Auffassung, da ein urschlicher Zusammenhang zwischen Tuberkulose und Asbeststaubeinatmung nicht gegeben ist. Die Frage ist daher noch offen und bedarf weiterer sorgfltiger Prfung; eine eigene Beobachtung zeigte bei laufender Kontrolle das Eintreten einer sich schnell ausbreitenden Tuber kulose, wobei auch durch pathologisch-anatomische Untersuchungen sich der hinreichende Verdacht enger Beziehungen beider Prozesse zueinander ergab. Die T h e r a p i e ist nichts, die Prophylaxe alles (Saupe). Bei frhzeitiger Erkrankung und sofortiger Entfer nung aus dem Betrieb ist ein Stillstand mglich, bei fort geschrittenem Krankheitsstadium bleibt Verweisung vom Arbeits platz nutzlos. 176 Gewerbekrankheiten Die P r o g n o s e ist nach Ansicht der berwiegenden Mehr zahl der Asbestosekenner ungnstig. Fortschreiten der Krankheit wurde auch nach Aussetzen der Arbeit und Berufsaufgabe beob achtet (lwens, Saupe, Stewart). Spontanpneumothorax durch Platzen von Emphysemblasen haben Wood und Gloyne beschrieben. Zeitweilige Besserung der Begleitbronchitis ist allerdings mglich. Ein Mensch mit Bergflachslunge hat naturgem geringere Aus sicht, eine Lappen- oder Lppchenlungenentzndung zu berstehen. Zur V e r h t u n g der Asbestose ist vllige Abkapselung der Kollergnge, Beiwlfe und Zerkleinerungsanlagen notwendig; gut funktionierende Staubabsaugevorrichtungen an den Maschinen sind zu fordern, Staubaufwirbelung ist durch Verkleiden der Riemenantriebe zu vermeiden, glatte Wandflchen und regel mige Reinigung der Arbeitsrume durch Industriestaubsauger sind wesentlich. Halbjhrliche rztliche Untersuchung aller Ar beiter in den staubreichen, jhrliche in den brigen Betriebsteilen, sind erforderlich. Besonders staubende Arbeitsvorgnge, wie das Krempelwalzenreinigen und Matratzenstopfen, sind in abgetrennten Rumen mit Atemschtzern vorzunehmen. Schrifttum. Oliver: Pulmonary asbestosis. Arch. Gewerbepath. 1 (1930): 1. -- Diners: Amiante et Asbestose pulmonaire. La Mdicine du Travail 1930, 5 u. 6. -- Dewirtz: Asbestwarzen. Arch. Dermat. 161 (1930), 1. -- Bttner-Wbst und Trillitzsch Die Bergflachslunge (Asbestosis). Die Tuber kulose 1931,1. -- Merewether: A memorandum on Asbestosis. London 1934. --M artz: Asbestosis und Tuberkulose der Lungen. Z. Tbk. 72 (1935), 1. -- Sundius und Bygden: Der Staubinhalt einer Asbestosislunge und die Be schaffenheit der sogenannten Asbestosiskrperchen. Arch. Gewerbepath. 8 (1937), 1. -- Di Biasi: Zur pathologischen Anatomie der Lungenasbestose, Arch. Gewerbepath. 8 (1937), 2. -- Windel: Asbestose und ihre Verhtung. Jb. Ver. Dtsch. Revisions-Ingenieure 1936 und Reiehsarbeitsbl. III (1937), 9. -- Prockat: Zur Verhtung der Asbestose in der Industrie. Staub 1937, 5, -- Saupe: Rntgenatlas der Asbestose der Lungen. Leipzig 1938. -- A Study of Asbestosis in the asbestos textile industry. United States Governement Printing Office. Washington 1938. -- Wedler: Klinik der Lungenasbestose. Sammlung Arbeit und Gesundheit 1939, 34. -- Viegener: Asbestose und Lungentuberkulose. Z. Tbk. 82 (1939), 5. -- Nordmann: Der Berufskrebs der Asbestarbeiter. Z. Krebforsch. 47 (1938), 3. -- Ders.: Lungenasbestose und Lungenkrebs. VIII. Intern. Kngr. Berufskrankh. 1939, 2. -- Vigliani: Studio sulT asbestosi nelle manifatture di amianto 1940. -- Linzbach und Wedler: Beitrag zum Berufskrebs der Asbestarbeiter. Virchows Arch. 307 (1941), 2. Anhangsweise sei vermerkt, da auer Asbest auch andere Silikate (Talkum, Kaolin, Sillimanit) eine der Asbestose hnliche Stalunge erzeugen knnen (vgl. Nuck und Szczepanski: Talk- und Talkumstaublunge, Arbeitsmed. 1939, 9). Diese Gruppe von Staub lungen unterliegt nicht der BerufskrankheitenVerordnung. Schneeberger Lngenkrankheit 177 Schneeberger Lngenkrankheit. Die" Schneeberger Lungenkrankheit ist eine Berufskrankheit, die frher nur bei den Bergleuten der Kobaltgrben im Gebiet des Bergstdtchens Schneeberg im Erzgebirge bekannt war. Nach spteren Untersuchungen ist jedoch die ,,Joachimsthaler Berg krankheit" mit der in Schneeberg beobachteten Erkrankung identisch und wird daher nach Angliederung des Sudetenlandes mit "Wirkung vom 1.10.1938 als ,,Schneeberger" Lungenkrank heit entschdigt. Es handelt sich um einen B r n c h i a 1 k r eb s, dessen tiologie lange umstritten war. In meist schon frhen Jahren (Ende der 30, zumeist 40. bis 50. Lebensjahr) entwickelt sich bei einem betrchtlichen Hundertsatz der Bergleute des erzgebirgischen Erzbergbaues ein Lungentumor, der bisher stets binnen einiger Jahre zum Tode gefhrt hat. Nach den ersten Mitteilungen von Harting und Hesse (1878) litten 78% der verstorbenen Bergleute an dieser Krankheit. Von 1879 bis 1915 starben etwa 140 Berg leute der Schneeberger Kobaltgruben an Lungenkrebs. Lange hat man als auslsenden Reiz dieser Berufskrankheit den f e i ne n, s p i t z e n G e s t e i n s s t a u b angesehen. (Ich darf auf den Abschnitt ber Staublungen, S. 143, verweisen.) Tatschlich kommen gleichzeitig silikotische Vernderungen infolge des hohen Quarzgehaltes des Gesteins vor, doch fanden sich in Joachimsthal auch Krebserkrankungen bei Gefolgschaftsmitgliedern, die niemals im Bergbau selbst dem Gesteinsstaub ausgesetzt waren, sondern lediglich im Laboratorium arbeiteten. Andrerseits zeigen die weiteren Erfahrungen in vielen anderen Gewerbezweigen, da die Silikose nicht zur Krebsbildung Veranlassung gibt (di Biasi, Holstein). Wahrscheinlicher war es anderen, da ein chemischer Bestandteil des Staubes, sein oft h o h e r A r s e n g e h a l t (bis 0,45%) die Noxe sei, zumal ja der tumorbildende Reiz des Arsens bekannt ist (vgl. Arsenkrebs, Seite 65).. Aber auch bei diesem Erklrungsversuch besteht die Schwierigkeit, da der Lungen tumor in Arsenbergwerken nicht hufig zu sein scheint. In Betracht kommt schlielich als Ursache der R a d i u m e m . a n a t i o n s g e h a l t von Grubenluft und -wasser (bis 50 Mache-Einheiten im Liter Luft, bis 70 im Liter Wasser). Das Radiumheilbad Oberschlema wird aus den nahen Schneeberger Gruben gespeist und auch Joachimsthal ist dadurch als Kurort bekannt. Ich habe beide Orte besucht und sehe im Radium die Hauptursache des Lungen krebses. B a a d e r , GewerbekranMieiten. 2 . Aufl. 12 178 Geweih ekrankh eiten Klinisch uert sich die Krankheit je nach dem im Vorder grnde stehenden Krankheitsgeschehen unter dem Bilde einer Silikose (sehr selten mit Tuberkulose) oder eines Bronchialkrebses. Dementsprechend sind auch die rntgenologischen Vernderungen. Oft ist der Krebs selbst nicht erkennbar, aber umfangreiche Drsen metastasen charakterisieren das Rntgenbild. Bild 26. Schneeberger Lungenkrebs. (Sammlung Saupe, Dresden.) Das Rntgenbild (Bild 26) verdanke ich Saufe, der Sonder untersuchungen ber die Schneeberger und Joachimsthaler Berg leute angestellt hat. Es zeigt neben schwerer Quarzlunge einen durch Sektion besttigten Lungentumor am rechten Hilus (Berufs arbeit 20 Jahre). Schrifttum. Pansa: Ein getreuer Rat in der beschwerlichen Berg-und Lungensucht. Leipzig 1614. -- Hrting und Hesse: Vjschr. gerichtl. Med. 1879. -- Arnstein: ber den sogenannten Schneeberger Lungenkrebs. Wien, klin. Wochenschr. 1913. -- Thiele, Rostoski, Saupe und Schmarl: ber den Schneeberger Lungenkrebs. Mnch, med. Wochenschr. 1924. -- Ludewig und Lorenser: Untersuchung der Grubenluft in den Schneeberger Gruben Erkrankungen an Chromatlungenkrebs 179 auf den Gehalt an Radmuiemaiiation. Z. Phys. 1924. -- Lwy: ber die Joachimsthaler Bergkrankheit'. Med. Klin. 1929. -- Saupe: Gewerbehygienische und klinisch-rntgenologische Untersuchungen an den Arbeitern der Arsenik htte der Staatlichen Httenwerke bei Freiburg i. S. Arch. Gewerbepath. 1 (1930), 4. -- Thiele: Die Schneeberger Lungenkrankheit. Schriften aus dem Gesamtgeb. d. Gewerbehyg. 1930,28. -- Weitzel: Berufsschdigungen durch radioaktive Substanzen. Arbeitsmed. 1935, 1. -- Ders.: Bericht ber die in den Monaten Oktober bis November 1936 im Schneeberg-Neustdteler Erz bergbau ausgefhrten Untersuchungen zur Frage der Lungenschdigung der Bergarbeiter. Reichsarbeitsbl. 1937, 8. -- Baader: Berufskrebse. Neuere Ergebnisse auf dem Gebiete der Krebskrankheiten; Leipzig 1937. -- Brandt: Bericht ber die im Schneeberger Gebiet. auf Veranlassung des Reichs ausschusses fr Krebsbekmpfung durchgefhrten Untersuchungen. Z. Krebsforsch. 47 (1938), 2. -- Saupe: Bericht ber eine rntgenologische Reihenuntersuchung an Joachimsthaler Bergleuten. Fortschr, Rntgenstr. 60 (1939), 2 . -- Holstein: Lungenkrebs bei chronischen gewerblichen Lungenschdigungen. Zhl. inn. Med. 1941, 35. Erkrankungen an Chromatlungenkrebs. Die schon frher gelegentlich geuerte, aber nicht zu be sttigende Vermutung, da Lungenkrebs in Chromatbetrieben ent stehen knnte, ist erst in den letzten Jahren zur Gewiheit geworden. Es liegen Beobachtungen aus der Alkalichromat erzeugenden und verarbeitenden Industrie (Herstellung von Chromfarben) vor; bisher sind jedoch aus Chromerzbergwerken Lungenkrebse nicht bekannt geworden. Die meisten Erkrankten waren an verschiedenen Orten Deutschlands in oder in der Nhe von unzulnglichen, seit Jahren stillgelegten Anlagen zur G e w i n n u n g v o n B i c h r o m a t ttig. Bichromat wurde anfangs allein fr die Alizarinfarbenfabriken zur Oxydation von Antkrazen und seinen Derivaten zu Krpern von Chinonstruktur hergestellt, hat heute aber auch sonst groe technische Bedeutung vor allem in der Ledergerberei erlangt. Das Rohprodukt Chromeisenstein wird gemahlen und mit Soda und tzkalk gemischt. Im Oxydationsofen erfolgt nter starker Luftzufhrung Erhitzung auf etwa 1100. Aus der ent standenen Schmelze wird das gebildete Monochromat (NagCr 0 4) ausgelaugt, was frher erst nach Abkhlung auf der Halde mg lich war. So konnte Monoehromat in Staubform beim Hantieren mit der erkalteten alkalischen Monochromatschmelze und bei der Weiterverarbeitung an den offenen Filterpressen auch als mono chromathaltiger Wasserdampf eingeatmet werden. Hach Versetzen mit Schwefelsure entsteht Bichromat. (Na2Cr20 7). Durch Ein dampfen der Lauge bilden sich die erwnschten Bichromatkristalle, welche gebrochen und getrocknet zum Versand kommen. 12*