Document e773qaKMQKvDXKZo11V743Naq
FILE NAME: German Articles - Some with English Translation (GER)
DATE: 1931 DOC#: GER048
DOCUMENT DESCRIPTION: Medical Journal Article - Dr. Buttner-Wobst & Dr. Trillitzsch - No Translation
Nr 1. 1931.
DIE TUBERKULOSE.
SEITE 11.
Die Bergflachslunge (Asbestosis) und was der
deutsche Arzt von ihr wissen mu.
Von Dr. W. B 11 n e r-W o b s t und Dr. 0 . T r i l l i t z s c h ,
Lungenfachrzte in. Dresden.
Der Bergflachs (Asbest, Amiant) hat in den letz ten Jahrzehnten in der Technik zunehmende Ver wendung gefunden. Heute ist er unersetzlich. Er wird alltglich in jeder Fabrik, in jedem Betrieb und in jedem Haushalt gebraucht. -- Man kannte dieses seltsame, faserige, spinnbare Mineral mit seinem seidenartigen Glanze schon in den alten Kulturen. Es wird berichtet, da Chinesen und Aegypter in uralten Zeiten Tcher und Matten aus gewirktem Asbest gebrauchten, und Ilerodot erzhlt von Leichengewndern aus Bergflachs, in die man die Leichen hochgestellter Persnlichkeiten hllte, damit man nach der Verbrennung ihre Asche frei von Beimengungen zur Beisetzung erhalte. Die R mer beuteten ihre Asbestvorkommen in Italien schon in der Zeit um Christi Geburt aus, und Plinius kannte bereits die Schdlichkeit dieser Arbeit, die, von. Sklaven verrichtet, zu einer der von ihm be schriebenen ,,Sklavenkrankheiten" fhrte. Die ewi gen Lmpchen in den Tempeln der Vestalinnen hatten Docht aus Asbest von der Insel Cypern. Plutarch nennt die unverlschbare Flamme ,,Asbesta" und gab damit dem Bergflachs seinen jetzt in Deutschland, Kanada, Afrika und Ruland b lichen Namen, whrend sich die in Italien, Grie chenland, dem Orient und Frankreich bliche Be zeichnung Amiant von dem Lateinischen amiantus herleitet. Im Mittelalter wurden Asbestgewebe als wertvolle Seltenheiten hergestellt. So erzhlt- man von Karl V., da er fremde Gste dadurch in E r staunen gesetzt habe, da er das schmutzige Tafel tuch aus Asbestgewebe in den Kamin warf und dann wieder sauber aus den Flammen hervorzog. Der Weltreisende Marco Polo erzhlt aus Ostsibirien, dem damaligen Tatarenreich, da man ihm dort unverbrennbares Gewebe gezeigt habe. Er forschte nach und berichtet ber das damalige Arbeitsver fahren. 1700 lie ein sonst wohl vergessener Prof. Bruckmann seine Schriften auf unverbrennliches Asbestpapier drucken. Es wurde pich versucht, un verbrennbare Kleider aus Asbestgewebe herzustel len als Absonderlichkeiten oder auch fr Rettungs mannschaften zum Schutz gegen das Feuer; aber eine Bedeutung erlangte das Mineral erst, als die ge waltigen Asbestlager in Kanada im 7. Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts entdeckt wurden und sich so ein neuer Rohstoff fr die Industrie in reichlicher Menge zur Verfgung stellte. Auer in Kanada wer den Asbeste in groen Mengen noch in Ruland im Ural (Gouvernement Perm) und in Afrika (Kapkolonie, Transvaal und Rhodesia) gefunden. Klei nere Vorkommen werden in Arizona, auf Cypern, in Finnland, Australien, Sibirien und China aus
gebeutet und schlielich auch in den Alpen (Ita
lien, Niedersterreich, Steyermark und Salzburg, Schweiz, im Puschlavertal, im Engadin, Wallis, Chamonixtal). Daneben gibt es noch kleine Fund sttten nur rtlicher Bedeutung an allen mglichen Stellen der Welt. Reichsdeutsche Asbestfunde sind nur unbedeutend gewesen und nur whrend des Krieges planmig abgebaut worden, so im Erz gebirge in Zblitz, in Thringen, dem Reuer Ober land, dem Vogtland und dem nrdlichen Bayern
bei Hof. Die Asbeste sind nach ihren chemischen und
physikalischen Eigenschaften zu trennen. Der As best ist zwar stets ein Magnesiasilikat (nur bei dem blauen Kapasbest tritt der Magnesiagehalt in den Hintergrund), unterscheidet sich aber je nach dem Muttergestein mineralogisch in zwei verschiedene Arten: den Serpentinasbest und den Hornblende asbest. Diese beiden groen Mineralgruppen zerfal len wieder in Untergruppen, deren Kenntnis jedoch fr unsere Zwecke nicht ntig ist. Die Schwankun gen der chemischen Zusammensetzung der beiden Asbestarten zeigt folgende Aufstellung:
Kieselsure Eisen Kalk
Tonerde Magnesia
Hornblende asbest:
51,0--62<>/o l,5--36o/o 0 --ISo/o 1,0-- 4/o 0 --30o/0
Serpentin asbest;
39--43,5o/o
Spuren--7 0/0 0--Spuren 0--3,5 0/0 35,l-42,6o/o
Die Gewinnung des Asbestes als Rohstoff ge schieht meist im Tagbau, nur ausnahmsweise in
kurzen Stollen und Gruben. Der Arbeitsgang und die dadurch entstehenden gesundheitlichen Schdi gungen sind fr uns deutsche Aerzte praktisch ohne Bedeutung, da wir, wie erwhnt, *' abbauwrdige Asbestvorkommen nicht besitzen bzw. weil unsere Vorkommen in den Alpen Oesterreichs nur ganz verschwindend wenig Arbeiter beschftigen. Von Wichtigkeit dagegen ist fr uns die Verarbeitung des Asbestes in der auch in Deutschland weitverbreite ten Asbestindustrie. Der dabei entstehende Staub fhrt zu jenen Krankheitsformen, die wir als Berg
flachslungen rechtzeitig erkennen mssen. Wie we nig verbreitet die Kenntnis der Asbestosis ist, das
geht daraus hervor, da in den uns in der Praxis vorgekommenen Fllen in keinem einzigen Falle vorher die richtige Diagnose gestellt war, auch nicht
-- das ist zu betonen -- vermutungsweise, auch nicht in der Lungenheilsttte oder vom Rntgeno logen. Die Frherkennung ist aber von ausschlag gebender Bedeutung, da, wie wir sehen werden, nur diese den Kranken vor dem sonst unentrinnbaren Tode bewahrt.
Die wichtigsten Endprodukte der Asbestindu strie sind: Papier und Pappen, Pinsel und Brsten, Bremsbelge, Dachziegel, Dochte und Filze, Gewebe und Heizplatten, Isolierung gegen Elektrizitt, gegen Hitze und Klte; Kunstholz, Matratzen, Schutz
schilde aller Art, Straenbaumaterial, Tapeten und
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DIE TUBERKULOSE.
Nr. 1. 1931.
Umhllungen fr Dampfkessel, Wannen, Decken,
Wasserdichtungen, Packungen und Dichtungen im
Dampfmaschinenbetrieb und anderes mehr. Die Asbestspinnerei und -Weberei verwendet
den langfaserigen Rohstoff; der kurzfaserige wird fr Papier und Pappen, Bremskltze, Asbestschie fer, Dichtungsplatten usw. gebraucht. Gefhrlich
wird der Asbest fr den Asbestarbeiter oder die Asbestarbeiterin durch die bei trockener Verarbei tung entstehende Staubentwicklung. Staub entsteht
bei der Aufschlieung des Rohstoffes im Kollei'gang,
im Faserffner, beim Krempelvorgang, beim Spin nen und Weben. Bei der Herstellung von Spinnund Weberzeugnissen tritt zum Asbeststaub noch der Staub der beigemengten Baumwolle, auch von Fllmitteln, wie Kieselgur, Talk und Graphit. Bei Herstellung von Papier und Pappen, Schiefern und Platten ist die Aufbereitung des Rohstoffes im Kol lergang und in der Mahlmaschine (Hollnder) staub
erzeugend, die weitere Verarbeitung erfolgt mit Wasserzusatz. Erst zuletzt, in der Schneide- und
Ausstanzmaschine, gibt es mehr Staub. Selbstver stndlich wird die Staubentwicklung berall nach Mglichkeit eingeschrnkt, doch lt sich ein ge wisser Staubgehalt der Luft in diesen Betrieben nicht vermeiden.
Der erste Bericht aus neuerer Zeit ber die Bergflachslungen, d. h. die als besondere, eigen artige Erkrankung feststellbare Schdigung der menschlichen Lungen durch eingeatmeten Asbest staub stammt aus dem Jahre 1899 von Dr. H. Montague Murray, der einen 33jhrigen Asbestarbeiter bis zum Tode 14 Monate lang im Charing-Cross-
Hospital in London beobachtete und dann die Sek tion vornahm. Der Mann hatte ber zehn Jahre lang im Kardierraum einer Asbestfabrik gearbeitet und war der letzte Ueberlebende von zehn zu glei cher Zeit eingetretenen Arbeitsgenossen. Bei der Sektion fanden sich fibrse Vernderungen in den Lungen und auf der Mikrophotographie waren Asbestfasern zu sehen. Dr. M. hat diesen Fall nicht verffentlicht und von 1899 bis 1906 einen gleichen Fall nicht wieder gesehen. -- Erst mit der verfei nerten Rntgentechnik unserer Tage wurden die sicheren Grundlagen geschaffen fr eine klinische Diagnose der Erkrankung. Frher wurden nur schwere Flle berhaupt als eine Lungenerkran kung erkannt und unter die Tuberkulose gerechnet. Die Asbestarbeiter galten als der Schwindsucht ver fallen und wurden deshalb beispielsweise in die
Lebensversicherungen der Vereinigten Staaten nicht aufgenommen. 1924 beschrieb W. E. Cooke einen Fall von Asbestlunge mit Tuberkulose, deren Sek tionsbefund er 1927 verffentlichte. Es war eine 33jhrige Frau, die seit ihrem 13. Lebensjahre in
einer Asbestfabrik gearbeitet hatte. 13 Jahre lang ging es ihr gut, 5 Jahre lang krnkelte sie, dann mute sie wegen Schwche, Husten, Auswurf und
Kurzatmigkeit die Arbeit aufgeben und starb zwei Jahre spter. Es fand sich neben einer ausgedehnten
Lungensklerose eine chronische Tuberkulose. In
den Lungen, wie in dem Staub aus verschiedenen
Fabrikrumen fanden sich die gleichen Asbeslkrperchen. Mac Donald, Oliver und Cooke verffentlich ten nun Arbeiten ber Histologie und das klinische Bild der Asbestlunge. Wertvolle Arbeiten stammen auch von Wood und seinen Mitarbeitern. Eine gute
und ausfhrliche Zusammenfassung des vornehm lich englischen Schrifttums bringt Dr. V. D h e r s in ,,La Medizine du Travail" Amiante et Asbestose
pulinonaire II, Nr. 5 und 6, 1930. In deutscher
Sprache liegen meines Wissens Arbeiten ber die Bergflachslunge noch nicht vor. Deshalb und wegen der zunehmenden Bedeutung der Asbestindustrie in Deutschland, glauben wir uns berechtigt zur Ver ffentlichung einiger Beobachtungen aus unserer
Praxis. Die Diagnose der Asbestlunge ist leicht, sie wird aber nicht gestellt. Das beweist der Umstand, da von den in der LandesVersicherungsanstalt
Sachsen bekannt gewordenen Fllen von Asbest
lungen alle bis auf einen einzigen von uns diagnosti
ziert wurden. Im ganzen sah ich bisher 8 Flle,
sie alle stammen aus zwei Asbestfabriken in der Umgebung von Dresden. Zunchst kurz die Kran kengeschichten :
1. Frieda K., 44 Jahre, seit 1923 in Asbestfabrik, 1925 Grippe, 1926 bei uns untersucht, Husten und Auswurf. Blasse, hagere Patientin (58 kg). Physikalisch o. B., Durch leuchtung breite, nach rechts verzogene Aorta, Lungen o. B. TB. --. Senkung 8--18--70. Diagnose: Staubbronchitis.
Nachuntersuchung Mrz 1930. Hat bisher dauernd im Asbeststaub gearbeitet. Seit lngerer Zeit Katarrh, frh und abends schaumig-weier Auswurf, 6 kg Gewichts zunahme (seit 1926), normale Temperatur, TB. --, Sen kung 4--8--22. Film feine, aber deutliche Marmorierung in den Unterfeldern Und in der rechten Spitze. Feine Inter lobrschwarte rechts in Hilushhe, darber linsengroer Kalkschatten. Aorta breit, etwas nach rechts verzogen. Diagnose: Tuberkulse Narben; Bergflachslunge geringsten Grades.
2. Elsa Schl., 29 Jahre (diesen Fall verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Medizinalrates Dr. Schrter [LVA.]), 1920 bis 1928 Asbestspinnerin, 1928 zweimal Bronchialkatarrh. Januar 1929 ,,Lungenspitzenkalarrh", April 1929 Beobachtungsstation LVA.: Verdacht auf disseminierte Tuberkulose der Lungen, Bronchitis (morgens und abends Husten und Auswurf, in einem Jahr 10 Pfund Abnahme, Kurzatmigkeit beim Laufen). 29. Mai bis 9. Juli 1929 Heilsttte Lindenhof: Bronchitis wohl durch Staubarbeit entstanden, keine aktive Tuberkulose. April 1930 trockene. Rippenfellentzndung, Mai Antrag auf Heil verfahren: ,,Bronchitis, Rntgenbild: Asbestlunge." Juni Begutachtung Dr. Schrter: Asbeststaublunge. Film: In den Oberfeldern geringe, in den Mittel- und Unterfeldern reichliche Marmorierung durch ganz kleinkrnige, feine Verdichtungen.
3. Frieda P., 34 -Jahre, 1913 bis 1919 Weberin in Asbestfabrik. 3 Fehlgeburten,, 1 normale Geburt.
1918 wegen ,,Lungenspitzenkatarrh" und Pleuritis be handelt, 1919 ein viertel Jahr Heilsttte Grbersdorf.
Untersuchung bei uns 30. Oktober 1928. Starke Kurz atmigkeit, Husten und Auswurf, blasse, hagere Patientin, Katarrh hinten unten beiderseits, vereinzeltes Giemen ber beiden Lungen. Rntgenologisch: verstrkte Hiluszeichnung und Lungenzeichnung besonders in den abhngigen Par tien. Auswurf nicht zu erhalten, frher immer negativ. Blutsenkung 10--15--25. 9. August 1930 Nachuntersuchung: 3 kg Abnahme, Atemnot beim Sprechen, Herzklopfen beim
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Beilage zu B tl n c r - W o b s t und T r i l l i t z s c h : ,,Die Bergflachslungc (Asbcslosis)."
Fall 1.
Asbestlunge geringsten Grades. Tbc. Narben.
Fall 3.
Hochgradige Asbestlunge.
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DIE TUBERKULOSE.
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Treppensteigen, wenig Husten, kein Fieber, kein Auswurf, o. B. TB. --. Blutsenkung: 18--28--40. Film der OK.
Puls: 96, keine Oedeme. Physikalisch grobe Rasselgeru Dresden vom 15. Februar 1930: symmetrisch verstrkte
sche hinten .unten in Handbreite, vereinzelte mittel- bis Lungenzeichnung, in den Unterfeldern kleinlleckige Mar
grobblasige Rasselgerusche auch vorn unten beiderseits. morierung, besonders rechts. Einzelne dichte Schatten
Film: breite Hilen, dichte, kleinfleckige Verschattung der fleckchen in der linken Spitze. Urteil des Rntgenologen:
Unterfelder, weniger dichte der Mittelfelder, abnehmend Es handelt sich also hier um alte tuberkulse Herde. Beide
nach oben bis zur Spitze. Diagnose: hochgradige A sb est Unterfelder so w ie das rechte Mittelfeld sind berst von
lunge (zweiten bis dritten Grades).
kleinfleckigen, mig dichten Schattenherden, die den Ein
4.
Ida Emilie R., 29 Jahre, 1920 bis 1925 Zwirneridnruck einer disseminierten Aussaat machen.
in Asbestfabrik. November 1924 bis Mrz 1925 arbeits
Unsere Diagnose: Alte Spitzentuberkulose, Asbestlunge.
unfhig wegen Bronchialkatarrh.
Nachuntersuchung am 13. November 1930: 3 kg Abnahme,
August bis September 1926 arbeitsunfhig wegen Kehl- Kurzatmigkeit, viel Husten, wenig Auswurf. Blutsenkung
kopfkalarrh, November Lungenspitzenkatarrh, nach Be 60--80--94. Dichter, mittel- bis grobblasiger Katarrh, bei
gutachtung durch LVA. als aktive Lungentuberkulose nach derseits oben bis zur 3. Rippe und bis zur Grte. Auswurf
Grbersdorf (Januar bis April 1927). Entlassen als ge nicht zu erhalten. Film (14. November 1930): dichte,
schlossene zirrhotisch stationre Lungentuberkulose R. I kleinfleckige, nach unten zunehmende Verschattung der
L. I, starke Neurasthenie.
Mittel- und Unterfelder. Im rechten Oberfeld markstck
Juli 1930 arbeitsunfhig wegen ,,Rippenfellentzndung". groer, unscharf begrenzter Schattenfleck. Einzelne derbe
Antrag auf Heilverfahren. September bei uns in der Streifehen und Fleckchen in den Spitzen. Diagnose: tuber
Sprechstunde: Brustschmerzen, Husten, Auswurf, blasse, kulse Spitzennarben. Asbestlunge. Infiltrativer Proze im
mittelkrftige Patientin. Film: feinfleckige Marmorierung rechten Oberfeld (spezifisch?).
beider Lungen nach unten zunehmend, breiter, fleckiger Hilus rechts, auch der linke Hilus breiter als in der Norm. Senkung 10--25--60. Nach Besichtigung des Films be stellten wir die Pat. zur Nachuntersuchung auf den 12. Sep tember und erfuhren von ihr nun erst auf ausdrckliches Befragen die auf Grund der Rntgenaufnahme von uns angenommenen frhere Asbestarbeit. Diagnose: Asb'est-
lunge mittleren Grades.
8. Alwine R., 36 Jahre, nicht belastet, 1914 bis 1918 Asbestfabrik, seither Kurzatmigkeit, Husten und Auswurf.
1922 Coswig ohne Erfolg. 31. Mai 1928 in unserer Sprech stunde: Schmchtige, "blasse Patientin mit mhsamer
Atmung. .Katarrh, vornehmlich ber den mittleren und Unterprtien links vorn und hinten, rechts nur vorn. Durchleuchtung: Beide Lungen vermehrte Zeichnung, in den Spitzen breite, derbfleckige Verschattung, Zwerchfell
5... Frieda F., 30 Jahre, 1918 bis 1929 Asbestfabrik, abgeflacht, beiderseits seitlich verwachsen. Auswurf: T B .--.
Herbst 1928 wegen Bronchitis in Seifersdorf. 3. Mai 1929 Blutsenkung: 40--70--120. Film der OK. Dresden. Breite
Untersuchung bei uns. Husten und Auswurf. Krftige Hilen, beiderseits* verstrkte Lungenzeichnung, feine Flek-
Pat. von gesunder Gesichtsfarbe und gutem Ernhrungs kelung in den Mittel- und Unterfeldern, mehr streifige
zustand. Physikalisch o. B. TB. --, Blutsenkung 15--18--26. Verschattung der Spitzen.
Durchleuchtung: vermehrte Marmorierung beider Lungen,
verbreiterte Hilen. Diagnose: Asbestlunge, Berufswechsel angeraten. Frau F gibt nunmehr die schdliche Arbeit auf und
kommt am 29. Juli 1930 zur Kontrolluntersuchung. Sie
fhlt sich wesentlich besser, guter Allgemeinzustand, phy sikalisch: o. B. Blutsenkung: 8--14--23, kein Auswurf. Film: dichte, feinfleckige Marmorierung beider Lungen,
nach unten zunehmend.
6. Margarete B., 29 Jahre, 1919 bis 1927 Asbestfabrik. 1924 leichte Rippenfell- und Lungenentzndung, 1926 Nasenscheidewandverkrmmung, operiert. Juli 1928 in unserer Sprechstunde. Seit 2 Jahren Katarrh und trokkener Husten.
Abgemagerte, blasse, kurzatmige Patientin. Physika lisch hinten unten beiderseits rauhes Atmen. Durchleuch tung: verlngerte und verbreiterte Hilen, in beiden Lungen dichte, kleinfleckige Marmorierung. Senkung: 4--10--60.
Diagnose: Asbestlunge. August 1929 nach ergebnisloser Kur in Kolberg (10. Dezember 1928 bis 5. Januar 1929) stationre Be obachtung in der LVA. Aus den Akten geht hervor, da das Blutbild eine geringe Lymphozytose zeigte. Senkung 6 mm. Lungenfernaufnahme: dichte, kleinfleckige, gleich
Diagnose: Asbestlunge und Tuberkulose.
9. Alfred A., 27 Jahre. Seit 1920 Asbestarbeiter. 19. Dezember 1928 zu uns in die Sprechstunde: seit 7 Monaten Husten, vergebliche Kur in Seifersdorf, Husten und wenig Auswurf, bisher ohne Bazillen, keine Kurz atmigkeit. Schlanker, drftiger Mann mit gerteten Wangen. Physikalisch: rechts vorn oben bis 2. Rippe, rechts hinten oben bis Hilus dichter, mittelblasiger Katarrh. Tempera
tur: 38,2, im Auswurf TB. (--{--
Durchleuchtung: Vom rechten Hilus'nach auen und oben dichte, grobfleckig konfluierende Verschattung mit 5-Markstckgroer Aufhellung.
Diagnose: Zerfallenes Frhinfiltrat, Asbestlunge? Ins Krankenhaus zur Gasbrustanlage.
Nachuntersuchung am 7. November 1930. Nach elfmonatiger Pneumothoraxbehandlung ist dieselbe November 1929 aufgegeben worden. Seither Invalidenrente, seit 1928 ist das Gewicht von 59 kg auf 52 kg gefallen. Tempera tur: 38 Grad. Dichter Katarrh ber beiden Lungen. Film: dichte, fleckig konfluierende Verschattung beider Lungenfelder. Rechts oben Aufhellung. Diagnose: Vorge schrittene Lungentuberkulose nach achtjhriger Asbest arbeit.
mig ausgeste Herdschatten. Nach unten zu wird die Verdichtung fast homogen, besonders links, wo sie dicht oberhalb des Zwerchfells in Handbreite in den Herzschat ten bergeht. Rechter Hilus verbreitert. Diagnose: Asbest
lunge, Tuberkuloseverdacht, allgemeine Krperschwche.
Die Krankengeschichten zeigen in gleicher Weise, wie es bei der Steinhauerlunge der Fall ist,
die hufige Vergesellschaftung der Tuberkulose mit der Asbestlunge. Bei den reinen Asbestlungen ist
Die Beschwerden waren Mattigkeit, Kraftlosigkeit, Husten und Atemnot; seit 1928 hatte die Kranke von 41,5 kg auf 35,2 kg abgenommen. Sie ist bald darauf ge storben.
7. Herta M., 28 Jahre, nicht belastet, seit 1920 in Asbestfabrik als Spinnerin. 1927 Lungenspitzenkatarrh, des
immer wieder auffallend, wie gro die Beschwer
den im Verhltnis zu dem geringfgigen Rntgen befund sind. Der Versuch, die Kurzatmigkeit durch Digitalisbehandlung zu bessern, ist uns nicht ge lungen. Sichere Stauungserscheinungen haben wir
halb 1. Oktober 1927 bis Januar 1928 Grbersdorf. Am
20. Januar 1930 zu uns: Husten, Auswurf, Gewichtsab
nahme.
1
Schwchliche, abgemagerte Patientin, Gre: 153 cm.
Gewicht: 44 kg. Lockerer Husten. Physikalischer Befund
nie nachweisen knnen, doch wird man bei dem Anblick des leicht zyanotischen, kurzatmigen Kran ken immer zuerst an eine kardiale Dyspnoe denken.
Zur Diagnose fhrt die Feststellung der Asbest-
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DIE TUBERKULOSE.
Nr 1. 19:il.
arbeit. Sie wird gesichert durch das typische Rnt genbild.
Bei der beginnenden Erkrankung finden sich gut umschriebene, hirsekorn- bis linsengroe Fleck chen verstreut, vornehmlich in den unteren Lungen teilen. Spter fllt die Verbreiterung der Lungen wurzeln bei zunehmender Fleckelung der Unterund Mittelfelder beiderseits ins Auge. In schweren Fllen erscheinen die Unterfelder kompakt ver-
schattet. Der physikalische Befund tritt erst spt auf, es handelt sich dann um eine basale Bronchitis, die hufig, wie das auch sonst bei Randkatarrhen der Fall ist, als trockene Rippenfellentzndung ge deutet wird. Eine Tuberkulose wird sich immer nur schwer mit Sicherheit ausschlieen lassen. Bei allen Staublungen knnen tuberkulse Herde ber gehen werden. Sie zeigen sich am ersten physika lisch durch lokalisierten, feinen und mittelblasigen Katarrh in einem der Oberfelder, rntgenologisch durch die Asymmetrie der Verschattungen. Da bei der Asbestlunge eine Tuberkulose auch inaktiv sein und bleiben kann, zeigt der Fall 1; da sie hufig auf dem Boden auch dieser Staublunge bsartig ver luft, zeigt der Fall 9. Die Annahme Woods, da sicher diagnostizierte Flle sich dauernd verschlim
mern, auch wenn die Kranken aus der schdigen den Umgebung ferngehalten werden, ist irrig, selbst bei ausgedehnten Bergflachslungen kann die Aufgabe der Arbeit in kurzer Zeit alle Be schwerden schwinden lassen (Fall 5). Auswurfuntersuchung auf die Astbestkrperchen (Oliver, Pulmonary asbestosis, Arch. Gewerbepathol. u. Gewerbehyg., 1. und 2. Heft, hier gute Abbildun gen) haben wir nicht gemacht. Bei einem noch in Arbeit stehenden Kranken wrden die Asbestkr perchen nichts weiter beweisen, als da er in seine Luftwege feinste Asbeststubchen aufgenommen hat. Eine Erkrankung wird dadurch nicht sicher gestellt, ebensowenig wie Kohlenstaub im Auswurf des Bergmannes eine Anihrakosis beweist.
Dem Schrifttum nach sterben die Kranken an Bronchopneumonie oder an Tuberkulose. Oft wohl auch an sekundrer Herzschwche. Die Asbestosis ist eine Unterart der Silikosen. Ihre Eigenart ver dankt sie wohl neben der chemischen Zusammen setzung des Asbestes auch der Form seiner Staub teilchen. Es ist noch zu erforschen, ob sich die ein zelnen Asbestarten in ihrer Schdlichkeit verschie den auswirken. Bei anderen Silikosen ist das augen fllig (z. B. sind nach unserer Erfahrung die Sand steinarbeiter am roten Sandstein [Odenwald] noch gefhrdeter als die am weien Elbsandstein, was vielleicht auf den Eisengehalt zurckzufhren sein wird).
. Zusammenfassung.
Die Bergflachslunge ist eine rntgenologisch wohl charakterisierte Gewerbeerkrankung, die sich ebensogut bei Mnnern wie bei Frauen findet. Rechtzeitig erkannt, ist sie nach Abstellung der
schdigenden Ursachen der Heilung zugnglich, in sofern als die subjektiven Beschwerden restlos schwinden knnen. Heilstltenkren oder sonstige symptomatische Behandlungen haben nur vorber gehenden Wert. Bei den Asbestarbeitern sollte also vor Einstellung in die Arbeit eine Untersuchung auf Eignung stattfinden (obere Luftwege, Lmige). Fr Verminderung der Staubentwicklung ist noch mehr weiterhin Sorge zu tragen. Der Asbestarbeiter mu regelmig rntgenologisch untersucht werden, ins besondere ist eine solche Untersuchung beim Auf treten von Katarrhen oder Kurzatmigkeit vom be handelnden Arzt zu veranlassen.
S c h r i f t t u m : Auer oben angegebenen Schriften wurde benutzt: Asbest, seine Fundstellen, Gewinnung, Auf bereitung, Verarbeitung und Anwendung in Industrie und Technik. Festschrift, herausgegeben von Becker & Haag, Berlin SW 11,1927. -- Wood, W. Burton and S. Roodhouse Gloyne: Pulmonary asbestosis. Lancet 1930, I, 445--448.
(Aus dem Institut fiir soziale Krankheiten in Moskau. [Direktor: Dr. med. W. Holzmann; Leiter der Laryngo-
logischen Abteilung: Dr. med. L. Bassenko].)
Zur Pathogenese und Prognose einiger Formen
der akuten Larynxtuberkulose.
Von Dr. med. B. D a s c h e w s k a j a und
Dr. med. F. D o b r o m y l s k i .
In der Alltagsarbeit des Tuberkulosearztes tref fen wir nicht selten auf Flle von Larynxtuberku lose, welche sich in den Rahmen einer gegebenen Klassifikation nicht fgen wollen, und deren Patho genese von der blichen stark abweicht. Dieser Um stand erschwert die Prognose und Therapie solcher Flle. Unsere Aufmerksamkeit hat sich besonders auf eine Gruppe von Kranken mit akut entstande ner Larynxtuberkulose gelenkt, wobei der Proze von Anfang an besonders an den ueren Teilen des Larynx (Epiglottis, Cartil. arythenoid., Plicae aryepiglotticae) ausgesprochen ist.
Ueber unsere ersten Erfahrungen mit ausfhr licher Beschreibung der Klinik dieses Leidens haben wir als vorlufige Mitteilung auf dem 3. Kon gresse der Oto-Laryngologen der USSR. berichtet (,,Zur Klinik der akutverlaufenden Formen der Tu berkulose des ueren Kehlkopfes"). Zur Zeit ver fgen wir ber eine weit grere Zahl solcher Flle, was uns zu einigen pathogenetischen und prognostischen Schlssen berechtigt. Es werden 74 Flle besprochen, welche ein exquisites Bild zei gen und lngere Zeit beobachtet wurden. Diese Flle teilen wir in zwei Gruppen. In der ersten Gruppe, bei 34 Kranken, entwickelte sich der Pro ze in dem Kehlkopf a k u t bei anscheinender voller Gesundheit als erste Auswirkung der Tuberkulose. In der Anamnese dieser Kranken fehlen tuberkulse Antezedentien. Bei 40 Kranken der zweiten Gruppe war noch vor der Larynxerkrankung whrend 2 bis