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FILE NAME: German Articles - Some with English Translation (GER) DATE: 1963 DOC#: GER062 DOCUMENT DESCRIPTION: Excerpt - Book by Dr. Franz Koelsch - No Translation LEHRBUCH DER ARBEITSMEDIZIN BAND I ALLGEMEINE PHYSIOLOGIE PATHOLOGIE - FRSORGE VON DR. MED. FRANZ KOELSCH M INISTERIALRAT I. R,, VORM. BAYER. LA N D ESGEW ERBEARZT PRO FESSO R AN D E R U N IV E R S IT T M N C H E N HONORARPROFESSOR AN DER UNIVERSITT ERLANGEN H O N O R A R P R O F E S S O R I. R. D E R T E C H N . H O C H S C H U L E M N C H E N VIERTE, NEUBEARBEITETE AUFLAGE 1 963 den in der Lunge eines Steingutarbeiters etwa 60% Kaolin. -- Einer eigenartigen Staubgefhrdung sind die U n t e r g l a s u r - M a l e r ausgesetzt. Bei dieser Tech nik werden die aufgespritzten Farbgemische, welche neben den Metalloxyd-Farbkrpem auch die Flumittel Quarz, Spat, Kaolin enthalten, mehrfach ,,abradiert" bzw. ,,abgerieben", wobei reichlich feinster Staub entsteht. Dabei lt sich trotz der Arbeit im Abzugskasten eine Staubinhalation nicht vllig vermeiden. Bei 20--30jhriger Ausbung der an sich ,,ungefhrlichen" Ttigkeit sind daher Staub lungen migen Grades zu erwarten und vom V e r f. auch festgestellt worden. Glasschleifer: Glas ist kieselsaures Alkali. Im Spiegelglas sind rund 75% Quarz und je 12% Soda und Kalk vorhanden; geschliffen wird mit feinem Sand, mit einem Quarzgehalt von 70--90%. Eine Staubgefhrdung besteht zu nchst nur bei den Gemengemachern und bei den Hafenmachern (Verarbeitung von hochfeuerfestem Ton). Demgem kommen hier Silikosen bzw. Silikatosen vor. Was die Gefhrdung der Glasschleifer betrifft, so hatten e i g e n e Unter suchungen von 174 Spiegelglasschleifem nur in 12 Fllen mige Staublungen ergeben, in 2 weiteren Filmen waren bronchopneumonische Herde mit geringen Staubeinlagerungen zu erkennen. Demnach waren hier trotz langjhriger Expo sition durch das Staubgemisch aus Glas- und Sandstaub erheblichere spezifische Schden des Lungengewebes nicht festzustellen. -- Zu etwas ungnstigeren Er gebnissen kam S c h n e i d e r bei Hohlglasschleifem. Er fand bei diesen hufig echte Silikosen mit allen Kennzeichen dieser Erkrankung, darunter auch einige schwere Flle (auch Todesflle). Die Ursache liegt hier in dem Versprhen des quarzhaltigen Schlamms, der beim Naschleifen auf den Kunststeinscheiben ent steht und weithin versprht wird. In frherer Zeit lag die Gefhrdung beim Schleifen auf Sandstein und beim Polieren mit Bimsstein. -- Amerikanische Au toren hatten jngst einschlgige Tierversuche gemacht. Demnach konnten mit Glasstaub weder auf den Augen, noch im Magendarmkanal Schden verursacht werden; bei Inhalationsversuchen von mehr als ljhriger Dauer konnten nur geringfgige Lungenschden festgestellt werden, aber weder Bronchialschdigun gen noch fibrotische Reaktionen. Abschlieend kann hier noch die Glaswolle (Glasseide) und Steinwolle (Schlacken-, Htten-, Silanwolle) angefgt werden. Die Glaswolle hat einen Kie selsuregehalt von etwa 55--70% --- die Steinwolle enthlt etwa 30--40% Ge samtkieselsure. Bei der Herstellung und Verarbeitung brechen Stckchen ab, die als feinste Nadeln in die Luftwege gelangen und sich dort einbohren. Es handelt sich hierbei um Silikate, von denen man theoretisch eine solikogene Wirkung erwarten kann. Wir wissen aber auch, da die physikalisch-chemische Struktur der verschiedenen Stube eine wesentliche Bedeutung hat. Beim Glaswolle- bzw. Steinwolle-Staub handelt es sich um eine strukturell ungeordnete, nicht kristal line Phase des sog. ,,vitroiden" Zustandes. Damit fehlt ihnen die nach den neuesten Erkenntnissen fr die Silikogenitt unabdingbare Voraussetzung des Kristall-Gitterbaues mit seinen gesetzmig definierten Abmessungen und jener ,,Fernordnung" der Bausteine, die den katalytischen Umbau des Eiweies in Rich tung einer Faserstruktur zu bewirken vermag (J g e r). Immerhin kommen so wohl bei den mit der Herstellung Beschftigten, als insbesondere bei den dieses Material verarbeitenden Personen (Isolierer, Mattennherinnen) nach langjhriger Ttigkeit Beschwerden seitens der Luftwege (Stechen in den oberen und tieferen Zonen, Reizhusten, Atembeschwerden u. .) vor, der Rntgenbefund er gibt verstrkte Zeichnung, streifige Verschattungen bzw. Verdichtungen. Im Gewebe wurden feinste Nadeln gefunden. -- H o l t z m a n n bemerkte da zu: ,,D as Bild hatte mit einer Quarzlunge nichts zu tun, hatte mehr hnlichkeit mit einer Asbestlunge." -- Einschlgige Beobachtungen sind vom Ver f . , aber auch von anderen in- und auslndischen Autoren mitgeteilt worden. Bekannt sind die Reizungen der Augen durch den Staub sowie die stark juckenden Haut reaktionen auf die feinsten nadelfrmigen Fragmente. Ein Staubgemisch aus Glasfasern mit Kunststoff (pulverfrmiger polymerisierter Polyester) hatte im Tierversuch keine auffallenden Lungenschdigungen erzeugt. -- T e x t i l g l a s .(Glasseide) wird verwendet zur Verstrkung von Kunststoffen, auch als Elektroisoliermittel. Angeblich sind hier die Hautreizungen geringer; Lungenschden sol len nicht Vorkommen; im Ftterungsversuch waren Magenstrungen nicht vorge kommen, nur leichte Rtung der Darmschleimhaut. Asbest (Bergflachs) ist ein Mineral von faseriger Struktur und seideartigem Glanz, chemisch Magnesium-Silikat. Er wird im Tag- oder Stollenbau gewonnen und hauptschlich aus dem Ausland (Kanada, Sdafrika, Sibirien usw.) ein gefhrt. Man unterscheidet verschiedene Sorten: den S e r p e n t i n - A s b e s t (kalkfrei), den H o r n b l e n d e - A s b e s t (stark Kalk, auch Kieselsure enthal tend, den b l a u e n K a p - A s b e s t (mit viel, bis 40%, Eisenoxyd). F r e i e K i e s e l s u r e ( Q u a r z ) i s t i n k e i n e r S o r t e e n t h a l t e n ; der Magnesium gehalt liegt bei 30-- 40%, der Silikatanteil bei 40--50%. Die Eigenschaften aller Asbeste sind: Feuerbestndigkeit und Wrmeisolierung, Widerstandsfhigkeit ge gen Suren und schlechte Leitfhigkeit gegen Elektrizitt -- andererseits er mglicht die Faserstruktur die Verarbeitung zu Textilien (Verspinnen, Verzwirnen, Weben, teils fr sich, teils mit anderen pflanzlichen Fasern oder metallischen Gespinsten. So werden feuersichere Gewebe und Bekleidungsstcke, Isolierschnre und Matten, Dichtungsplatten, Brems- und Kupplungsbelge u. . m. hergestellt. Kurzfaserige Asbeste werden zu Bauplatten und -steinen u. dgl. verarbeitet, auch in Mrtel oder Kunststoffe eingearbeitet. Im Asbestzement sind etwa 10% Asbest enthalten. Dnne Aufschwemmungen von Asbestfasem mit Zement werden auch mit der Spritzpistole aufgetragen (als Isolier- und Feuerschutzmittel). B e r u f l i c h e G e f h r d u n g e n bestehen berall dort, wo Feinstaub ent steht, also zunchst bei der Gewinnung und Roh-Aufbereitung, besonders bei der Fernverarbeitung (Aufschlieen, Mischen, Krempeln, Spinnen, Weben, Mischen, Matratzenfllen u. dgl.) --, aber auch bei weiteren Verarbeitungen der oben genannten Fertigprodukte. Der Staub ist hier charakterisiert durch den Gehalt an feinen Ndelchen von etwa 2--6 // Lnge (Asbestnadeln), welche sich in das Krper- bzw. Lungengewebe einbohren. Solche Nadeln knnen -- wie schon oben angegeben -- in die H a u t eindringen und die A s b e s t w a r z e n erzeugen (s. S. 659), ferner in den o b e r e n L u f t w e g e n Reizerscheinungen hervorrufen. Die Einatmung des Staubes ver ursacht die A s b e s t - S t a u b l u n g e ( A s b e s t o s e ) . Die E x p o s i t i o n s Z e i t e n sind recht verschieden, abhngig von der Massigkeit des Staubes am jeweiligen Arbeitsplatz und der persnlichen Empfindlichkeit. Die beobachteten Zeiten fr den Beginn der ersten Beschwerden schwanken zwischen mehreren Monaten bis Jahren; manche Arbeiter waren aber selbst in einigen Jahrzehnten beschwerdefrei geblieben. Die erste Mitteilung ber diese Staublungenerkrankung war wohl von dem Eng lnder M u r r a y (1899) erfolgt; in Deutschland wurde 1914 ein Fall von F a h r mit geteilt, ein weiterer um 1925 beobachteter Fall (K o e 1s ch) ist nicht verffentlicht wor den. Eingehendere Beobachtungen wurden erst 1931 von B t t n e r - W o b s t und von T r i l l i t z s c h (aus Sachsen) mitgeteilt. . K r a n k h e i t s b i l d : Als erste Krankheitserscheinungen treten Reizhusten, Auswurf, Brustbeklemmung mit leichter Kurzatmigkeit, Bruststechen und Rcken- 570 Die Klinik der Berufskrankheiten schmerzen auf; oft ist die Stimme ,,belegt" . Frhzeitig werden (besonders bei Anstrengungen) die Hilfsatemmuskeln in Anspruch genommen. Die apnoische Pause ist verkrzt. Sodann ergibt die Auskultation fters katarrhalische Gerusche in den seitlichen unteren Lungen-Randpartien. Auch eine Abnahme der Lungen elastizitt ist festzustellen. Der Klopfschall ist meist unverndert. Im weiteren Verlauf kommt es dann zu zunehmenden Atembeschwerden, Einengung der Atembreite, zu vermehrten bronchitischen Geruschen, zu chronischer Bronchitis und Bronchiektasen. Der Auswurf ist zh-schleimig, zeigt gelegentliche Blut spuren. D as Herz wird durch berlastung geschdigt, die Herzgrenzen werden verbreitert. In fortgeschrittenen Fllen knnen fieberhafte bronchopneumonische Prozesse auftreten. Flchen- oder schalenartige Kalkeinlagerungen auf der Pleura wurden beschrieben. Oft erscheint das Zwerchfell fixiert. Der Tod erfolgt ge whnlich durch Versagen des Herzens, nach Hypertrophie und Dilatation der rechten Kammer. Demgem sind nicht selten sog. Trommelschlegel-Finger zu sehen. '': Besonders wichtig ist hier die Untersuchung des A u s w u r f s , in welchem die A s b e s t n a d e l n , d. h. feinste Asbestfsern, zu finden sind. Es handelt sich um farblose, durchsichtige, doppeltbrechende Gebilde, die sich in das Lum gengewebe eingespiet hatten. Diese ,,Nadeln" liegen besonders in den unteren Lungenpartien und wandern, durch die Atembewegungen dauernd verschoben, im Gewebe. Sie sind im Sputum und in den Lungenschnitten zu finden. -- Ein weiterer Befund im Sputum (natrlich auch in Lungenschnitten) sind die A s b e s t o s e k r p e r c h e n , d. h. gelblich bis brunlich gefrbte Gebilde mit verschiedenartigen Formen, meist wie Keulen oder ein- oder zweikpfige Hanteln, gelegentlich auch mit Einschnrungen, mit Lngen von etwa 15-- 150 fx und Dicken von 1--5 /u. Diese Asbestosekrperchen werden im Lungengewebe selbst gebildet, vermutlich durch Zusammenbacken von Nadeln und Einhllung in Eiwei oder in Kieselsuregel. Sie sind eisenhaltig, gefrbt durch krpereigenes dreiwertiges Eisen. Sie liegen meist in den Bronchiolen und Alveolen. Die Asbestosekrperchen sind in manchen Fllen schon nach 2--3 Monaten Asbest arbeit nachzuweisen, aber auch noch 3 Jahre nach Einstellung dieser Ttigkeit gefunden worden. Die Asbestnadeln und die Asbestose-Krperchen werden im S p u t u m n a c h g e w i e s e n wie folgt: Der gesammelte Auswurf wird mit der gleichen Menge ntiformin versetzt und bis zur Auflsung stehengelassen. Der Bodensatz wird mehrfach gewaschen und dann auf einem Objekttrger ausgestrichen. Mit Ferrozyankalium und verdnnter Salzsure geben die Asbestose-Krperchen die Berlinerblaureaktion; dje Asbestnadeln geben keine Eisenreaktion. In den ungefrbten Lungenschnitten sind die Asbest-Nadeln nach Aufhellung mit Brombenzol bei Dunkelfeld-Beleuchtung ,,aufleuchtend" zu sehen. Die obengenannten Sputumbefunde weisen darauf hin, da der betreffende Patient Asbeststaub eingeatmet hatte, geben aber noch keinen Aufschlu ber die Schwere des Krankheitsgeschehens bzw. ber die Arbeitsfhigkeit. D a s R n t g e n b i l d zeigt hier ein feines Netz- und Maschenwerk mit zar ten fleckigen Einlagerungen (Nebelschwadenstruktur), besonders in den Unterfel dern; oft finden sich an den vorderen Lungenrndem (besonders in der Herz gegend) bandfrmige Schattenstreifen hnlich ,,Filzstreifen". Meist ist eine str kere Hilusauffaserung entlang dem Herzrand vorhanden. Das Rntgenbild ent spricht meist n i c h t den schweren Atemstrungen; es steht im Miverhltnis zu Jen oft sehr erheblichen subjektiven Beschwerden. D i e P a t h o g e n e s e der Asbeststaublunge ist wesentlich verschieden von ler einer Silikose oder Silikatose. Es handelt sich hier n i c h t um die Bildung Atmungs-System 571 von fibrotischen Kntchen oder Schwielen infolge fibroplasiischer Wirkung von gelster S i0 2, sondern zunchst um eine Durchsetzung des Lungengewebes mit unzhligen feinen, im Gewebe wandernden Nadeln aus Magnesiumsilikat, die schon durch diese mechanischen Einwirkungen erhebliche Beschwerden ver ursachen. Durch Lsung der Ndelchen findet berdies eine geringe Silikatwir kung mit diffuser zarter Fibrose des umgebenden Lungengewebes statt, so da sich im weiteren Verlauf eine interstitielle indurierende Pneumonie ausbildet Der Proze spielt sich vorwiegend in den u n t e r e n Lungenpartien ab, meist rechtsseitig mehr als links. Die pulmonale Pleura ist allgemein, besonders aber an der Basis, verdickt; Zeichen einer frischen Pleuritis knnen vorhanden sein. Verwachsungen lassen oft die Interlobrspalten verschwinden. Die Pleura zeigt zahlreiche Verwachsungen mit dem Brustkorb und dem Perikard. Die Lungen sind hart, klein, geschrumpft und in den Unterlappen wenig lufthaltig. Infolge der interstitiellen Fibrose und der Verwachsungen der Pleurarume sind die Bronchien erweitert, man findet hufig Bronchiektasen mit kleinen multiplen Abszessen, ferner septische Bronchitis; bronchopneumotische Herde, auch lobre Pneumonie im Endstadium der Erkrankung. Die Hilusdrsen sind allgemein ver grert, pigmentiert und hart. D i a g n o s e : Richtunggebend ist zunchst die Beschftigung des Patienten nach Art und Zeitdauer. Falls eine lngere Asbeststaubeinwirkung nachgewiesen ist, drfte die Deutung der subjektiven Beschwerden und des objektiven Befun des (Rntgen, Asbestnadeln und Asbestosekrperchen) keine groen Schwierig keiten machen. D i f f e r e n t i a l d i a g n o s t i s c h kommen Stauungslunge und starke chro nische Bronchitiden mit Bronchiektasen in Betracht -- doch ist das Rntgenbild der Asbestose zarter, manchmal sogar recht geringfgig (Lupenbetrachtung erfor derlich!). Bei Frauen mit starker Entwicklung der Brustdrsen sieht man gelegent lich ber den unteren Lungenfeldern Verschleierungen, die zu Irrtmern Anla geben knnen. Fr die B e g u t a c h t u n g sind neben der Atmungsbreite die Lungenkapa zitt, die Zeitdauer des Atemhaltens (mit Stoppuhr zu messen!), das Verhalten des Herzens dabei sowie sonst auftretenden Vernderungen zu prfen. Staungs- erscheinungen nach Anhalten des Atems und leichten Anstrengungen sind zu erwhnen, ebenso Zahl der Atemzge und Art der Atmung. Die Gre des Ausfalls im Herz-Lungen-Kreislauf ist neben dem Rntgenbild von ausschlag gebender Bedeutung. Als K o m p l i k a t i o n e n einer Asbestose sind hauptschlich vom versicherungsmedizinischen Standpunkt aus zu errtern die L u n g e n t u b e r k u l o s e und der L u n g e n k r e b s . Was zunchst die T u b e r k u l o s e betrifft, so sind die statistischen Angaben aus den verschiedenen Lndern recht schwankend; nach den Beobachtungen in Deutschland besteht k e i n direkter urschlicher Zusammenhang. Es drfte auch hier der Grundsatz gelten: wenn in einer Gegend bei der Gesamtbevlke rung ein hoher Tuberkulosebefall besteht, sind natrlich auch die dortigen Asbest arbeiter entsprechend belastet. Demgem ist die Kombination ,,Asbestose mit Tuberkulose" in der Deutschen Berufskrankheiten-VO. n i c h t enthalten. Anders liegen die Verhltnisse beim L u n g e n k r e b s . Die Beobachtungen der letzten 25 Jahre fhrten zur Erkenntnis, da hier engere urschliche Zusam menhnge bestehen, nmlich der Befall von Asbestarbeitern in einem noch relativ jngeren Alter nach etwa 15--20 Arbeitsjahre, und zwar zu etwa 15% der gefhr deten Personen. Der Sitz der Krebsgeschwulst (verhornender Plattenepithelkrebs) I n ie jsaimK aer Ueratskrankheiten rax fast immer im Unterlappen; in ihr fanden sich meist Pakete von Asbest adeln oder -krperchen. Auch Krebswucherungen in der Pleura und ein Fall on Bauchfelltumor sind beobachtet worden. Nachdem auch in Tierversuchen die Erzeugung von verhornendem Plattenepithelkrebs durch Asbeststaub gelungen t, kann ein urschlicher Zusammenhang nicht mehr bestritten werden. Es wuren aber auch andere Tumorformen (Rundzellen- und Adenokarzinome) gefnen. Beachtlich ist, da in manchen dieser Krebsflle nur relativ geringgradige ernderungen der Lungenasbestose Vorgelegen hatten. H i l f e : Alle Manahmen des technischen und persnlichen Staubschutzes -- ztliche Aufnahme und Zwischenuntersuchung, rechtzeitiger Arbeitsplatzwechsel, 'ie Raumluft soll nicht mehr als 5 mg Staub pro cbm Luft enthalten. Der V e r s i c h e r u n g s s c h u t z der 6. Berufskrankheiten-VO. erstreckt sich if die Asbest-Staublungen-Erkrankung (Asbestose) nach Ziffer 30 und auf diese rkrankung in Verbindung mit Lungenkrebs nach Ziffer 31. -- Irgendwelche aduelle Einschrnkungen sind dabei nicht vorgesehen; erfat sind die Verherten aller Unternehmen. -- Da auch beim Auftrgen der G e m i s c h e on A s b e s t f a s e r n m i t Z e m e n t eine Gefhrdung durch AsbestfaseriT glich ist, erscheint es vertretbar, evtl, dabei auftretende krankmachende ingenverstubungen als Asbestschden anzuerkennen. Ru und Kohlenstaub sind an sich als n i c h t - silikosegefhrlich zu zeichnen, soweit es sich um reines, nicht mit Kieselsure (Quarz) oder Siliten verunreinigtes Material handelt. R u besteht aus feinen Kohlenstoffflok- n; der knstlich (durch Verschwelen von Minerallen, Naphthalin u. dgl.) her stellte Ru ist frei von Silikaten; demgem entsteht hier nur eine harmlose ithrakose, die wohl im Rntgenbild als Trbung oder verstrkte Zeichnung scheint, aber keine strkeren Beschwerden macht. Dagegen sind im Kamm er Kesselru oft mineralische Verunreinigungen enthalten; infolgedessen wern bei Kesselputzern oder Kaminkehrern gelegentlich auch Vernderungen im ine einer Silikatose gefunden. Die whrend vieler Jahre erfolgte berschttung s Lungengewebes fhrt aber schlielich zu einem Reizzustand mit einer intertiellen, peribronchialen und perivaskulren Bindegewebsvermehrung; klinisch twickeln sich chronische Bronchitis und Emphysem. R e i n e r K o h l e n s t a u b :eugt eine Anthrakose, d. h. eine Imprgnierung des Lungengewebes ohne nen- nswerte Gewebsvernderungen. Immerhin kann durch eine zu massige berlttung der Lungen ber lngere Zeit ein Reizzustand im Sinne einer Fremd perreizung mit bindegewebiger Proliferation hervorgerufen werden. In der ixis finden sich aber hufig mehr oder minder erhebliche Verunreinigungen > Staubes durch Silikate vor, welche zu den bekannten Mischstaublungen fhl, je nach der Anwesenheit von Si0 2 auch mit leichten Fibrosen oder lokalirten Einschmelzungen. Bei K o k s - A r b e i t e r n waren keine nennenswerten .ublungenvernderungen gefunden worden. Die Quarzverunreinigungen der schiedenen Kokssorten erwiesen sich als sehr gering. Im brigen werden diese leiten meist im Freien vorgenommen; sie sind auch heute weitgehend meehanirt. Der Koksstaub, der im allgemeinen nur sehr geringe Quarzverunreinigunl hat, machte weder bei den untersuchten Arbeitern, noch im Tierversuch inenswerte Lungenvernderungen. Graphit ist kristallinischer Kohlenstoff, der natrlich vorkommt oder knstt hergestellt wird. In den Naturgraphiten finden sich aber hufig mineralische unreinigungen; in manchen Produkten wurden bis 10% Gesamtkieselsure geden, manchmal sogar wesentlich mehr. Demgem sind die Lungenbefunde den Graphitarbeitern sehr verschieden. Der Graphit findet vielfache Verwen- Atmungs-System 573 dng zur Herstellung von Schmelztiegeln, Elektroden, Bleistiften, als Schmiernd Schwrzungsmittel usw. Reiner Graphit macht k e i n e fibrotischen Lungen vernderungen, es gibt also keine echte Graphitstaublunge, nur eine harmlose Anthrakose. Eine lngerdauemde sehr massige berschttung der Lungen mit relativ reinem Graphitstaub kann allerdings eine Imprgnierung des Gewebes mit Reizzustnden und strkeren Verdichtungen hervorrufen, die im Rntgenfilm erkennbar sind. Infolge Gefverstopfung knnen Kolliquator-Nekrosen und Gewebe-Einschmelzungen mit Zystenbildung auftreten; letztere enthalten eine schwarze schmierige Flssigkeit, die abgehustet wird. Gelegentlich finden sich dabei nadel- oder plattenfrmige Graphitkrperchen in einer eisenhaltigen Hlle. -- Die Ofenschwrze und die schwarzen Bleistiftminen enthalten Graphit mit tonigen Zustzen. Wesentliche Lungenvernderungen wurden bei diesen Arbeitern bisher nicht festgestellt. Da aber in manchen Graphit-Handelsproduk ten S i0 2-Verunreinigungen von 5-- 18% (mit freier S i0 2 von 2--10%) enthalten sind, wird es erklrlich, da gelegentlich, besonders nach sehr vielen Arbeitsjah ren, doch geringe silikotische Vernderungen im Rntgenbild der Lungen (Misch staublungen) erkennbar werden. Ocker: Die Ockererde ist ein Verwitterungsprodukt eisenoxydhaltiger Feld spatarten. Der Anteil an Silikaten ist je nach Vorkommen sehr schwankend und liegt zwischen etwa 8% und 40%. Demgem ist auch das Vorkommen von Staubsehdigungen auerordentlich verschieden. Whrend in manchen Gegenden bei diesen Arbeitern kaum nennenswerte Lungenverstubungen zu beobachten sind, finden sich in anderen Betrieben mit einem greren Gehalt anSi02mehr oder min der starke Lungenvernderungen im Sinne einer Silikatose bzw. Sidero-Silikatose. Ultramarin ist ein Schmelz- bzw. Rstprodukt aus Kaolin, Natriumkar bonat, Natriumsulfat, Schwefel, Kohle und Kieselsure (in Form von Quarzpul ver oder Kieselgur). Die Nuancen des blauen Pigments sind von der jeweiligen Mischung der obigen Stoffe abhngig. Die Analyse einer Handelsware ergab etwa 35% Kieselsure, etwa 30% Aluminiumoxyd, etwa 20% Natriumoxyd, etwa 12% Schwefel. Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen verursachte der Ultramarin staub nur geringfgige Lungenverstubungen mit blulicher Verfrbung, aber ohne wesentliche fibrotische Gewebsvernderungen. Beobachtet wurden aber auch (selten) verstrkte netzfrmige Zeichnung, strkere Verdichtung und Auffaserung des Hilus; gelegentlich kann man ein Staubdepot mit Schattenballung finden. Metallstaube: Von den Lungenschden durch Metallstube sind die durch Hart metall, Aluminium und Beryllium verursachten dem besonderen Versicherungs schutz unterstellt. Hartmetalle: Bei der Herstellung der Hartmetalle bzw. Metallkarbide kommen in Frage Wolframkarbid, Titankarbid, Kobalt, auch Nickel, Chrom, Vanadium, Molybdn, gelegentlich auch in kleinen Mengen Tantal oder Niob. Diese Feinstpulver werden bei Temperaturen von 1200--2000 C zusammen gesintert, auch mechanisch bearbeitet. Die dabei auftretenden Stube sind an sich inert und erzeugen in den Lungen ,,Staubscke" , knnen aber auch Reiz zustnde (Reizhusten, Bronchitis, Kurzatmigkeit), ferner Pneumonitis, evtl, inter stitielle oder chronisch-kamefizierende Pneumonie hervorrufen. Rntgenologisch findet man eine geringe Netzzeichnung (Reizfibrose), in schweren Fllen eine strkere Netzzeichnung bis zu Kntchenkonglomeraten, besonders in den mitt leren und unteren Lungenfeldem -- je nach Disposition, Dauer und Konzentra tion der Staubeinwirkung. Bei einigen Personen wurden auch allergische Reak tionen beobachtet, wie Urtikaria, Bronchialasthma, Magendarmstrungen. -- In