Document J3yQ93p71dxDEvMbonpBnb8w6
VON ARDENNE Branche: Hochtechnologie / Vakuumbeschichtungen Maschinenbau Hauptsitz: Dresden/Sachsen Standorte: Weltweit 7 Standorte in Europa, Asien und Nordamerika Mitarbeitende in Deutschland: ca. 1.000 Mitarbeitende weltweit: ca. 1.200
Stellungnahme der VON ARDENNE zur "Consultation on a proposed restriction on the manufacture, placing on the market and use of per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS)":
Verwendung von PFAS bei VON ARDENNE: Die Gruppe der Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) ist uerst vielfltig und hat einen sehr breiten Anwendungsbereich: Sie kommen in Alltagsprodukten wie Kosmetika, Regenjacken und Pfannenbeschichtungen vor. Aber auch in industriellen Prozessen spielen sie eine zentrale Rolle. Dabei sehen wir, dass den PFAS (und hier insbesondere den Fluorpolymeren) in Hochleistungswerkstoffen genau die technische Eigenschaft zum politischen Verhngnis wird, wegen der sie eingesetzt werden und in vielen Hochtechnologie--Anwendungen hufig unersetzbar sind: ihre Langlebigkeit und ihre vielfltige Widerstandsfhigkeit. VON ARDENNE verwendet Fluorpolymere berwiegend als Hochleistungs-Dichtungen fr Vakuumkammern und als Materialien fr die Rollen der innermaschinellen Transportsysteme. Beides sind Hochtemperaturanwendungen, die ebenfalls hchste Anforderungen an die tribologischen Eigenschaften der Materialien stellen ebenso wie an die chemische Bestndigkeit ber einen langen Zeitraum hinweg. Sie sind ein essenzieller Teil des Herzstcks jeder Beschichtungsanlage fr z. B. den Einsatz in der Fertigung von Solarzellen oder auch zur Beschichtung von Architekturglas. Zustzlich finden sich Fluorpolymere bei unseren Anlagen in manchen Zukaufteilen - wie z. B. Vakuumpumpen und erfllen dort ebenfalls eine wichtige Aufgabe. Ein stabiles Hochvakuum ist essenziell fr die Beschichtungsprozesse unserer Anlagen sowie fr deren reibungslosen Betrieb ber viele Jahre hinweg. Dichtungen aus konventionellen Kunststoffen, z.B. auf Basis von reinen Kohlenwasserstoffen oder Silikonen, sind viel weniger bestndig und zersetzen sich unter dem Einfluss der extremen Bedingungen nach kurzer Zeit. Dichtungen aus Metallen, wie sie zumindest in der Theorie in manchen Anwendungen eingesetzt werden knnten, knnen in der Praxis, wenn sie einmal verbaut sind, nur noch uerst aufwndig gewartet oder gar ausgetauscht werden. Daher existieren aktuell keine fr unsere Anlagen einsetzbaren Alternativen.
Bewertung: Der chemische Anwendungsbereich des Beschrnkungsvorschlages ist aus unserer Sicht sehr breit gefasst. Unterschiedliche Stoffe mit z. T. komplett verschiedenen Eigenschaften und Risikoprofilen werden aufgrund der Tatsache zusammengefasst und gleichbehandelt, dass sie mindestens ein vollstndig fluoriertes Methyl- oder Methylen- Kohlenstoffatom (ohne daran gebundenes H/Cl/Br/I) enthalten. Fr eine nachhaltige Regulierung der PFAS ist eine differenzierte Vorgehensweise geboten. Hierbei sollte betrachtet werden, ob eine PFAS-Substanz bzw. deren Verwendung ein nicht
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beherrschbares Risiko fr die Umwelt und/oder die menschliche Gesundheit darstellt, ob berhaupt eine Umweltexposition vorliegt und ob geeignete Alternativen existieren. Die von uns eingesetzten Materialien wurden wissenschaftlich als ,,polymers of low concern" (PTFE, ETFE, FEP, PFA, PVDF und VDF-co-HFP) bewertet. Es wurde bewiesen, dass sie chemisch stabil, nicht toxisch, nicht bioverfgbar, nicht wasserlslich und nicht mobil sind.1) Aufgrund ihrer herausragenden Eigenschaften sind diese Hochleistungs-Polymere bis zu 100-mal teurer als ihre minderwertigeren Alternativen - wir setzen sie schon wegen des enormen Preises ausschlielich in Anwendungen ein, bei denen keine Alternative existiert und wir die performance des Materials zwingend bentigen. Diese langlebigen Fluorpolymere sind auf Jahressicht im mittleren Kilogramm-Bereich (ca. 350 kg) tief im Herzstck unserer Industrieanlagen verbaut und sind unerlsslich fr deren reibungslosen Betrieb ber viele Jahre. Nach Ende ihres Einsatzes werden sie selbstverstndlich fachgerecht entsorgt. Ebenso erfolgt die Produktion dieser Polymere unseres Wissens nach nicht unter Freisetzung von giftigen niedermolekularen PFAS, es handelt sich vielmehr um gut kontrollierte closed-loop Systeme.
Auswirkungen auf VON ARDENNE: Ein Verbot aller PFAS, was auch die Fluorpolymere betrfe, htte signifikante Auswirkungen sowohl auf VON ARDENNE, als auch auf die berwiegend lokale Lieferantenbasis, ebenso wie auf unsere Kunden vorwiegend aus der Solar- und Architekturglas-Branche. Es htte zur Folge, dass praktisch keine Beschichtungsanlagen an unseren Standorten in Deutschland mehr hergestellt werden knnten. Zustzlich kme das innereuropische Geschft komplett zum Erliegen. Eine schrittweise Verlagerung unserer kompletten Produktion und weite Teile der Beschaffung ins nicht-EU-Ausland wren dann die nchsten Schritte, um eine komplette Schlieung des Geschfts zu vermeiden. Das bedeutete die Verlagerung von ca. 600 hochqualifizierten Arbeitspltzen von Deutschland ins EU-Ausland. Dadurch wrde ein signifikanter Teil der Technologiefhrerschaft und unseres Know-Hows aus der Technologieregion Sachsen abgezogen und fhrte auch bei den weitestgehend aus der Region stammenden Zulieferbetrieben zu schweren Einbuen im Geschft, die in vielen Fllen existenzbedrohend wren. Damit wren die Auswirkung fr die Wirtschaft der gesamten Region Ost-Sachsen deutlich sprbar und der Technologietransfer hin zu anderen und weniger restriktiven Regionen der Welt wrde sich gerade auf dem Gebiet einer der Schlsseltechnologien der grnen Energiewende sogar noch beschleunigen.
Unsere Forderungen: VON ARDENNE untersttzt vollumfnglich die Bestrebungen, gefhrliche und umweltgefhrdende PFAS (z. B. Klassifizierung als: CMR, PBT, PMT, ED) nicht mehr in die Umwelt gelangen zu lassen. Eine gut ausgearbeitete Regulierung ist hier sicherlich sinnvoll. Der Beschrnkungsentwurf verbietet allerdings aus unserer Sicht - bis auf wenige und zeitlich beschrnkte spezielle Ausnahmen - auch wesentliche industrielle High-Tech Anwendungen, die fr eine grne Energiewende unverzichtbar sind. Das PFAS-Beschrnkungsverfahren sollte sich an der generellen Herangehensweise der REACH-Verordnung orientieren, die auf die wissenschaftlich fundierte Bewertung und Regulierung stoffspezifischer unkontrollierbarer Risiken ausgelegt ist (inklusive Risiko- und
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Expositionsszenarien) und nicht etwa auf ein Gefahrenmerkmal oder gar eine neutrale Eigenschaft wie die Persistenz. Daher sollte auf ein umfassendes, pauschales PFAS-Verbot verzichtet werden, das in vielen Fllen PFAS und insbesondere die von uns verwendeten Fluorpolymere nur aufgrund ihrer Persistenz miteinschliet. Die ,,essential uses" von ,,polymers of low concern" sollten auch weiterhin erlaubt sein, denn ohne Fluorpolymere sind zahlreiche Schlsseltechnologien der Zukunft in ernster Gefahr und schlussendlich kann eine grne Energiewende ohne diese Anwendungen nicht gelingen.
1) Henry, B. J; Carlin, J. P; Hammerschmidt, J. A; Buck, R. C; Buxton, L W.; Fiedler, H.; Seed, J.; Hernandez, O. A Critical Review of the Application of Polymer of Low Concern and Regulatory Criteria to Fluoropolymers. Integr. Environ. Assess. Manage. 2018, 14 (3), 316-334.)
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