Document 99Mzg6O4JmDE6V8vNLxYMoYeq
FILE NAME: German Articles - Some with English Translation (GER)
DATE: 1962 DOC#: GER061
DOCUMENT DESCRIPTION: Excerpt - Book by Dr. Franz Koelsch - No Translation
Die meldepflichtigen Berufskrankheiten
Ein Leitfaden fr rzte und Medizinstudierende
Von Dr. Franz Koelsch vormals Bayer. Landesgewerbearzt apl. Professor an der Universitt Mnchen Honorarprofessor i. R. der Technischen Hochschule Mnchen Honorarprofessor an der Universitt Erlangen - Nrnberg
Vierte, neubearbeitete Auflage
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1962 Urban & Schwarzenberg / Mnchen - Berlin
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29. Erkrankungen der tieferen Luftwege
hufiger befallen als die Metallschmelzer; dies ist in den Arbeitsbedingun gen (Art des Schmelzgutes, Bau der fen usw.) begrndet. Die Starbildung erfolgt im allgemeinen erst nach lngerer Arbeitszeit, nach 10 oder mehr Arbeitsjahren; krzeste Entwicklungszeiten sind selten.
K r a n k h e i t s b i l d : Die Starerkrankung beginnt im Pupillengebiet der Linse am hinteren Linsenpol, um sich von hier aus ber die brigen Lin senteile zu verbreiten. Gleichzeitig kommt es oft zu einer Beeintrchtigung der Akkommodationsfhigkeit und zu einer Ablsung der vorderen Kapsel lamelle (Zonula-Lamelle) der Linse. Befallen ist zunchst das Auge, welches den Strahlungen hauptschlich ausgesetzt war; die umgebende Gesichtshaut ist oft atrophisch. Spter wird auch das andere Auge befallen, wenn dieses als Ersatz fr das bereits ersterkrankte Auge mehr dem Feuer genhert wird. -- Bei Beginn kann durch Arbeitsplatzwechsel ein Stillstand erwartet werden; die Rckbildung einer bereits bestehenden Linsentrbung erfolgt jedoch nicht mehr.
B e u r t e i l u n g : Die Anerkennung einer Berufskrankheit setzt voraus die Ttigkeit in einem der angegebenen Berufe, die hinreichend lange Be schftigung als Feuerarbeiter (mindestens 10 Jahre), ein verhltnismig noch frhes Lebensalter. Charakteristisch ist der Beginn am hinteren Lin senpol und die Abspaltung der Zonula-Lamelle. Auch die Einseitigkeit der Entstehung ist bezeichnend. Wesentlich ist Abgrenzung gegenber dem Al tersstar. -- Die Arbeit an den Elektroschmelzfen hat sich bisher fr die Augenlinse als unschdlich erwiesen.
Im brigen erstreckt sich der Versicherungsschutz auf alle Unternehmen.
C. Durch gemischte (chemisch-physikalische) Einwirkungen verursachte Krankheiten
29. Erkrankungen der tieferen Luftwege und der Lungen durch Aluminium oder seine Verbindungen
G e f h r d u n g : Als hauptschlichste Krankheitsquelle ist die Herstel lung von Aluminiumfeinstaub (sog. Pyroschliff), insbesondere das Arbeiten beim Feinstampfen, Sieben und Mischen, ferner die Herstellung von Alumi niumpulver durch Schmelzzerstuben anzusehen. Neuerdings wurden auch hnliche Erkrankungen beim Ausschmelzen von Aluminiumoxyd (Corund) aus Bauxit festgestellt.
A u f n a h m e des Aluminiumfeinstaubes oder der Corundschmelzdmpfe mit der Atmung.
W i r k u n g s w e i s e : Neben einer unspezifischen Reizung der Schleim hute findet eine spezfische kolloid-chemische Wirkung des Al-Jons auf das Lungengewebe statt. Die Folge ist eine kollagenhyaline Umwandlung des
30. Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
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Gewebes mit Schrumpfung und Verhrtung. Diese Vernderungen knnen bei sehr intensiver Staubeinwirkung schon innerhalb eines Jahres, meist aber erst in lngerer Zeit entstehen; betriebsjngere Personen waren hu figer befallen. Voraussetzung ist, da der Staub lungengngig ist und reine
metallische Oberflchen besitzt. K r a n k h e i t s b i l d : Klinisch stehen Beschwerden von seiten des At
mungsapparates wie Husten mit und ohne Auswurf, Stiche beim Atmen, Druck und Beengungsgefhl auf der Brust sowie Atemnot im Vordergrnde. Auch ber Beschwerden von seiten des Verdauungsapparates, wie Appetit losigkeit und Leibschmerzen wird manchmal geklagt. Der auskultatorische und perkutorische Befund ist meist geringfgig oder uncharakteristisch, so da ein Rntgenbild (Groaufnahme!) unerllich ist. Ein spezifisches Rntrgenbild gibt es aber nicht; Kntchen und tumorartige Schwielen, etwa i. S. der Silikose, kommen bei der Aluminiumstaublunge nicht vor. Man findet anfangs eine verstrkte netzartig-wabige Lungenzeichnung, besonders in den Mittelfeldern, spter vermehrte Streifenzeichnung mit ZwerchfellausZiehungen und Streifenbahnen zu den aufgefaserten Lungenwurzeln. Die Lungenspitzen bleiben meist frei. Die Hilusdrsen sind nicht oder nur ge ring vergrert oder verdichtet. Der Herzschatten ist oft verzogen. Mehr fach ist auch ein Spontanpneumothorax beobachtet worden. Bei der spirographischen Prfung der Lungenfunktion zeigt sich eine Verminderung der Vitalkapazitt und des Atemgrenzwertes. Im Differentialblutbild kann fter eine starke Lymphozytose, bisweilen auch Eosinophilie beobachtet werden, whrend das rote Blutbild und die Blutsenkungsgeschwindigkeit normal bleiben. -- Eine erhhte Anflligkeit fr Tuberkulose ist bisher nicht fest gestellt.
B e u r t e i l u n g : Der grobe Aluminiumstaub, wie er beim Grobstamp fen oder bei der mechanischen Bearbeitung von Aluminiumstcken entsteht, macht keine Aluminiumstaublunge, ebensowenig das handelsbliche AlPulver mit seinen Korngren von 20 bis 70 , oder ein Al-Lack! Wie bereits oben gesagt, mu der gefhrliche Al-Staub lungengngig sein (z. B. PyroSchliff) und eine reine metallische Oberflche ohne Fett- oder Harz- u. dgl. -belag besitzen! -- Voraussetzungen fr die Entschdigung sind deutliche Funktionsstrungen mit nachweisbarer Erwerbsminderung, Der Versiche rungsschutz erstreckt sich auf alle Unternehmungen, doch drfte das Vor kommen einer echten Al-Staublunge heute sehr selten geworden sein.
30. Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
G e f h r d u n g : Asbest ist ein Magnesiumsilikat von faseriger Be schaffenheit mit einem Kieselsuregehalt von 40 bis 50% ; es wird in der Art der Textilfasern und meist auch mit diesen oder Metallgespinst zu sammen verarbeitet. Gefhrdet sind die mit der Aufbereitung des Rohma terials und mit der Weiterverarbeitung beschftigten Arbeiter, besonders
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30. Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
beim Mischen, Krempeln, Spinnen, Weben, Matratzenfllen usw., auch beim Bohren oder Schleifen von Asbestfertigung (Bremsbnder, Kuppelungsbe lge, Platten u. .), ferner bei Isolierungsarbeiten mit Asbest-Material. --
Die A u f n a h m e erfolgt in Staubform. Die W i r k u n g s w e i s e beruht auf rtlicher Reizung der oberflch lichen Schleimhute, auf Eindringen der Asbestfasem in das interalveolre Lungengewebe, wo sie eine Fibrose hervorrufen. Die Beschwerden der Asbeststaublunge pflegen nach 3 bis 5 Arbeitsjahren einzusetzen. Wenn ein mal die Asbestnadeln im Lungengewebe deponiert sind, kann sich die As bestose auch nach Aufgabe der gefhrdeten Arbeit spontan weiterentwik-
keln. K r a n k h e i t s b i l d : Die Lungenerkrankung (Asbestose) beginnt mit
Husten, Auswurf, Brustklemmung, Atemnot bei Anstrengungen, spter auch Ruhedyspnoe. -- Der objektive Befund ist meist recht geringfgig; in fortgeschrittenen Fllen finden sich abgeschwchtes oder rauhes Atmen, Giemen, Rasseln. Im Auswurf finden sich u. U. Asbestfasem von 1 bis 2 ^ Lnge, auch die viel greren sogenannten Asbestkrperchen von 15 bis 50 ,u Lnge, von Hantel-, Keulen- oder Nadelform, die sich erst im Krper selbst bilden. Ihre Entstehung ist noch nicht restlos geklrt; man erklrt sie als Asbestnadelbndel mit Eiweiumhllung oder Einkieselung.--Das Rnt genbild (Film notwendig!) zeigt zunchst eine uncharakteristische verstrkte streifige Lungenzeichnung (Filzstreifen) meist in den basalen Lungenbezir ken und an den vorderen Lungenrndern; in das feine Netzwerk sind ver einzelte Krnchen eingestreut. Die Hili sind verbreitert und verdichtet. Mit zunehmender Verschlimmerung verdichten sich die Verschleierungen und das Netzwerk, die Fleckschatten vermehren sich. Die oberen Lungenpartien zeigen meist ein vikariierendes Emphysem. Tumorartige Verschattungen kommen hier nicht vor. -- Engere urschliche Beziehungen zu Tuberkulose bestehen nicht; jedoch knnen gelegentlich einmal auch gleichzeitig tuberku
lse Prozesse vorliegen. Zustzlich sei bemerkt, da auch auf der Haut durch Einspieen von
Asbestnadeln warzige Gebilde (sog. ,,Asbestwarzen") entstehen knnen; auch Reizungen der Augenbindehaut und der oberen Luftwege kommen
vor. B e u r t e i l u n g : Zunchst ist die gefhrdete Berufsarbeit klarzustel
len. Die Diagnose wird durch den Nachweis der Asbestfasern bzw. -krperchen in Sputum (Anreicherung mit Antiformin) bzw. in histologischen Schnitten gesichert. --Nach dem Wortlaut der Ziffer 30 gengt es fr eine Anzeige, wenn deutliche Vernderungen i. S. einer Asbestose mit entspre chenden Beschwerden und Minderung der Erwerbsfhigkeit vorhanden sind. Bei der Untersuchung ist daher besonders auch auf die Funktion von At mung und Kreislauf (!) zu achten. Beachtlich ist dabei, da trotz anschei nend geringgradiger Asbestosevernderungen doch schon erhebliche Be schwerden bestehen knnen. --Im brigen erstreckt sich der Versicherungs schutz auf alle Unternehmen.
31. Asbeststaublungenerkrankung mit Lungenkrebs
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31. Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) in Verbindung mit Lungenkrebs
G e f h r d u n g und W i r k u n g s w e i s e : Wie oben bei Ziffer 30. K r a n k h e i t s b i l d :1m Rahmen der Asbesteinwirkung kommen hu fig in den Bronchien Epithelmetaplasien vor, wobei das Zylinderepithel durch Plattenepithel ersetzt wird; in der Folge kommt es auch zum Umbau im Lungengewebe, d. h. zur Entwicklung bsartiger Neubildungen. Die er sten einschlgigen Beobachtungen gehen auf das Jahr 1935 zurck; man schtzt den Krebsbefall der Asbestosekranken auf etwa 15%. Es handelt sich dabei um einen verhornenden Plattenepithelkrebs, der meist im Unter lappen sitzt. Die Entwicklungszeit betrgt 15 bis 20 Arbeitsjahre, jngere Altersklassen (30 bis 40 Jahre) erscheinen bevorzugt. Dabei kann die Lun genasbestose selbst manchmal nur wenig ausgeprgt sein. Auch in anderen Organen (im Brust- oder Bauchraum, in den Bauchdecken) wurden gelegent lich solche Neubildungen beobachtet. Der Krebs kann u. U. erst mehrere Jahre nach Aufgabe der Asbestarbeit in Erscheinung treten. B e u r t e i l u n g : Nachweis der Asbestarbeit nach Art und Zeitdauer, Nachweis der spezifischen Lungenasbestose irgendeines Grades; sodann der anschlieenden Neubildung. --Betr. Begleittuberkulose siehe oben!
32. Erkrankungen durch Beryllium oder seine Verbindungen
G e f h r d u n g besteht in den Unternehmen zur Gewinnung von Be ryllium aus seinen Erzen oder aus Zwischenprodukten der Erzverarbeitung, bei der Bearbeitung (Mahlen) der trockenen Berylliumverbindungen, ferner bei der Herstellung von Metallegierungen, von Schweistben, von Leucht stben usw.
A u f n a h m e durch Einatmen von Dmpfen und Staub. W i r k u n g s w e i s e : Reizung der oberflchlichen und tiefen Luftwege, der Augen bindehaut, der Haut.
K r a n k h e i t s b i l d : Beginn mit Bruststechen und -beklemmung, zu nehmender Atemnot; deutliche Zyanose; ausgedehnte Bronchitis mit bronchopneumonischen Herden, die auch rntgenologisch nachweisbar sind. Sputum, wenig, glasig, eitrig. Fieber zwischen 40 und 38 Grad mit meist lytischem Abfall. Perkutorisch ber Mittel- und Unterfeldern deutliche Dmpfungsbezirke; Atemgerusch ber den Dmpfungsbezirken bronchial, mitunter feine inspiratorische Gerusche. Es handelt sich um eine atypisch chronische karnifizierende Pneumonie. -- Das Rntgenbild ist gekennzeich net durch dicht stehende auffallend grobe, unscharf begrenzte Herdschatten in den Mittel- und Unterfeldern. Frhzeitige Herzschdigung, offenbar in folge berlastung durch den erschwerten Lungenkreislauf, jedoch ohne Ver nderungen im Elektrokardiogramm. Spter Versagen des peripheren Kreis laufes. Im Urin geringe Eiweiausscheidungen mit hyalinen Zylindern, Leu-