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Samstag, 4. Februar 2023 HEIMATWIRTSCHAFT Nummer 29 Bayernwerk-Plan fr die Energiewende Netzbetreiber legt Zehn-Punkte-Papier vor - Neue Leitungen und 300 Umspannwerke mssen gebaut werden Von Regina Ehm-Klier Passau/Regensburg. Es schneit, was vom Himmel kom- men will. Dennoch brennt in den Husern unvermindert Licht, kommt der Strom fr Maschinen und Computer aus den Steckdo- sen. Wie immer. Netzbetreiber ,,Bayernwerk" verzeichnete am Donnerstag zwar einzelne Strun- gen, doch das gehrt zum winter- lichen Alltag, ebenso, dass sich in solchen Fllen ortskundige Mit- arbeiter auch auf Langlauf-Skiern zum Einsatz in Waldgebieten auf- machen, wie beim Bayernwerk zu erfahren ist. Wenn eine Leitung ausfllt, msse man zur Scha- densstelle vordringen, um ein La- gebild zu erhalten und dann koor- dinieren - eine Mammutaufgabe. Und die Energieversorgung befindet sich in massivem Umbruch. Immer mehr Strom aus ,,Erneuerbaren", in Bayern vornehmlich aus Photovoltaik-Anlagen, fliet ins Netz: 12 000 Anfragen auf Einspeisung verzeichnete das Bayernwerk noch 2017, ,,60 000 waren es im vergangenen Jahr. Aktuell sind es 6000 pro Monat", verdeutlicht Dr. Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, die steigende Tendenz. 2025 rechnet er mit ber 120 000 Anfragen. Damit die Ziele der Energiewende 2030 erreicht werden knnen, ,,mssen wir massiv zulegen", so Westphal. So einfach ist das nicht. Da sind auf der einen Seite Kunden, die Energie aus PV-Anlagen ins Netz einspeisen wollen, da sind auf der anderen Seite immer mehr Verbraucher und unterschiedliche Anforderungen ,,durch E-Mobilitt oder die wachsende Zahl von Wrmepumpen", zhlt der Vorstandsvorsitzende auf. Dafr muss das Netz umgerstet werden: ,,Bis 2030 mssen wir die Ausbauziele fr unser Netz von zehn Gigawatt Einspeisung auf 40 Gigawatt ausrichten", erklrt er. Doch in vielen Punkten sind dem Netzbetreiber die Hnde gebunden, spricht Westphal lange Genehmigungszeiten, unterschiedliche Zu- le 5 5 fr.,z4 1 1 x5' S ik, Ta. 28,24- 11019. !-VAAM! MO ;Le. ;ja irLel eAMIiMTIMINRBM eW k! Das Stromnetz muss neu organisiert werden. Bis 2030 rechnet das Bayernwerk mit einer Vervierfachung der Energieeinspeisung. - Fotos: dpa/ek stndigkeiten und auch gesellschaftliche Akzeptanz an. Denn Leitungen und Umspannwerke werden zwar grundstzlich begrt - aber vor Ort nicht selten bekmpft. Um hier anzusetzen, hat das Bayernwerk einen ,,10-PunktePlan zur Beschleunigung der Energiewende in Bayern" aufgesetzt, der sowohl in der Politik als auch in Kommunen und in der Gesellschaft Untersttzung auslsen soll. Zum Redaktionsgesprch mit der Mediengruppe Bayern hat Westphal das Papier exklusiv mitgebracht. Ein berblick: Gesetzliche Regelung: Im Moment muss jedes einzelne Vorhaben um Leitung und Weitertransport geplant, beantragt, genehmigt werden. Das verschlingt Zeit und Energie: ,,40 Monate Genehmigungszeit hat im Schnitt ein Umspannwerk, eine 110-kV-Leitung ist acht bis zehn Jahre im Verfahren", erklrt der Vorstandsvorsitzende. 300 neue Umspannwerke seien im Bayernwerk-Netz erforderlich -- das ist eine Verdoppelung der bestehenden Anlagen. Das Bayernwerk stellt darum ein ,,Landesbedarfsplangesetz" an ,,Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe" Dr. Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender Bayernwerk AG den ersten Platz seiner ,,Wunschliste". Freistaat, Landkreise und Kommunen sollten darin ,,Vorrangflchen fr den knftigen Erneuerbare Energien Ausbau" festlegen, um nicht ber jedes einzelne Projekt im Grundsatz reden zu mssen. Vorbild ist das Bundesbedarfsplangesetz, das zum Beispiel dem ,,SuedOstLink" Vorrang einrumt. Das Verfahren solle nicht verhindert, nur beschleunigt werden. Anfragen reduzieren: Wer Energie ins Netz einspeisen will, muss das durch das Bayernwerk prfen und genehmigen lassen. ,,Das bindet viel Personal", erklrt Vorstandsvorsitzender Westphal eine Herausforderung - erst recht in Zeiten des Krftemangels. Denn der Netzbetreiber muss die Auswirkung jeder Anlage auf das Netz berechnen -- egal, ob die Anlage jemals in die Tat umgesetzt wird, oder nicht. Diese Antragsflut will das Bayernwerk bremsen, indem eine relative Verbindlichkeit der Anfrage eingefordert wird. ,,Wir nennen das, die Spreu vom Weizen trennen." Cluster bilden: An die ungebremste Anfrageflut anknpfend, schlgt das Bayernwerk vor: ,,Staatsregierung, Kommunen und Netzbetreiber mssen die Grundlagen fr ein Clustering schaffen. Das ermglicht dann fr eine Vielzahl an Anlagen einen gebndelten Netzanschluss, beispielsweise ein Umspannwerk als Einspeisesteckdose", fasst Westphal zusammen. Eine gemeinsa- me Koordinierungsstelle solle die Anfragen zusammenfassen und die Auswirkungen prfen. Davon ausgehend knnen dann Leitungen und Bau von zustzlichen Umspannwerken gezielt geplant werden. Genehmigungszeiten: ,,Es ist, als wrde man ein Auto kaufen, msste aber Jahre auf eine Strae warten", vergleicht Egon Leo Westphal den langen Genehmigungsweg und den Unterschied zwischen zum Beispiel PV-Anlage (Auto) und Netz (Strae). Selbst eine Erhhung eines bestehenden Strommasts erfordere ein frmliches Genehmigungsverfahren. Fiele nur dieser Schritt weg, ,,wre die Zeitersparnis in etwa ein Jahr", sagt Westphal und zhlt weitere Beispiele auf, wo wertvolle Zeit auf der Strecke bleibt. Hinzu kommen unterschiedliche Zustndigkeiten in bayerischen Ministerien - von Umwelt ber Bau bis Wirtschaft. Hier fordert das Bayernwerk eine ,,ministeriumsbergreifende TaskForce zur Umsetzung schnellerer Genehmigungspro- zesse". Im Papier finden sich weitere Punkte, wie die Energiewende Schwung bekommen knnte, anstatt sie zu bremsen. Westphal fhrt zum Beispiel die verzichtbare Eintragungspflicht von Balkonanlagen auf. Noch gilt: ,,Die brokratischen Hrden sind selbst fr den Anschluss von Kleinstanlagen immens", argumentiert er. Denn auch das bindet Personal. Gefordert sind auerdem weitere Anreize seitens des Freistaats, fr regionale Erzeugung und Verbrauch. Digitale Lsungen und Speichertechnik, die die Regulierung steuern, sind dazu erforderlich und sollten gefrdert werden. Aber was, wenn Strom gebraucht, aber nicht zur Verfgung steht --weil es zum Beispiel gerade heftig schneit und PV-Anlagen nicht liefern knnen? Ein ,,Mindestma an gesicherter Erzeugungsleistung" msse definiert werden, lautet die Forderung des Netzbetreibers. Das Ma solle eine Expertenkommission festlegen, nach dem schlielich sicher liefernde Kraftwerke (wasserstofffhige Gaskraftwerke, Wasserkraft) in den Regionen vorgehalten werden. Weitere Themen im Plan sind Manahmen zur Sicherung der digitalen Netze vor Angriffen und mehr Freiheit fr den Netzbetreiber, der durch diverse Regulierung in seinem Handeln eingeschrnkt ist. Und am Ende bedarf es einer Akzeptanz nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft. Das Bayernwerk regt eine Kampagne namens ,,Pro Netzausbau" an: ,,Politik, Energiewirtschaft, Industrie, Kommunen und Verbnde sollten positiv zum notwendigen Infrastrukturausbau kommunizieren", heit es in dem Papier. Insofern komme die Energiewende in Bayern durchaus voran, sagt Westphal. Allein das Bayernwerk wrde in diesem Jahr rund 780 Millionen Euro fr die Netzertchtigung und fr die neuen Aufgaben aufbringen. Der VorstandsChef fasst aber auch zusammen: ,,Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das muss uns allen bewusst sein." Dyneon-Aus: Sder und Aiwanger kommen Burgkirchen. Bayerns Ministerprsident Markus Sder (CSU) wird nchsten Donnerstag Nachmittag nach Burgkirchen reisen, um vor Ort mit Vertretern des Chemieparks und der Lokalpolitik ber die Folgen des Standort-Aus von Dyneon zu sprechen. Auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Whler) hat sich fr den Termin angekndigt. Der Freie Whler-Chef hat sich mittlerweile wie Sder ebenfalls mit Briefen an die EU gewandt. Inhaltlich decken sich Aiwangers Einschtzungen und Forderungen dabei mit jenen des Ministerprsidenten: Er bittet Kommissionsprsidentin Ursula von der Leyen und EU-BinnenmarktKommissar Thierry Breton, sich fr den Erhalt oder Verkauf des Dyneon Werkes im Chemiepark Gendorf einzusetzen. Zudem kritisiert er die ,,regulatorische berfrachtung im Rahmen des Green Deal" der EU und die da- mit einhergehende Verschlechterung der Wettbewerbsfhigkeit europischer Unternehmen im internationalen Vergleich. Aiwanger: ,,Unser Ziel muss es daher sein, einen angemessenen Interessensausgleich in Europa zu finden, um einen Verlust an heimischer Produktion und damit auch an Resilienz zu verhindern." Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grne) hat Post von Hubert Aiwanger bekommen. In der Hauptstadt hat man Dyneon allerdings bereits auf dem Schirm: Eine Woche nach Sder und Aiwanger wird Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Chemiedreieck erwartet. InfraServ, Betreiber des Chemieparks Gendorf, zeigt sich zuversichtlich fr den Standort. Der Chemiepark habe seine Resilienz und seine Transformationskrfte in seiner ber 80-jhrigen Geschichte mehr als einmal unter Beweis gestellt. -- jag Hilfen im ,,US-Format" Chieming. Eine politische, europische Antwort auf die wirtschaftsfreundliche US-Politik fordert die Industrie aus dem Alztal: Der Vorsitzende der GeschftsfhrungAlzmetall, Roland Ilg, und der Vorstand AlzChem, Dr. Georg Weichselbaumer, traten mit diesem Wunsch an den Bundesminister a. D. Dr. Peter Ramsauer beim CSU-Neujahrsempfang in Chieming heran. US-Firmen wrden nicht nur durch die Frderung der Industrie in Nordamerika profitieren, sondern auch durch niedrige- re Energiepreise. Die einheimi- schen Betriebe hingegen litten unter einer berbordenden EU- Brokratie und Ideologie-Politik, so Dr. Weichselbaumer laut Mit- teilung von Ramsauers Abgeord- netenbro. Dieser ist Mitglied im Wirtschaftsausschuss im Deut- schen Bundestag und befrchtet eine Verlagerung von Industrie nach Nordamerika durch das p- pige US-Gesetz zur Inflationsbe- kmpfung. In den USA flieen des- wegen Subventionen in dreistelli- ger Milliardenhhe fr Investitio- nen. -- hw Anzeige Studieren Sie Technik, die Leben rettet! 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